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Zwei Patienten im Visier
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Interview mit Prof. Dr. Reinhold Knitza vom Gynäkologischen Zentrum Gräfelfing bei München über die Notfallversorgung von Schwangeren

Prof. Knitza: Das hat natürlich viele Gründe. Einer davon ist sicher die Schwangerschaftsvorsorge. Denn wenn wir Probleme frühzeitig erkennen, können wir Notfälle oft verhindern.

Medicus: Sind Notfälle in der Schwangerschaft seltener geworden?

Prof. Knitza: Notfälle wie sie etwa infolge einer Extrauteringravidität auftreten, sind sicher seltener geworden, weil sich die diagnostischen Möglichkeiten im Vergleich zu vor 20 Jahren deutlich verbessert haben. So wird heute in den meisten Fällen mit Hilfe von Ultraschall registriert, wenn sich der Embryo nicht in der Gebärmutter eingenistet hat und eine Ruptur des Eileiters droht. Trotzdem gibt es nach wie vor unvorhersehbare Notfälle wie etwa die Katastrophe des intrauterinen Fruchttods, die sich trotz Vorsorgeuntersuchungen und bester diagnostischer Mittel nicht verhindern lassen.

Medicus: Wie schätzen sie die Ausbildung zur Notfallversorgung von Schwangeren hierzulande ein?

Prof. Knitza: Das Rettungswesen ist in Deutschland insgesamt sehr gut organisiert. Vorbildlich ist hierzulande beispielsweise auch, dass Rettungssanitäter, die ja oft als erstes am Einsatzort sind, für Notfälle geschult sind. Für Notärzte selber ist eine spezielle Fortbildung über Notfälle in der Schwangerschaft verpflichtend. Alle anderen Ärzte haben zumindest während ihrer Ausbildung im Grundstudium Vorlesungen zu diesem Thema gehört.

Medicus: Was ist denn die große Herausforderung für einen Arzt in einem Notfall während der Schwangerschaft?

Prof. Knitza: Das wichtige ist, dass der Arzt begreift, dass er sich – je nachdem wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist – um zwei Patienten kümmern muss. Er muss das Ungeborene mit im Auge haben. Andererseits haben manche Kollegen auch unberechtigte Sorgen, dass sie dem Ungeborenen Schaden zufügen könnten – etwa durch bestimmte Medikamente wie Schmerzmittel.

Medicus: Sind Komplikationen bei älteren Schwangeren häufiger?

Prof. Knitza: Das Alter ist relativ irrelevant, was Komplikationen während der Schwangerschaft angeht. Allerdings steigt mit dem Alter die Häufigkeit von genetischen Aberrationen wie etwa Trisomie 21. Aber auch solche chromosomalen Störungen sind heute frühzeitig erkennbar.

Medicus: Welche Rolle spielt es, dass Kaiserschnitte immer häufiger werden?

Prof. Knitza: Frühere Kaiserschnitte aber auch andere Operationen an der Gebärmutter können tatsächlich Probleme machen, daran sollten Ärzte immer denken, wenn eine Patientin über Schmerzen im alten Narbenbereich klagt. Denn rein theoretisch kann es sein, dass die Narbe den wachsenden Belastungen am Ende einer Schwangerschaft nicht gewachsen ist und sich öffnet.

Medicus: Welche Maßnahmen sollte ein Hausarzt bei einem Notfall treffen?

Prof. Knitza: Ärzte, die sich nicht optimal mit der Versorgung von Notfällen in der Schwangerschaft auskennen, sollten die Betroffene entweder zum Facharzt oder am besten sofort in die Klinik schicken.

Medicus: Was sollten Hausärzte bei Schwangeren grundsätzlich beachten?

Prof. Knitza: Grundsätzlich sollten Hausärzte die Stoffwechsellage der Schwangeren genau beobachten. Schon geringe Abweichungen von den optimalen Blutzuckerwerten können während der Schwangerschaft problematisch sein. Gestationsdiabetes ist zwar für die Mutter relativ irrelevant, für das Ungeborene aber nicht. Die Kinder sind bei der Geburt sehr groß und schwer, oft aber noch nicht völlig ausgereift. Im Alter leiden sie außerdem häufiger an Diabetes mellitus.


Updated: 06. April 2005

Autorin
Literatur
Notfälle in der Schwangerschaft
Reanimation von Schwangeren
Sofortmaßnahmen
Spontanabort und intrauteriner Fruchttod
Zwei Patienten im Visier


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