Eine Zusammenfassung der Studienlage zu Enoxaparin (Clexane) von Burkhard Linße, Medical Project Manager bei Aventis Pharma Deutschland GmbH.
Eine Zulassung zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen mit leichteren Lungenembolien ist in Deutschland für Clexane nicht erteilt worden. Sie ist demnächst auch nicht zu erwarten. Zulassungen zur Behandlung von Thrombosen mit Lungenembolien existieren für Enoxaparin beispielsweise in den USA, in Canada, UK, Portugal, Spanien, Österreich, Norwegen, Schweden, Finnland und Türkei. In diesen Ländern ist auch die Einmalgabe von Enoxaparin zur Therapie der tiefen Venenthrombose zugelassen, in Norwegen und Schweden darf eine Therapie der tiefen Venenthrombose mit Lungenembolie jedoch nur mit zweimal ein Milligramm Enoxaparin pro Kilogramm KG durchgeführt werden.
Die Verwendung von Enoxaparin zur Therapie der tiefen Venenthrombose mit und ohne Lungenembolie ist in der Studie von Merli 2001 geprüft worden. Etwa 900 Patienten (ca. 300 pro Gruppe) sind in diese Studie eingeschlossen und randomisiert entweder mit einmal 1,5 Milligramm Enoxaparin pro Kilogramm Körpergewicht (KG) s.c., zweimal ein Milligramm Enoxaparin pro Kilogramm KG s.c. oder aPTT gesteuertem unfraktionierten Heparin i.v. behandelt worden. Etwa ein Drittel aller Patienten hatte nachgewiesene leichtere Lungenembolien. Endpunkt der Studie waren rezidivierende Thromboembolien, die in 4,4 Prozent, 2,9 Prozent beziehungsweise 4,1 Prozent der Fälle auftraten. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Enoxaparin war vergleichbar mit der von unfraktioniertem Heparin.
Nach Ausschluss schwerer Lungenembolien kommt Findik (2002) zu dem Schluss, dass Enoxaparin bei Patienten mit manifesten Thrombosen, die unter der Behandlung leichtere Lungenembolien entwickeln, für eine Weiterbehandlung geeignet ist. 59 Patienten wurden entweder mit zweimal einem Milligramm Enoxaparin pro Kilogramm KG oder iv. adjustiertem unfraktionierten Heparin behandelt. Orale Antikoagulantien wurden ab dem zweiten Tag für mindestens sechs Monate gegeben. Nach acht bzw. nach 90 Tagen traten in der UFH-Gruppe 3,3 Prozent bzw. zehn Prozent und in der Enoxaparin-Gruppe null Prozent bzw. 3,4 Prozent rezidivierende venöse thromboembolische Ereignisse auf. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant. In beiden Studiengruppen gab es keine schweren Blutungen, kein Patient ist verstorben.
Auch Perez de Llano (2003) fand in einer kleineren Studie mit 50 Patienten, dass Enoxaparin bei Patienten mit submassiven Lungenembolien vergleichbar wirksam und verträglich zu sein scheint wie unfraktioniertes Heparin (10,7 Prozent vs. 9,5 Prozent rezidivierende thromboembolische Ereignisse).
Beckmann (2003) hat 60 Patienten mit symptomatischen Lungenembolien im Verhältnis 2:1 über 90 Tage entweder mit einer Enoxaparin-Monotherapie oder mit unfraktioniertem Heparin und oralen Antikoagulantien behandelt. Die 40 Patienten der Enoxaparin-Gruppe erhielten in der akuten Phase 14 Tage zweimal ein Milligramm pro Kilogramm KG und wurden danach in der chronischen Phase randomisiert entweder mit einmal ein Milligramm Enoxaparin pro Kilogramm KG oder einmal 1,5 Milligramm Enoxaparin pro Kilogramm KG behandelt. Rezidivierende thromboembolische Ereignisse traten bei drei von 40 Enoxaparin-Patienten bzw. bei keinem von 20 Patienten unter Standardtherapie (P=0,54) auf. Schwere Blutungen wurden bei einem Patienten der Enoxaparin-Gruppe und bei zwei Patienten unter Standardtherapie (P=0,26) auf.
Eine dreimonatige Monotherapie mit Enoxaparin bei Patienten mit akuten Lungenembolien scheint nach Meinung der Autoren durchführbar zu sein, bedarf aber noch der Überprüfung in größeren Studien.
Quellen:
- Merli, G. et al. Ann. Intern. Med. 2001; 134: 191-202
- Findik, S. et al. Respiration 2002; 69: 440-444
- Perez de Llano, L.A. et al. Arch. Bronconeumol. 2003; 39: 341-345
- Beckman, J.A. et al. Thromb. Haemost. 2003; 89: 953-958