Dazu Manfred Wölfert, Vorsitzender des DDB, der größten deutschen Patientenorganisation für Menschen mit Diabetes: „Offensichtlich setzt das IQWiG seine schon deutlich kritisierte Methodik unverändert fort. Einerseits wird eine insgesamt unzulängliche Studienlage beklagt, andererseits werden von 1.293 Studien nur neun für die Bewertung herangezogen, denen auch noch ‚grobe Qualitätsmängel’ nachgesagt werden. Bei dieser Verfahrensweise wird natürlich kein Nutzen auszuweisen sein. Deshalb ist die Tatsache gravierend, daß wir als Patientenorganisation wiederum nicht in die Berichtsplanung einbezogen waren.“
Wölfert kritisiert weiterhin, daß auch formale Unterschiede − wie zum Beispiel die Zulassung der kurzwirksamen Analoga in der Insulinpumpentherapie − ebensowenig berücksichtigt wurden wie solche wichtigen Parameter wie „Erleichterung der Applikation“, „Therapiezufriedenheit“ und „Lebensqualität“. Als sehr kritisch ist die mangelhafte Studienlage für Kinder und Jugendliche einzustufen. Das Institut kann daraus folgernd keinen Zusatznutzen feststellen, was zur Folge haben würde, daß diese Patientengruppe in der Therapie umgestellt werden müßte. Eine fatale Entwicklung, die bei Eltern zu großen Protesten führen dürfte. Hier ist die Politik gefordert.
Unter den 14 im Vorbericht aufgeführten Therapiezielen findet sich zwar auch der „Erhalt und die Besserung krankheitsbezogener Lebensqualität (einschließlich der Berufsfähigkeit und sonstiger Aktivitäten des täglichen Lebens) und der Therapiezufriedenheit“, aber laut IQWiG konnten keine Ergebnisse gefunden werden, mit denen die Überlegenheit der Therapieoption „kurzwirksame Analoga“ zu belegen wäre. Deshalb muß es als widersprüchlich angesehen werden, wenn im Bericht geschrieben steht, daß für eine abschließende Bewertung die Datenlage unzureichend ist, der Bericht aber trotzdem zu einem Ergebnis kommt.
„Und genau hier besteht die Gefahr“, so Wölfert. „Der Gemeinsame Bundesausschuß (G-BA) hat sich den Argumenten der Betroffenen in der Diskussion um die Verwendung kurzwirksamer Insulinanaloga bei Typ-2-Diabetes verschlossen und Lebensqualität und Therapiezufriedenheit der Patienten sowie Therapiefreiheit der Ärzte ignoriert. Das ist jetzt ebenso zu befürchten; denn letztendlich zielt das Ganze nicht wirklich auf Qualität in der Versorgung, sondern auf Rationierung und Zwei-Klassen-Medizin. Wir werden uns dagegen wehren, schließlich sprechen alle vernünftigen Überlegungen einschließlich wirtschaftlicher und juristischer Aspekte für die Therapieoption Analoga. Wohlgemerkt als Option für die Betroffenen, die sich damit aktiv in die Solidargemeinschaft einbringen können und wollen. Alles andere wäre diskriminierend.“