Einige Kliniken haben dieses Problem erkannt und bieten betriebseigene Kitas. 15 % der Krankenhäuser in Deutschland halten solche Einrichtungen für ihr Personal vor. Zu wenige, findet Frau Dr. Astrid Bühren, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB). Der DÄB hatte im Frühjahr 2006 die Ergebnisse seiner Umfrage an Kliniken in ganz Deutschland in einer Pressekonferenz vorgestellt. „Es herrscht in den meisten Verwaltungen der Häuser die Meinung vor, dafür gebe es keinen Bedarf bzw. Kinderbetreuungsangebote würden sich nicht rechnen. Fazit ist jedenfalls, dass Mütter und Väter im ärztlichen Beruf mit diesem Problem allein gelassen werden. Wer keine privaten Lösungen findet oder nicht genug verdient, hat offenbar Pech gehabt“, resümiert Frau Dr. Bühren. Bei der Einrichtung einer Kita an Kliniken müssten vor allem auch Früh- und Spät-, Sonn- und Feiertagsdienste von Ärztinnen und Ärzten berücksichtigt werden. Auch Kinderbetreuung bei Krankheit oder nach der Schule, die Versorgung mit Mittagessen und die Hausaufgabenbetreuung seien wichtig. Nur so mache eine Kita für die Sprösslinge des medizinischen Personals Sinn.
Eine Studie vom August 2005, durchgeführt im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat ebenfalls ergeben, dass vor allem Bedarf an einer Verbesserung der Kinderbetreuungsmöglichkeiten existiert. Dabei geht es unter anderem um eine Ausweitung der Betreuungszeiten. Darüber hinaus wurde in der Studie aber auch festgestellt, dass es eine Unterversorgung mit Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren gibt. Aus diesem Grund seien insbesondere in Westdeutschland viele Frauen mit Kindern unter zwei Jahren unfreiwillig nicht erwerbstätig.
Diese Erfahrung spiegelt sich auch in der Bedarfsanalyse wider, die am Klinikum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgeführt worden war. Dort wurde am 1. März 2006 eine betriebseigene Kindertagesstätte eröffnet. Susanne Rost, die für die Kindertagesstätte zuständige Dezernentin am Universitätsklinikum Halle, erläutert: „Die Nachfrage für Betreuungsplätze für Kinder zwischen 3 Monaten bis 3 Jahren war und ist sehr hoch.“ 60 % der Plätze werden derzeit von Kindern in diesem Alter belegt. Insgesamt verfügt die Kita über 75 Betreuungsplätze für Kinder von null bis sechs Jahren. Der Kindergarten am Klinikum wurde in den Bedarfsplan der Stadt Halle aufgenommen, somit erhält die Kita anteilig Fördermittel der Stadt. Die Öffnungszeiten sind den Dienstzeiten der Mitarbeiter weitestgehend angepasst. Ohne Betriebsferien können die Kinder hier von Montag bis Freitag von 5:30 bis 20:30 Uhr betreut werden. Astrid Baudis, die kaufmännische Direktorin des Klinikums verspricht sich von dieser Einrichtung einen flexibleren Personaleinsatz und eine höhere Zufriedenheit der Mitarbeiter. In einem Interview für die Zeitschrift kma erläuterte Astrid Baudis, dass das Klinikum auf diese Weise auch als Arbeitgeber für viele Alleinerziehende attraktiver wird. Wiedereingliederungszeiten nach einer Geburt seien kürzer und somit fielen die Kosten für Überbrückungsmaßnahmen geringer aus.
Dass sich die Kita an einem Krankenhaus rechnen kann, das stellt auch die Berufsgenossenschafliche Unfallklinik Murnau unter Beweis. Analog zu einer vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bei der Prognos AG in Auftrag gegebenen Studie, die die Wirtschaftlichkeit für familienfreundliche Maßnahmen ermitteln soll, hat die Unfallklinik in Murnau eine Kosten/Nutzen-Rechnung für ihre eigene Einrichtung aufgestellt und war zu einem positiven Resultat gelangt. Die Analyse sowie deren Ergebnisse können direkt bei der BGU in Murnau per E-Mail angefordert werden.
Die Murnauer haben zudem viel Erfahrung mit ihrem betriebseigenen Kindergarten, denn er existiert bereits seit beinahe 30 Jahren. Heute steht er Kindern von 8 Wochen bis 10 Jahren zur Verfügung, er ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet, bietet einen Mittagstisch und Hausaufgabenbetreuung. Betreut werden die Kinder nicht nur zu Wach-, sondern je nach Alter auch zu Schlafenszeiten. Geöffnet ist der Kindergarten von 5:15 bis 21:30 Uhr.