1. BestellCenter
  2. Kontakt
  3. Sitemap
 
Schwierige Prognose
Interview mit Prof. Dr. Thomas Nicolai
Drucken
04. Mai 2007

Thomas Nicolai hat an der Universität München Humanmedizin studiert und wurde 1980 als Arzt approbiert. In seiner Dissertation befasste er sich mit Bewegungsartefakten in der Computertomographie (Promotion 1980). An der Kinderklinik der Universität München (Dr. von Haunersches Kinderspital) arbeitete er in der Ambulanz, erwarb die Anerkennung als Allergologe und Facharzt für Kinderheilkunde, später auch als Neonatologe. Ausbildungs- und Forschungsaufenthalte führten ihn in die USA, nach Österreich, Kanada und Australien. Seit 1991 ist er an der Kinderklinik der Universität München Oberarzt und leitet dort die Interne Intensivstation. 1999 erschien bei Springer sein praktischer Leitfaden „Pädiatrische Notfall- und Intensivmedizin“ (siehe „Literatur und Links“), 2004 in zweiter Auflage. Die Ernennung zum Professor für Kinderheilkunde erfolgte 2001. 


Medicus: Bei welchen Notfällen müssen Sie Kinder am häufigsten reanimieren? 

Prof. Dr. Nicolai:  Relativ häufig sind das Fälle, in denen Kinder beinahe den plötzlichen Kindestod erleiden, jedoch von den Eltern oder anderen Betreuern rechtzeitig entdeckt werden. 
Manchmal ist es bei diesen so genannten "near missed"-Kindestodfällen auch schon zu spät und die Wiederbelebung bleibt erfolglos. Andere typische Situationen sind zum Beispiel nach Ertrinkungen anzutreffen. Hier ist das Wichtigste, dass der Erstversorger, also in der Regel ein Laie oder ein Bademeister, sofort mit der Reanimation beginnt. Nur dann hat der später eintreffende Notarzt eine Chance, auch erfolgreich zu sein. 

Medicus: Sind Sanitäter und Notärzte gut genug ausgebildet für die Reanimation von Kindern?

Prof. Dr. Nicolai:  Im Prinzip werden Sanitäter und Notärzte zur Reanimation von Kindern ausgebildet. Da diese jedoch wesentlich seltener als Erwachsene als Patienten vorkommen, bedarf es einer ständigen Übungsweiterbildung, um hier den Trainingszustand ausreichend zu erhalten. Vor allem internationale Studien deuten daraufhin, dass die Erfolgsquote bei der Wiederbelebung von Kindern außerhalb von Kliniken unter 10 % liegt und damit eher ungünstiger als bei Erwachsenen ist. 

Medicus: Wann sollte möglichst ein Kinderarzt hinzugezogen werden? 

Prof. Dr. Nicolai:  Einen Kinderarzt hinzuzuziehen, ist in vielen Fällen wünschenswert, jedoch oft gar nicht möglich, insbesondere in ländlichen Gebieten und kleineren Städten. Die Hauptaufgabe des Kinderarztes bei der Reanimation ist erstens die Erkennung der besonderen, bei Kindern vorliegenden Erkrankungen, die zu der akuten Situation geführt haben. Zweitens die größere Routine im Umgang mit dem Kind, insbesondere bei Gefäßzugängen und der Intubation. Damit dies erfolgreich verläuft, muss jedoch der Kinderarzt notfallmedizinisch oder intensivmedizinisch oder kinderanästhesiologisch in Übung sein. 

Medicus: Welche ethischen Gesichtspunkte sind bei der Reanimation von Kindern zu beachten?

Prof. Dr. Nicolai:  Eine Reanimation um jeden Preis ist natürlich nicht sinnvoll. Dennoch ist bei Kindern die Prognose häufig gar nicht gut vorhersehbar, und die Chance auf eine Erholung ist bei Kindern größer als beim Erwachsenen. Rückblickend erinnere ich mich an Fälle, bei denen der Patient nach der Wiederbelebung nur noch im Koma bzw. mit einem apallischen Syndrom überlebt hat. In diesen Fällen wäre eine Wiederbelebung natürlich - im Nachhinein betrachtet - nicht sinnvoll gewesen. Es ist jedoch unmöglich, dies von vornherein mit ausreichender Sicherheit zu beurteilen. 


Nach oben

Kinderreanimation
Schwierige Prognose
Interview mit Prof. Dr. Thomas Nicolai
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
Beatmung und Herzmassage
Reanimation von Neugeborenen
Literatur und Links
Autor


  1. Copyright © 2005-2010 sanofi-aventis. Alle Rechte vorbehalten. | Impressum
  2. | Datenschutz
  3. | Nutzungsbedingungen
  4. | AGB
  5. |
  1. heatmap