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Der Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e.V. Hamburg (DSH)
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25. Oktober 2002
Zahlreiche Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen unterschiedlicher Ursache. Der Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e.V. setzt sich für diese Patienten ein und fordert, ständige Schmerzen ebenso als chronische Krankheit anzuerkennen wie Diabetes oder Rheuma.
Hilfe für Schmerzpatienten

Zwischen fünf und acht Millionen Menschen in der Bundesrepublik, so lauten die Schätzungen, leiden an Schmerzen infolge unterschiedlicher Erkrankungen. Den meisten von ihnen kann durch physikalische oder medikamentöse Therapie geholfen werden. Aber bei über einer Millionen dieser Patienten greifen die herkömmlichen, monokausalen Behandlungsstrategien nicht. Um diesen Patienten zu helfen, wurde 1978 der Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e. V. in Hamburg gegründet.

Zu diesem Zeitpunkt wurde das Krankheitssymptom „Schmerz“ nur selten isoliert betrachtet. Denn bei den meisten Therapiestrategien stand vor allem das ursächliche Krankheitsbild im Vordergrund. Für Patienten, die trotz zahlreicher Behandlungen keine Linderung ihrer Schmerzen erreichen konnten, gab es kaum geeignete Therapieeinrichtungen.

Erste Erfahrungen im Bereich der Schmerztherapie hatten zu Beginn der siebziger Jahre aber einige Ärzte aus den USA beziehungsweise Skandinavien mitgebracht. Bereits seit längerem bestehen dort Einrichtungen, in denen Patienten mit chronischen Schmerzen behandelt werden. 


Flächendeckende Versorgung

„Unsere Gründungsintention war klar definiert“, erinnert sich Rüdiger Fabian, Präsident des Bundeverbandes Schmerzhilfe. „Wir wollten eine flächendeckende Versorgung der Schmerzpatienten im Rahmen des kassenärztlichen Systems erreichen.“

Seit ihrem Gründungsjahr verschickt der Bundesverband einen speziellen „Fragebogen für Schmerzpatienten“, der Angaben über die individuelle Situation der Betroffenen liefern und darüber hinaus den Bedarf an qualifizierten Behandlungseinrichtungen dokumentieren soll. Über 74.000 dieser Bögen wurden mittlerweile in Hamburg ausgewertet. „Bereits die stichprobenartige Auswertung der Antworten liefert uns wichtige sozio-demographische Daten über die Gruppe der Schmerzpatienten“, erklärt Rüdiger Fabian.

Unter anderem wurde bestätigt, daß längst nicht alle Betroffenen zur Behandlung ihrer Schmerzproblematik besondere Einrichtungen wie Schwerpunktpraxen, Schmerzambulanzen oder gar Schmerzkliniken benötigen. „Rund achtzig Prozent der Betroffenen können durchaus im Rahmen der traditionellen fachärztlichen beziehungsweise hausärztlichen Versorgung zufriedenstellend behandelt werden“, berichtet Rüdiger Fabian. So verfügten beispielsweise Neurologen über alle erforderlichen Instrumentarien, um die zirka drei Millionen Patienten, die an chronischen Kopfschmerzen leiden, qualifiziert zu diagnostizieren und befriedigend zu therapieren. Gleiches gilt für die Vielzahl anderer Indikationen, die kausal in das Gebiet der Orthopädie oder der Inneren Medizin fallen.


Erfolgreicher Einsatz

Doch immerhin rund zwanzig Prozent der Schmerzpatienten, das sind mehr eine Million Menschen, benötigen eine qualifizierte, spezielle Schmerztherapie, da die monodisziplinären Behandlungsansätze der jeweiligen Fachbereiche hier versagen. Diese Patientengruppe setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • 30 Prozent sind „austherapierte“ Rückenschmerz-Patienten.
  • 20 Prozent leiden an chronischen Schmerzen aufgrund einer Erkrankung des rheumatischen Formenkreises.
  • 20 Prozent leiden an therapieresistenten chronischen Schmerzen aufgrund einer Erkrankung des Nervensystems.
  • 10 Prozent sind terminale oder stabile Krebspatienten, bei einer jährlichen Neuerkrankungsrate von rund 350.000.
  • 10 Prozent leiden an schmerzhaften Unfallfolgen unterschiedlichster Art.
  • 10 Prozent leiden an Schmerzbildern viszeraler Genese.    
Für diese Betroffenengruppe hat die Schmerzhilfe zusammen mit anderen spezialisierten Behandlungseinrichtungen erkämpft und erstritten. Mit Erfolg. Rüdiger Fabian: „In den letzten zehn Jahren konnten einige wesentliche Verbesserungen für chronische Schmerzpatienten durchgesetzt werden. So ist zum Beispiel in Hamburg seit 1990 das Thema Schmerz Lehr- und Prüfungsfach an der medizinischen Fakultät.“ Andere Bundesländer seien mittlerweile gefolgt.

Zusätzlich regeln seit 1995 Sonderverträge zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und den Spitzenverbänden der Ersatzkassen Qualifikation, Umfang und Organisation schmerztherapeutischer Schwerpunktpraxen. 1997 hat der Bundes-Ärztetag die Einführung einer Zusatzbezeichnung „spezielle Schmerztherapie“ beschlossen, die allen klinischen Fächern der Medizin offensteht.


Die Anzahl geeigneter Behandlungsplätze reicht noch nicht aus

Trotz dieser unbestreitbaren Erfolge, ist Rüdiger Fabian aber noch lange nicht zufrieden. Denn es fehlt nach wie vor an geeigneten Behandlungsplätzen. „Rechnet man die Hamburger Zahlen auf das Bundesgebiet hoch, dann haben wir im gesamten Bundesgebiet lediglich 320 spezialisierte Einrichtungen, die Behandlungsmöglichkeiten für rund 80.000 Patienten bieten.“

Hier klaffe eine eklatante Versorgungslücke, die sich für die Patienten auch in Wartezeiten von bis zu einem Jahr niederschlage. Zudem verteilen sich die meisten Behandlungszentren auf die Ballungsräume. In den strukturschwachen Gebieten wie Niederbayern müßten sich aber zwei Millionen Menschen zwei universitäre Einrichtungen teilen, was für über sechzig Prozent der Betroffenen in dieser Region Fahrstrecken von mehr als 180 Kilometern bedeute.

„Diese Mißverhältnisse sind schon lange bekannt“, erläutert Rüdiger Fabian. „Wir trösten uns aber damit, daß die Schmerztherapie noch eine verhältnismäßig junge Disziplin ist, die ihre besten Jahre noch vor sich hat.“

Immerhin habe die Anzahl qualifizierter Einrichtungen von 1971 bis heute kontinuierlich von seinerzeit 20 auf die bereits erwähnten 320 Praxen zugenommen. M. R./SMP

Stand: Mai 1998


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