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Interview mit Dr. Andreas Jordan
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13. Mai 2008
Bei solitären Tumoren

Dr. rer. nat. Andreas Jordan ist Gründer und Vorstand “Forschung und Entwicklung” von MagForce® Nanotechnologies AG, Berlin

Medicus
Nanopartikel werden in der Medizin als Transportmittel für Arzneistoffe eingesetzt. Bei Ihrer Methode werden die Nanopartikel jedoch selbst zum wirkenden Agens. Was ist das Besondere Ihrer Methode?

Dr. Jordan
Bisher werden Wirkstoffe in Nanopartikel eingeschlossen, die als Transportvehikel dienen und später, wenn sie im Körper zirkulieren, auf ein Signal hin, beispielsweise eine Temperatur- oder eine physiologische Änderung, ihren Kapselinhalt frei setzen. Das ist Stand der Technik. So funktionieren beispielsweise die Liposomen.

Unser Ansatz ist völlig anders. Wir arbeiten seit fast zwanzig Jahren mit Eisenoxidpartikel in der Thermotherapie von Tumorerkrankungen. Die antitumorale Wirkung von Wärme, abhängig von Temperatur und Dauer der Behandlung, ist ja seit langem bekannt. 

Medicus
Die Schwachstellen der bisherigen Verfahren zur Hyperthermie liegen im Erreichen einer ausreichend hohen Temperatur sowie einer homogenen Wärmeverteilung. Welche Chancen bietet die Nano-Thermotherapie?

Dr. Jordan
Bisher werden ganz unterschiedliche Verfahren zur Wärmeerzeugung angewandt, wie Ultraschall, Mikrowellen, Radiofrequenz oder das Erzeugen elektrischer oder magnetischer Felder zwischen implantierten Antennen. Tatsächlich liegt das große Problem einer Hyperthermie in der ungleichen Wärmeverteilung. Dadurch werden Bereiche im Tumor nicht ausreichend erhitzt oder es kommt an anderer Stelle zu Hitzeschäden. Mit der Nano-Krebstherapie ist es erstmals möglich, die Energie selektiv im malignen Gewebe zu steuern. Durch Eisenoxid-Nanopartikel wird das Tumorgewebe mit kleinen Antennen versehen, die über ein Magnetfeld, das bis zu 100.000mal in der Sekunde seine Polarität wechselt, gezielt erwärmt werden.

Medicus
Woraus bestehen die Nanopartikel?

Dr. Jordan
Wir verwenden Eisenoxidpartikel mit einem Durchmesser von ca. 15 nm, die von Aminosilanen umhüllt werden. Aufgrund dieser äußeren Zuckerpolymerschicht dispergieren sich die Partikel in Wasser als kolloidale Lösung. Die Instillation der Nanopartikel ins Tumorgewebe erfolgt deshalb über eine einfache Kanüle, wie sie auch bei einer Injektion angewandt wird. Nach dem minimal-invasiven Eingriff breitet sich die Flüssigkeit im Tumorgewebe aus und die Nanopartikel werden mit einem Wechselmagnetfeld von außen in Schwingung versetzt. Dadurch entsteht Wärme, die über das Magnetfeld reguliert werden kann.

Medicus
Sie arbeiten bei der Nano-Thermotherapie mit unterschiedlichen Temperaturen?

Dr. Jordan
Die Thermotherapie mit magnetischen Nanopartikeln ermöglicht es auch, die Zieltemperatur frei zu wählen. Dabei werden im Rahmen eines curativen Konzeptes Temperaturen zwischen 41 und 45 °C angewandt, um die Effekte einer Strahlen- oder Chemotherapie zu verstärken. Target einer Thermotherapie sind Proteine, die bei diesen Temperaturen meist irreversibel geschädigt werden. Dabei werden auch DNA-Reparaturenzyme zerstört, so dass der Körper Schäden durch eine Radio-Chemotherapie schlechter beheben kann. 

Ein zweiter wichtiger Effekt betrifft die Effluxpumpen, die eine entscheidende Rolle beim Entstehen der gefürchteten Multi-Drug-Resistenz gegen Zytostatika spielen. Sie befördern aktiv die in eine Zelle aufgenommenen Arzneistoffe nach außen und verhindern so ihre Wirkung. Werden diese Pumpen ausgeschaltet, wirkt eine Chemotherapie besser und länger.

Bisher wird eine Wärmetherapie bei ca. 70°C, die als Thermoablation bezeichnet wird, im Rahmen eines palliativen Therapiekonzeptes eingesetzt. Mit der Nano-Krebstherapie könnte diese Therapie jedoch einen anderen Stellenwert gewinnen. Da die Nanopartikel im Körper des Patienten verbleiben, kann eine Thermoablation auch bei einem Patienten, der im Verlauf der Therapie ein Lokalrezidiv entwickelt, angewandt werden und ihm eine zusätzliche Therapieoption bieten.

Medicus
Worin bestehen die Risiken bei Ihrer Methode?

Dr. Jordan
Die speziellen Nanopartikel bleiben im Tumor. Wenn der Tumor abgeräumt wird, werden die Zellen lysiert und die frei werdenden Partikel abtransportiert. Wir wissen, dass sie sich in Milz und Leber ablagern. Von dort werden sie nach und nach eliminiert. Wie lange jedoch dieser Bioabbau dauert, ist noch nicht genau geklärt.

Medicus
Für welche Tumorerkrankungen eignet sich die Nano-Thermotherapie? Für solitäre Geschwulste? 

Dr. Jordan
Ja, die Nano-Krebstherapie wird gezielt bei solitären Tumoren, jedoch ganz unterschiedlicher Organmanifestation, eingesetzt

Medicus
Sie streben für Ihr Verfahren eine Zulassung als Medizinprodukt an  Wie weit sind Sie sind bei der Ihrem Verfahren?

Dr. Jordan
Am weitesten sind wir bei der Behandlung von Glioblastoma multiforme. Hier ist die Phase I-Studie abgeschlossen und wir arbeiten jetzt an der Phase II-Studie, die bei Medizinprodukten bereits als Wirksamkeitsstudie gilt. Hier werden wir die Rekrutierung der Patienten bis Ende 2008 abschließen und dann maximal zwölf Monate nachbeobachten. 

Medicus
Wie ist Ihr Zeithorizont für eine erste Zulassung?

Dr. Jordan
Wir gehen davon aus, 2010 die Zulassung für die Anwendung der Nano-Krebstherapie bei dieser Erkrankung zu beantragen. Auch in der Behandlung des Prostatakarzinoms sind wir bereits im Bereich der Wirksamkeitsstudie und streben dann eine Zulassung an.

Medicus
Wo sehen Sie Potenzial für eine Verbesserung und Weiterentwicklung Ihres Verfahrens?

Dr. Jordan
Die Nano-Krebstherapie setzt sich aus dem Therapiegerät, der Planungssoftware sowie den Nanopartikeln selbst zusammen. Unsere Geräte sind technisch ausgereift. Die Software und die Nanopartikel entwickeln wir jedoch stetig weiter und streben an, die Effizienz der Energieübertragung noch zu verbessern. Außerdem sind wir dabei, Nanopartikel mit Arzneistoffen, beispielsweise Antikörpern, zu beladen. Die Nanostruktur bietet aufgrund ihrer riesigen Oberfläche enorme Möglichkeiten, Arzneistoffe zu platzieren: Ein Tropfen Flüssigkeit weist die Fläche eines Tennisplatzes auf.

Medicus
Wie sollen niedergelassene Ärzte vorgehen, die Ihre Methode für ihre onkologischen Patienten in Erwägung ziehen?

Dr. Jordan
Auf unsere Homepage (www.magforce.com) weisen wir auf laufende Studien hin. Dort finden interessierte Ärzte auch wichtige Kriterien für eine Vorselektion der Patienten, die sich für eine Studienteilnahme eignen. Bei Fragen treten sie dann am besten telefonisch mit uns in Kontakt.



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