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Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. Unterstützen, informieren, motivieren
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25. Oktober 2002
Mit zahlreichen örtlichen Selbsthilfegruppen und einer bundesweit organisierten Lobbyarbeit ist der Bundesselbsthilfeverband für Osteporose gefragter Ansprechpartner für die von der Krankheit Betroffenen, behandelnde Ärzte, Therapeuten und Wissenschaftler.

Die Krankheit kommt schleichend. Die Knochen werden spröde, verlieren an Stabilität, und plötzlich kann es selbst bei geringer Belastung zu Brüchen kommen. Auf sechs bis acht Millionen Menschen schätzt der Bundesselbsthifeverband für Osteoporose e.V. in Düsseldorf die Zahl der an Osteoporose Erkrankten, in der Hauptsache Frauen nach dem 50. Lebensjahr. Besonders betroffen ist bei ihnen die Wirbelsäule, vor allem die Wirbelkörper im Brust- und Lendenbereich. Die porösen Wirbel verformen sich, es entsteht der typische Rundrücken, der "Witwenbuckel". Etwa zehn Prozent der Bevölkerung, so eine deutschlandweite Schätzung, sind gefährdet, an Osteoporose zu erkranken.

Um sich ein aktuelles Bild über das Ausmaß der Krankheit zu verschaffen, hat das Europäische Parlament für alle Mitgliedsstaaten einen Osteoporose-Report in Aufttrag gegeben. Ziel soll es sein, geeignete Maßnahmen zur Prävention einzuleiten.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

  • Bis zum Jahr 2050 werden doppelt so viele Menschen wie bisher an Osteoporose erkranken. Jeder achte Bürger der EU über 50 wird als Folge des Verlustes an Knochenmasse einen Wirbelkörperbruch erleiden.
  • Alle 30 Sekunden tritt in der EU eine osteoporosebedingte Fraktur auf.
  • Jedes Jahr behandeln Ärzte in der EU mehr als eine Million Patienten mit osteoporosebedingten Frakturen, einschließlich 400.000 Schenkelhals- und 400.000 Handgelenksfrakturen.
  • Nur die Hälfte der osteoporosebedingten Wirbelkörperfrakturen wird korrekt diagnostiziert.
  • Das Risiko, an den Komplikationen einer Oberschenkelhalsfraktur zu sterben, ist bei Frauen ebenso hoch wie das Risiko, an Brustkrebs zu sterben.       
Die Verfasser des EU-Reports empfehlen deshalb:
  • Gesundheitskampagnen, die den Bürgern in Europa zeigen, was sie eigenverantwortlich in jedem Alter für die Stabilität ihrer Knochen beitragen können.
  • Leitlinien für Ärzte, damit sie Risikopatienten ausführlich beraten, rechtzeitig diagnostizieren und die richtige Therapie einleiten sowie die Patienten auch in der Nachsorge kompetent unterstützen.
  • Erstattung der Kosten für Diagnostik und Therapie bei Patienten mit gesichertem Osteoporose-Risiko
  • Selbsthifegruppen, die Betroffenen bei der Bewältigung der Alltagsprobleme unterstützen und zum aktiven Umgang mit der Krankheit motivieren.       
Ein Frühdiagnose der Osteoporose zu stellen, ist meist schwierig. Erst wenn sich starke Schmerzen einstellen oder die ersten Brüche auftreten, wird die Krankheit in ihrem vollen Umfang erkannt. Das hat Auswirkungen auf die Behandlungskosten. Rund vier Milliarden Mark müssen jährlich für die Therapie von Osteoporose-Patienten aufgewendet werden. Dabei könnte ein Großteil der Kosten eingespart werden, wenn Präventivmaßnahmen besser beachtet würden. Denn Osteoporose wird nicht nur durch genetische Veranlagung, sondern auch durch Calciummangel, Bewegungs- und Hormonmangel verursacht. Aber auch eine langjährige Einnahme von Cortison oder ein Mangel an Geschlechtshormonen können der Krankheit Vorschub leisten. Eine falsche Ernährung (Alkohol, Coffein, posphatreiche und oxalsäurehaltige Lebensmittel) gehören ebenfalls zu den Risikofaktoren.

So schleichend wie sich die Krankheit einstellt, so schleichend verläuft auch der Besserungsprozeß. Die ärztliche Behandlung bildet hierfür das Fundament, doch raten Mediziner den Patienten, sich einer der vielen vor Ort existierenden Selbsthilfegruppen anzuschließen. "Denn wichtig ist es, den Mut nicht zu verlieren", schildert Sabine Habicht, Pressereferentin des Bundesverbands, das Problem, "und beispielsweise regelmäßig die unbedingt notwendigen Übungen auszuführen." Und da sei es eben effektiver und motivierender, sich Schicksalgenossen anzuschließen.

Erst im August 1987 haben Betroffene und Ärzte den Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose gegründet. Seitdem entstanden überall in der Republik Selbsthilfegruppen mit inzwischen insgesamt rund 12.000 Mitgliedern. Damit ist der Verband ein bundesweit präsenter Ansprechpartner für Osteoporose-Betroffene und hilft ihnen, Hilfe zur Selbsthilfe zu praktizieren. In den Gruppen können sich die Patienten austauschen, ihre Probleme diskutieren und durch ihre eigene Aktivität einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung ihres Zustandes leisten. Viele der örtlichen Gruppen organisieren darüber hinaus Vortragsveranstaltungen, äußern sich zu Ernährungsfragen und veranstalten Aktionswochen, um in der gesamten Breite auf Möglichkeiten der Vorbeugung aufmerksam zu machen.

Der Bundesverband stellt für die Aktivitäten der einzelnen Gruppen Arbeits- und Informationsmaterial bereit, schult und berät die ehrenamtlichen Helfer. In besonderen Fällen kann finanzielle Unterstützung gewährt werden. Gleichzeitig sorgt er mit Fortbildungsveranstaltungen für ein anhaltend hohes Niveau in der Behandlung. Und nicht nur dort. Durch zahlreiche Seminare für Ärzte und Unterstützung von Forschungsvorhaben trägt er dazu bei, daß die Osteoporose-Patienten in den vergangenen Jahren zunehmend besser betreut werden konnten. "Dank verbesserter diagnostischer Möglichkeiten ist Osteoporose in den letzten Jahren zunehmend zu einer großen Herausforderung für Medizinwissenschaftler und Ärzte geworden", betont Hildegard Kaltenstadler, Präsidentin des Selbsthilfeverbandes. "Deshalb ist es für uns besonders wichtig, nur ganz seriöse und wissenschaftlich fundierte Informationen und Hilfen anzubieten."

Mit seinen vielfältigen Initiativen wirkt der Verband auch der weitverbreiteten Ansicht entgegen, Osteoporose sei ein typisches Gebrechen älterer Menschen. Schließlich, so bemängelte erst kürzlich Prof. Dr. med. K. Joachim Münzenberg in der Informationszeitschrift des Bundesselbsthilfeverbands "Osteoporose Aktuell", sei es erstaunlich, wie wenig die Bruchfestigkeitseigenschaften des osteoporotischen Knochens Beachtung fänden, obwohl es doch vor allem die Knochenbrüche seien, welche die altersabhängige Osteoporose zur eigentlichen Krankheit machten. Münzenberg: "Dieser Mangel betrifft die Hinwendung der Wissenschaft ebenso wie die ärztliche Beratung in der Praxis."

Stand: März 1998



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