Medicus: Was haben Sie in Ihrer Studie untersucht?
Prof. Konstantinides: Unsere Studie war multizentrisch, lief über vier Jahre und erfasste 256 Lungenembolie-Patienten an 49 Kliniken. 118 Patienten wurden mit Alteplase zur Thrombolyse plus Heparin behandelt, 138 Patienten erhielten Heparin plus Placebo. Untersucht wurde der Krankheitsverlauf im Hinblick auf Todesfolgen und einer Verschlechterung des Patientenzustandes, der eine Intensivierung der Therapie notwendig machte.
Medicus: Welche Patienten haben Sie in Ihre Untersuchungen eingeschlossen?
Prof. Konstantinides: Wir haben nur Betroffene untersucht, bei denen eine Thrombolyse bisher umstritten ist: Patienten mit einer schweren Lungenembolie, bei denen trotz stabilem Kreislauf, im Ultraschall eine schwere Belastung des rechten Ventrikels diagnostiziert worden war.
Medicus: Wieso ausgerechnet diese Patienten?
Prof. Konstantinides: Aus Studien ist bekannt, dass diese Patienten eine Hochrisikogruppe darstellen: Zehn bis 15 Prozent von ihnen sterben noch im Krankenhaus. Im Gegensatz dazu liegt die Mortalitätsrate bei Patienten ohne Rechtsherzbelastung unter einem Prozent.
Medicus: Wieso ist die Thrombolyse bei diesen Patienten umstritten?
Prof. Konstantinides: Gegner der Thrombolyse führen zwei wichtige Gründe an. Zum einen kann eine Thrombolyse natürlich schwere Blutungen beispielsweise in den Hirngefäßen verursachen. Zum anderen sind Medikamente zur Thrombolyse relativ teuer.
Medicus: Was waren die Ergebnisse der Studie?
Prof. Konstantinides: Die Mortalität war in beiden Gruppen gleich niedrig. Große und signifikante Unterschiede zeigten sich aber im Krankheitsverlauf: Ohne Thrombolytikum verschlechterte sich der Zustand in 25 Prozent der Fälle so stark, dass eine Steigerung der Therapie notwendig war, mit Thrombolyse nur bei elf Prozent der Patienten.
Medicus: Wurden diese Ergebnisse nicht durch eine erhöhte Blutungsneigung abgeschwächt?
Prof. Konstantinides: Nein, die thrombolytische Therapie führte zu keiner Zunahme der Häufigkeit von größeren Blutungen. Insbesondere traten bei keinem der Patienten Hirnblutungen auf.
Medicus: Welche Empfehlungen lassen sich aus ihren Ergebnissen ableiten?
Prof. Konstantinides: Wir sind noch vorsichtig, und möchten diese Ergebnisse nicht überinterpretieren. Wir können aber sagen, dass der klinische Verlauf und die Prognose dieser Hochrisiko-Patienten nach Thrombolyse günstiger ist. Daraus abgeleitet empfehlen wir zwei alternative Vorgehensweisen bei dieser Patientengruppe: Entweder eine frühzeitige Thrombolyse oder eine engmaschige Überwachung auf der Intensivstation mit einer Thrombolyse bei den ersten Anzeichen einer Verschlechterung.
Medicus: Wurden Ihre Empfehlungen schon in die Leitlinien zur Therapie der Lungenembolie mit aufgenommen?
Prof. Konstantinides: Die letzten Leitlinien zur Lungenembolie – ausgearbeitet von der European Society of Cardiology – sind drei Jahre alt, unsere Ergebnisse sind aber viel jünger, entsprechend sind sie noch nicht als Empfehlung mit aufgenommen. Allerdings hatten wir bereits zu dem damaligen Zeitpunkt die Ergebnisse einer retrospektiven Studie vorliegen, die indirekt darauf hindeutete, dass eine Thrombolyse den Krankheitsverlauf verbessern könnte. Entsprechend ist in den Leitlinien erwähnt, dass eine Thrombolyse möglich ist.
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