Medicus: Sie haben im Jahr 2004 öffentlich erklärt, dass Sie nicht an den „Disease Management“-Programmen (DMP) teilnehmen werden. Ist es dabei geblieben?
Dr. Monika Gebel: Ja, denn die Umstände haben sich nicht geändert. Durch die DMP verbessert sich die Qualität der Versorgung nicht. In unserer Gemeinschaftspraxis haben wir seit Langem eine eigene Sprechstunde für Diabetiker. Dabei legen wir die höchstmöglichen Qualitätsstandards an. Die erforderlichen Kenntnisse haben wir uns durch langjährige klinische Tätigkeiten verschafft und aktualisieren sie auf Fortbildungen, durch die Lektüre von Fachzeitschriften und die Teilnahme am Qualitätszirkel Diabetes in Würzburg. Es macht viel mehr Spaß, eigene Qualitätsstandards zu entwickeln, als Vorgegebenes einfach abzuspulen – damit können wir uns als Ärztinnen profilieren. Die Patienten honorieren das auch, indem sie uns die Treue halten.
Medicus: Was schreckt Sie bei den DMP noch ab?
Dr. Gebel: Die zunehmende Bürokratie. Wir müssten uns auf eigene Kosten neue Software zulegen und einen Internetzugang für die Praxis, denn die Daten sollen online übermittelt werden. Das können wir derzeit nicht leisten.
Medicus: Wird auf Sie Druck ausgeübt, um Sie zur Teilnahme zu bewegen?
Dr. Gebel: Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung hat persönlich bei mir angerufen, um mich umzustimmen! Gravierender ist, dass die Kassen versuchen, ihre Patienten dazu zu bewegen, zu einem Arzt zu wechseln, der an den Programmen teilnimmt. Das geschieht brieflich oder telefonisch. Eine Patientin wurde sogar zu Hause von einem Vertreter ihrer Kasse aufgesucht. Gelockt werden die Patienten mit dem Erlass der Praxisgebühr. Glücklicherweise waren diese Maßnahmen bisher erfolglos – wir haben noch keinen Patienten deshalb verloren, weil wir nicht mitmachen. Fatal ist auch die Verknüpfung mit dem Hausarztmodell, wie es die AOK praktiziert. Ärzte, die an deren Hausarztmodell teilnehmen, müssen sich verpflichten, bei den DMP mitzumachen.
Medicus: Glauben Sie nicht, dass Ihnen eines Tages nichts anderes übrig bleibt, als doch an den DMP teilzunehmen?
Dr. Gebel: Das müssen wir abwarten. In unserem Notfallbezirk nehmen inzwischen bis auf einen weiteren widerspenstigen Kollegen alle anderen Ärzte teil, obwohl anfangs keiner begeistert war. Andererseits wird bereits darüber diskutiert, ob die große Datenmenge überhaupt ausgewertet werden kann. Es sind auch schon Daten verloren gegangen. Leider wird die Entwicklung nicht besser werden, denn es werden ja weitere DMP aufgelegt. Und für die Kassen ist viel Geld im Spiel. Sie erhalten über den Risikostrukturausgleich 5200 Euro für jeden Patienten, der sich im DMP einschreibt. Das Ganze ist also ein Politikum, bei dem nicht die bestmögliche Versorgung der Patienten im Vordergrund steht.
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