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Für den Notfall gerüstet: Was Asthma-Patienten können und wissen sollten |
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Trotz entscheidender Fortschritte in der Diagnostik und Pharmakotherapie beim Asthma bronchiale steigt die Morbidität der Patienten weiter. Rund 4000 Menschen erliegen in der Bundesrepublik Deutschland jährlich den akuten Erstickungsanfällen, darunter viele Kinder. Als wesentliche Ursache für die Diskrepanz zwischen immer besseren therapeutischen Möglichkeiten und der Besorgnis erregenden epidemiologischen Realität werden, neben unzureichender Compliance für die notwendige antiinflammatorische Dauertherapie, vor allem unzureichende Kenntnisse der Patienten zur Selbstkontrolle der Asthmaanfälle angesehen. Nicht immer steht gleich der Notarzt zur Verfügung. Patienten mit Asthma müssen "ihre" Auslöser kennen und meiden, ihre Atemfunktion im Ernstfall kontrollieren und die richtige Inhaliertechnik beherrschen, die Wirkung der Medikamente kennen, sie gezielt einsetzen lernen, und sie sollten das Wissen und die Ruhe haben, den Anfall richtig einzuschätzen.
Die Atemwegsliga bietet seit 2002 bundesweit das "Nationale ambulante Schulungsprogramm für erwachsene Asthmatiker (NASA)" an. Ärzte, Apotheker, Arzthelferinnen, Psychologen oder andere Fachkräfte aus medizinischen Berufen im weitesten Sinne können hier Wissen und Zertifikat zur Durchführung kompetenter Patientenschulungen erlangen. Wichtige Inhalte sind, neben der Vermittlung der Grundkenntnisse zum Asthma und den verschiedenen Behandlungsalternativen, der korrekte Gebrauch des Peakflow-Meters, die eigenverantwortliche Dosisanpassung der Medikation, richtige Inhalationstechniken und das optimale Verhalten im Asthmaanfall. Das Konzept ist auf sechs Sitzungen von jeweils etwa einer Stunde für bis zu 10 Patienten zugeschnitten.
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| Die Peakflow-Messung |
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Allein aus der gefühlten Atemnot lassen sich keine Aussagen über den Schweregrad eines Anfalls und keine Empfehlungen für den Betroffenen ableiten. Jeder Mensch hat ein eigenes Empfinden für Luftnot. Was für den einen schwere Atemnot ist, bedeutet für den anderen nur mittelgradigen Luftmangel.
Deshalb wird eine tägliche Kontrolle der Lungenfunktion mit dem so genannten Peak-Flow-Meter empfohlen. Das etwa zigarettenschachtelgroße Plastikgerät mit Mundstück erfasst den höchsten Luftstrom, den es während des stärksten Ausatmens messen kann. Dazu muss der Patient zunächst so tief wie möglich einatmen und die Luft dann mit aller Kraft und so schnell wie möglich in das Mundstück ausstoßen. Je enger die Atemwege, desto niedriger wird der Peak-Flow. Der höchste Messwert stellt für jeden individuell den Richtwert dar.
Grundsätzlich deuten im Falle akuter Atemnot Peakflow-Werte kleiner als 100 Liter pro Minute auf schwere Asthmaanfälle hin. Verbessern sich die Werte nach Einnahme der Bronchien erweiternden Medikamente nicht um mindestens 50 Liter pro Minute, ist das ein ernstes Warnzeichen.
Die folgenden Empfehlungen helfen den Patienten bei einem Asthmaanfall kontrolliert zu reagieren. Dabei ist Vorsicht besser als Nachsicht. Am besten, es kommt gar nicht erst zum Anfall. Warnzeichen sind:
- Langsam aber stetig abfallende Peakflow-Werte. Besonders auf die Morgenwerte achten.
- Der Peakflow beträgt plötzlich nur noch 50 bis 80 Prozent des persönlichen Bestwertes.
- Zunehmende Atemnot und/oder Hustenattacken, die die Nachtruhe unterbrechen.
- Steigender Verbrauch oder nachlassende Wirkung des schnell wirksamen Beta-2-Sympathomimetikums. Mehr als 10 Hübe eines Betamimetikum-Dosieraerosols am Tag erfordern eine Anpassung der medikamentösen Behandlung.
- Verschlechterung der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Atemnot sollte nicht sofort "weggesprüht" werden. Wer immer zunächst den Peakflow misst, kann die Atemwegseinengung sicherer abschätzen und eventuell Medikamente sparen.
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| Verhalten im Ernstfall |
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In der Zwischenzeit sollte er versuchen, möglichst ruhig zu atmen und die Technik der dosierten Lippenbremse anzuwenden. Der Patient atmet durch die Nase ein und durch leicht zusammengepresste Lippen wieder aus. Diese Ausatemtechnik verlangsamt den Druckabfall der Ausatmungsluft und vermindert so das Risiko, dass die knorpelfreien Bronchialbereiche beim hastig gepressten Ausatmen zusammenfallen und sich die verbrauchte Atemluft zurückstaut. Eine atemerleichternde Körperhaltung wie der „Kutschersitz“ hilft zusätzlich, den Anfall zu überwinden. Im Kutschersitz sitzt der Patient auf einem Stuhl nach vorn gebeugt, die Unterarme auf die gespreizten Oberschenkel gestützt und lässt die Hände zwischen den Oberschenkeln baumeln. Leichte bis mittelschwere Asthmaanfälle können geschulte Patienten im Notfall auch selbst in die Hand nehmen. Liegt der gemessene Peak-Flow bei einem Anfall etwa zwischen 50-80 Prozent des persönlichen Bestwertes, sind zwei Hübe des kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetikums im Abstand von einer Minute zu inhalieren. Nach 10 Minuten muss der Patient die Wirkung der Inhalation anhand des Peak-Flow-Meters überprüfen.
Hat sich der Peakflow nach 10 Minuten normalisiert, war es ein leichter Anfall. Lässt sich die Atemnot nicht korrigieren oder ist der Peakflow sogar weiter gesunken, handelt es sich um einen Notfall. Ein Arzt muss gerufen werden, oder der Patient lässt sich von Freunden oder Bekannten oder in einem Taxi schnell dorthin bringen. Es droht ein schwerer Anfall. Weitere zwei Hübe des kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetikums sind jetzt notwendig und dazu mindestens Glukocorticoide wie z. B. 40 mg Methylprednisolon sowie 200 mg eines schnell wirksamen Theophyllin-Präparats, zum Beispiel als Trinkampulle, in Tropfenform oder als Brausetablette. Im Falle starker Luftnot können viele Patienten nicht mehr korrekt inhalieren. Vorschalthilfen sind eine wertvolle Ergänzung. Sie werden besonders für inhalative Kortikoide empfohlen. Erstens haben die Patienten einige Sekunden Zeit, den unsichtbaren Medikamentennebel aus der Vorschalthilfe einzuatmen. Zweitens bewirkt das Gerät eine erheblich größere Niederschlagsmenge des Wirkstoffs als bei herkömmlicher Inhalationstechnik zu erwarten ist.
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| Das Ampelschema |
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Das Ampelschema hilft Patienten den Grad der Atemwegverengung anhand der Peakflow-Werte unabhängig vom subjektiven Empfinden einzuordnen. Ängstliche Patienten beruhigen sich oftmals, wenn sie den „Fehlalarm“ erkennen.
Grün: Kaum Atemnot. Peakflow bei 80 Prozent des Bestwertes und gering schwankend. Normalisierung der Werte nach Einnahme Bronchien erweiternder Medikamente.
Gelb: Mäßige Atemnot. Peakflow zwischen 60 und 80 Prozent des Bestwertes mit größeren Schwankungen. Wiederkehrende Beschwerden. Normalisierung der Werte je nach Bronchien erweiternden Medikamenten. Entzündungshemmende Medikamente notwendig.
Rot: Starke Atemnot. Peakflow unter 60 Prozent des Bestwertes, auch nach Bronchien erweiternden Medikamenten. Anhaltende Symptome. Notfall! Medizinische Betreuung notwendig! Entzündungshemmende Medikamente nach Rücksprache mit dem Arzt notwendig.
Der persönliche Bestwert wird in einer Phase festgelegt, in dem es dem Patienten gut geht.
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| Typische Fehler des Patienten |
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Kortison Verringerte oder keine Kortisoneinnahme, aus Angst vor Nebenwirkungen. Kortison ist immer dann notwendig, wenn sich die plötzlich auftretende Atemnot trotz mehrere Hübe eines Beta-Sympathomimetikum-Sprays nicht verbessert. Mindestens Glukocorticoide wie z. B. 40 mg Methylprednisolon sind dann unverzögert einzunehmen. Mit der Einnahme der Tablette kann man nichts falsch machen. Kleinere Kortisonmengen oder gar das Weglassen des Wirkstoffs aber führen unter Umständen einen Notfall herbei. Und der Notarzt verabreicht ebenfalls Kortison, im Zweifelsfall sogar wesentlich mehr.
Kortison wirkt vorbeugend antiinflammatorisch und es verbessert die Wirkung des Betamimetikums. Kortison-Spray anstelle des Betamimetikum-Sprays aber nützt im Notfall wenig, es kann verengte Bronchien nicht erweitern.
Alternative Methoden
Zu viele vertrauen zu lange auf Alternativmethoden, zum Beispiel auf Atem- und Entspannungsübungen. Die wirken zwar beruhigend und helfen so im Akutfall kontrolliert zu atmen, die Ursache der Atemnot, die verengten Bronchien, bleiben davon aber unberührt.
Inhalationsprobleme
Betamimetikum wirkt nicht, weil bei starker Atemnot keine Vorschalthilfe benutzt wurde.
Theophyllin-Retard-Tabletten im Notfall. Die Wirkung tritt zu langsam ein und ist im Anfall zu schwach.
Betamimetikum-Tabletten statt Spray. Die Wirkung tritt zu langsam ein und ist im Anfall zu schwach.
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| Auch im Notfall selbstständig |
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Glücklicherweise sind Asthmaanfälle, die innerhalb kürzester Zeit zu schwerer Luftnot führen, selten. Für Peakflow-Messungen bleibt dann weder Kraft noch Zeit. Die Betroffenen oder anwesende Personen sollten dann sofort die 112 rufen und einen Rettungswagen mit Notarzt anfordern. Stichwort „Schwerer Asthmaanfall“ mit der Adresse genügen. Ist kein Arzt zur Hand, muss der Patient oder dessen Lebenspartner den Notfall in Eigenregie managen. Wer nur noch schwer oder gar nicht mehr inhalieren kann, muss sich, nach Einnahme der Kortison-Tablette, das Betamimetikum subkutan spritzen (lassen), was selten erforderlich ist. Die Wirkung der Spritze setzt nach wenigen Minuten ein und ist mit der im Krankenhaus üblichen i.v.-Gabe vergleichbar. Sollte das nicht innerhalb von 10 Minuten zu einer deutlichen Verbesserung führen, kann der Patient zusätzlich 200 bis 400 mg Theophyllin in Wasser (Trinkampulle oder Brausetablette) einnehmen. Das gilt jedoch, wegen der Gefahr einer Intoxikation, nur für diejenigen, die Theophyllin nicht dauerhaft einnehmen.
Treten solche Anfälle öfters auf, ist es ratsam, die Wohnung mit einem Notrufsystem auszustatten. So kommt schnelle Hilfe auf Knopfdruck. Der Patient wird mit Adresse und Beschwerden dazu bei der Telekom oder beim Malteser Hilfsdienst vermerkt. Das „Notfallset“ mit Spritzen, Kortison-Tabletten, Theophyllin und kurzwirksamem Betamimetikum-Ampullen und Spray gehört ins Gepäck.
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