Die Personaltrainerin Theresia Wölker, eine bekannte Kolumnistin der Ärzte-Zeitung, zählt zu den Mitveranstaltern solcher Kongresse. Sie macht unter anderem auf das Phänomen der Berufsblindheit aufmerksam, die auch bei engagierten Arzthelferinnen anzutreffen ist. Unter dem Druck des Praxisalltags schwinden manche guten Vorsätze, Freundlichkeit und Geduld versanden im Getriebe überfüllter Wartezimmer. Nachlässigkeiten schleichen sich in der Routine ein:
- Patienten stehen herum, ohne dass ihnen Aufmerksamkeit zukommt.
- Patienten liegen, manchmal nur teilweise bekleidet, in einem Behandlungszimmer, während das Personal ein- und ausgeht.
- Patienten werden mit ihrem Namen aufgerufen, aber ohne den Zusatz „bitte“.
- Patienten warten ohne Information über Wartedauer und ohne Lektüre in Behandlungszimmern.
Der Beruf der Arzthelferin ist ein sozialer Dienstleistungsberuf, der sich an den Bedürfnissen des Kunden Patient zu orientieren hat. Unter dieser Prämisse sollte das Praxisteam gelegentlich kritisch überprüfen, ob sich nicht doch eine gewisse Unempfänglichkeit für die Bedürfnisse von Patienten in die Praxisroutine eingeschlichen hat, merkt Theresia Wölker an. Leitlinien im Umgang mit den Patienten sollten immer wieder im Team besprochen und verbindlich festgelegt werden.
Andererseits sollten auch die Patienten wissen, was sich gehört und was nicht. Hilfreich sind nach Wölker Spielregeln, die einen solchen Praxis-Benimmführer im Praxisprospekt deutlich machen: Geduld ist geboten, wenn kein Termin vereinbart worden ist, respektvolles und höfliches Verhalten ist angemessen. Zu vermeiden sind lautstarke Gespräche mit dem Handy. Auf den Verzehr von Kaugummi, Speiseeis und Hamburger in den Praxisräumen ist zu verzichten.