Angststörungen führen zu einer erheblichen Einschränkung in der Lebensführung. Die Erkrankten vermeiden die angstauslösenden Situationen, im Extremfall ziehen sie sich völlig in ihre Wohnungen zurück. Je nach
Ausprägung werden die Betroffenen abhängig von der Unterstützung durch
Partner, Familie oder Freunde. Auch massive Formen von Angsterkrankungen bleiben deshalb - und weil sie sozial unauffällig verlaufen - oft über viele Jahre unerkannt. "Im Durchschnitt beginnt eine psychotherapeutische Behandlung erst acht Jahre nach Beginn der Erkrankung", sagt Andrea Kropf. Je länger eine Angsterkrankung aber unbehandelt bleibt, umso größer ist die Gefahr einer Chronifizierung.
Oft verläuft die Angststörung phasenhaft: In symptomfreien Zeiträumen können die Betroffenen ihr alltägliches Leben ohne Einschränkungen bewältigen, dann werden sie plötzlich wieder von starken Ängsten eingeholt. Das Bewusstsein, dass die Angstsymptome plötzlich - auch bei früher selbstverständlichen Aktivitäten - auftauchen können, führt zu einer starken Verunsicherung, zum Zusammenbruch der bisherigen Lebensführung und -planung. Die Betroffenen fühlen sich ihren Ängsten meist hilflos ausgeliefert, verlieren das Vertrauen in sich und stehen - durch die ständige Konfrontation mit ihren Ängsten und ihrer Beschäftigung damit - unter hoher Anspannung.
Zusätzlich belasten sich die Patienten meist noch selber. Eine ausgeprägte Neigung zum Perfektionismus mündet bei ihnen häufig in Selbstabwertung und Versagensängste. Akzeptanz und Anerkennung suchen sie meistens bei anderen, ihre eigenen Bedürfnisse nehmen sie kaum wahr und teilen diese kaum mit. Die Schwierigkeit, sich selbst gegenüber anderen abzugrenzen, erschwert die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und Bedürfnisse noch zusätzlich.
Das Bewusstsein über die Häufigkeit und die Symptomatik der Erkrankung nimmt - sowohl in der Bevölkerung als auch bei Ärzten - erst in den letzten Jahren zu. "Inzwischen ist für Betroffene der Schritt in die Öffentlichkeit viel leichter geworden. Gerade Männer mit Angsterkrankungen scheinen sich immer häufiger Hilfe zu holen", sagt Brigitte Hartmann. Die Angststörungen sind bei Männern und Frauen unterschiedlich ausgeprägt. "Bei Männern sind Panikattacken und soziale Phobien am häufigsten", sagt Brigitte Hartmann.
Im Berliner Angstzentrum Agoraphobie e. V. bietet sie, zusammen mit ihren Kollegen Diplom-Psychologin Andrea Kropf und Diplom-Soziologe Hans-Martin Hartmann, Betroffenen, Angehörigen und Mitarbeitern medizinischer und psychosozialer Berufe verschiedene Hilfestellungen an:
- Telefonische und persönliche Beratung
- Betroffene können sich sowohl persönlich als auch telefonisch zu Fragen des Krankheitsbildes, der therapeutischen Behandlung und Möglichkeiten der Selbsthilfe informieren.
- Spezifische und dem Einzelfall angemessene Diagnostik
- Regelmäßige offene Sprechstunden auch in akuten Krisensituationen
- Offene Selbsthilfegruppe unter therapeutischer Anleitung zum Austausch mit anderen Betroffenen
- Aufbau und psychologische Begleitung von Selbsthilfegruppen nicht nur für Betroffene, sondern auch für Angehörige, Familien und Bezugspersonen
- Informationen, Weiterbildung und Supervisionen für Mitarbeiter in medizinischen und psychosozialen Berufen
- Informationen über stationäre Behandlungen und Adressen von Kliniken
- Psychotherapeutische Einzel- und Gruppenbehandlung
- Konkrete Beratung zu den Möglichkeiten und Rechten im Zusammenhang mit der Erkrankung, beispielsweise zur Beantragung der Erwerbsunfähigkeitsrente
Weitere Infos zum Angebot des Berliner Angstzentrums Agoraphobie e. V. finden Sie
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