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Es kommt auf die Haltung an
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23. Mai 2006
Interview mit Dr. Volker Höltke
Volker Höltke promovierte an der Universität Dortmund mit einer Trainingsstudie im Leistungsschwimmen. Seit 1993 arbeitet er als Trainingswissenschaftler in der Abteilung Sportmedizin am Krankenhaus für Sportverletzte Lüdenscheid-Hellersen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind leistungsdiagnostische Untersuchungen und Trainingsberatungen von Kader- und Freizeitsportlern verschiedener Sportarten. Zudem ist er seit mehreren Jahren Cheftrainer am Olympiastützpunkt Schwimmen in Dortmund.

Als ehemaliger deutscher Meister im Schwimmen (1979/80) betreibt der mittlerweile 47-jährige seit 2001 auch wieder leistungsmäßig das Sportschwimmen mit drei bis fünf Trainingseinheiten pro Woche. 2003 wurde er Vizeeuropameister über 200 Meter Schmetterling, seine aktuelle Bestzeit über 100 Meter Schmetterling liegt bei 1:03,56 min in der Altersklasse der 45- bis 49-jährigen.

Medicus:
In einer von Ihnen und Koautoren durchgeführten Erhebung unter Schwimmern im Hochleistungsbereich verzeichneten 56,9 Prozent der Teilnehmer Beschwerden am Knochen- und Bandapparat. Ab welchem Trainingsumfang treten solche Schäden zunehmend auf? Können auch engagierte Hobbyschwimmer betroffen sein?

Dr. Höltke:
Da es sich um degenerative Gelenkveränderungen handelt, treten diese Beschwerden in der Regel erst nach mehrjährigem Training über drei bis fünf oder mehr Trainingseinheiten pro Woche mit Wochenumfängen ab etwa 15 bis 25 Kilometer auf. „Hobbyschwimmer“ sind eher selten davon betroffen – wenn überhaupt, dann mit Kniebeschwerden. Diese werden verursacht durch zu häufiges oder zu einseitiges Schwimmen im „Brustschwimmstil“. Der Beinschlag in der Brustschwimmtechnik erfordert eine physiologisch ungünstige Außenrotation des Unterschenkels, was bei den Betroffenen eine schmerzhafte Reizung des Knieinnenbandes und/oder des Innenmeniscus hervorrufen kann.

Medicus:
Als eine Ursache für muskuläre Dysbalancen benennen Sie das spezifische Krafttraining, das die beim Schwimmen besonders wichtigen Muskelgruppen gezielt trainiert. Sollten Sportler das generell unterlassen, oder kann man das Training sinnvoll modifizieren?

Dr. Höltke:
Spezielles und spezifisches Krafttraining für das Schwimmen ist sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport sinnvoll, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Zu diesem Krafttraining gehören aber auch entlastende Übungen, so genanntes „Antagonistentraining“, sowie vorher und hinterher eine ebenso spezifische Dehn- und Lockerungsgymnastik. Richtig durchgeführt ist Krafttraining kein zusätzlicher „Risikofaktor“, im Gegenteil kann es degenerative Veränderungen verhindern.

Medicus:
Welche Behandlungsformen bieten sich bei den häufigsten Problemen an, also in den Bereichen Knie, Schulter und Rückenschmerzen?

Dr. Höltke:
In ernsten Fällen ist die gezielte und individuelle Hilfe durch einen Arzt und/oder einen erfahrenen Sportphysiotherapeuten notwendig. Prävention ist hier das Zauberwort: Durch ein variabel gestaltetes Training, mit gezielter Gymnastik und adäquatem Krafttraining, besonders unter Verwendung der elastischen Thera-Bänder, lassen sich einseitige, längerfristige Belastungen und Beanspruchungen vermeiden und so Sportschäden schon im Ansatz verhindern.

Medicus:
Wo können Schwimmsportler unter Anleitung das gezielte Ausgleichstraining erlernen, wie findet man entsprechend qualifizierte Therapeuten?

Dr. Höltke:
Mittlerweile gibt es ausreichend Spezialliteratur mit Übungsprogrammen zur Vermeidung von Überlastungs- und Sportschäden für alle Sportarten. Speziell für das Schwimmen interessant ist zum Beispiel das Buch „Mit dem Theraband am Beckenrand“ von Margarete Esser. Im Zweifelsfall ist es aber besser, sich von einem Sporttherapeuten beraten und ein Übungsprogramm zusammenstellen zu lassen.

Medicus:
Auch bei Freizeitschwimmern treten insbesondere bei ungünstiger Technik Belastungen auf, etwa der Halswirbelsäule beim aufrechten Brustschwimmen mit dem Kopf über Wasser. Inwieweit kann das nachhaltige Probleme verursachen?

Dr. Höltke:
Brustschwimmen erfordert eine physiologisch ungünstige, „unnatürliche“ Haltung der Hals- und Lendenwirbelsäule. Dies begünstigt muskuläre Verspannungen in den genannten Bereichen beim Schwimmen. Bereits vorhandene Muskelverkürzungen und 
-verspannungen, zum Beispiel durch sitzende Tätigkeiten im Berufsalltag, werden dadurch verstärkt und potenziert und können so eine Schmerzsymptomatik auslösen. Für Rückenpatienten ist Brustschwimmen daher sogar kontraindiziert. Gesundheitsorientiertes Schwimmen muss daher im Kraul- oder Rückenkraulstil durchgeführt werden. Erst die waagerechte Haltung der Wirbelsäule im und auf dem Wasser ermöglicht eine Entspannung der Rückenmuskulatur und damit gesundes und gesundheitsförderndes Sporttreiben.

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