Pioniere der Lauftherapie
Zu den Pionieren auf diesem Gebiet zählt John H. Greist, heute Senior Scientist am Madison Institute of Medicine und Professor der Psychiatrie an der University of Wisconsin. Er hatte schon in den 70er-Jahren vergleichende Studien zur klinischen Nutzung der Lauftherapie angestellt. So wurde zum Beispiel in einer Studie zur Behandlung von Depressionen eine Patientengruppe von 13 Männer und 15 Frauen in drei Gruppen unterteilt: In einer Gruppe absolvierten zehn Personen eine Lauftherapie, die anderen Patienten wurden auf zwei Gruppen verteilt, mit denen unterschiedliche Formen von Gesprächstherapie durchgeführt wurden. Damit die Ergebnisse der Lauftherapie nicht durch Gespräche über die Erkrankung während des Laufens verfälscht werden konnten, wurde während des Laufens nicht über das Thema Depression gesprochen. Während des zwölfwöchigen Versuchszeitraums wurden alle zwei Wochen Zwischenergebnisse erhoben, zudem erfolgten während eines Jahres nach der Therapie mehrere Nachuntersuchungen. Im Ergebnis war die Lauftherapie mindestens so wirksam wie die Gesprächstherapie, was eine zweite, spätere Studie mit größerer Teilnehmeranzahl bestätigte.
Deutsches Lauftherapiezentrum
In Deutschland hat sich besonders Prof. Dr. Alexander Weber, Paderborn, um die Lauftherapie verdient gemacht, durch Veröffentlichungen, Vorträge und speziell durch das 1988 gegründete gemeinnützige Deutsche Lauftherapiezentrum (DLZ). Das veranstaltet Lauftherapiekurse für verschiedene Zielgruppen, es bildet aber auch in eineinhalbjährigen Lehrgängen Lauftherapeuten aus, die einschlägige Berufserfahrung haben müssen und mit einem Diplom abschließen.
Klinisch praktiziert wird die Lauftherapie unter anderem bei den Guttempler-Fachkliniken Mahlertshof und Schloss Machenzell, beide bei Fulda. Sie setzen Lauftherapie als festen Bestandteil der Behandlung Alkoholabhängiger ein mit dem Ziel der Stabilisierung der vegetativen Funktionen und besserer Körperwahrnehmung. Wesentlich ist dabei auch das wachsende Selbstbewusstsein, dass sich durch die zunehmenden Erfolge einstellt und das depressiven Stimmungen entgegenwirken soll. Dies soll auch dazu beitragen, dass die Betroffenen sorgsamer und bewusster mit sich und ihrer Gesundheit umgehen lernen.
Aller Anfang ist leicht
Der Ablauf der Lauftherapie ist typischerweise auf Personen abgestimmt, die bisher überhaupt keinen Sport betrieben haben und deswegen als völlig untrainiert zu bezeichnen sind. Das Training wird deswegen betont langsam angegangen, um Überlastung der Teilnehmer zu vermeiden, mit stetem Wechsel zwischen Lauf- und Gehphasen. Regelmäßig wird das Laufen kombiniert mit weiteren Maßnahmen wie Dehn- und Kräftigungsübungen, Prüfung und Korrektur von Haltung und Bewegungsablauf sowie Ernährungsberatung.
Üblicherweise findet das Training in kleinen Gruppen von nicht mehr als 15 Personen statt. Die Dauer kann stark variieren, von zweiwöchigen Urlaubsangeboten bis zu drei Monaten, wobei in der Regel zwei- oder dreimal die Woche trainiert wird. In Zusammenhang mit den therapeutischen Zielen wird angestrebt, die Teilnehmer ausreichend zu schulen und zu motivieren, das Laufen zukünftige fest in ihren Lebensablauf einzubinden und damit präventiv wirksam werden zu lassen. Sportliche Ziele verfolgt die Lauftherapie ausdrücklich nicht, aber bei längeren Kursen über drei Monate wird angestrebt, dass die Teilnehmer am Ende etwa 20 oder 30 Minuten durchlaufen können.