Sportverletzungen durch das eigentliche Schwimmen sind vergleichsweise selten. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen jedoch Unfälle, die durch den leichtsinnigen Sprung ins Wasser ausgelöst werden. Die Redensart „Wasser hat keine Balken“ kann sich dabei schon mal als verhängnisvoller Irrtum erweisen. Derartige Unfälle geschehen vor allem durch Sprünge bei zu geringer Wassertiefe oder in Naturgewässer mit nicht erkundeten Hindernissen, teilweise aber auch durch Kollisionen mit Schwimmern oder vereinzelt durch akutes Kreislaufversagen beim Sprungs ins kalte Wasser.
In Österreich zum Beispiel weist die Statistik jährlich rund 1.400 derartige Unfälle auf, die in Krankenhäusern behandelt werden. Den größten Anteil nehmen dabei Knochenbrüche ein (21 Prozent), gefolgt von Prellungen (19 Prozent) und Gehirnerschütterungen (18 Prozent). Das Spektrum der Schäden umfasst aber auch Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule, in einzelnen Fällen bis hin zur Querschnittslähmung. Die meisten Betroffenen sind männlich (85 Prozent). Kinder unter 15 Jahre sind mit 29 Prozent ebenfalls überproportional bei diesen Unfällen vertreten.
Belastungen bei Freizeitschwimmern
Grundsätzlich ist Schwimmen – in Maßen betrieben – eine eher ent- als belastende Sportart. Dennoch können auch beim Freizeitschwimmer spezifisch erhöhte Belastungen auftreten, und zwar vor allem bei ungünstiger Schwimmtechnik.
Der häufigste Fehler wird beim beliebtesten Schwimmstil begannen, dem Brustschwimmen. Meist halten Freizeitschwimmer den Kopf ständig über Wasser, was durchaus praktische Vorteile hat: Man kann jederzeit atmen, hat stets die Umgebung im Blick, kann sich beim Schwimmen unterhalten und schont die Frisur. Doch bei dieser Haltung ist der Kopf ständig in den Nacken gelegt, was die Halswirbelsäule permanent belastet und die Bandscheiben zusammendrückt. Zudem werden eventuell vorhandene Verspannungen der Nackenmuskulatur durch diese Haltung nicht gemildert, sondern noch verstärkt. Im Prinzip kann der gleiche Effekt beim Kraulschwimmen und beim Schmetterlingschwimmen auftreten, wenn der Kopf ständig zu weit nach hinten gehalten wird, was bei nicht technisch unterwiesenen Schwimmern durchaus vorkommt.
Abhilfe schafft in diesen Fällen die Ausübung eines sportlichen Schwimmstils, der auch orthopädisch von Vorteil ist.
Degenerative Schäden bei Hochleistungsschwimmern
Leistungssportler absolvieren oft erhebliche Trainingsumfänge, wobei das Zeit- und Streckenpensum je nach Leistungsklasse des Sportlers, nach Alter, Sportdisziplin (Kurz- oder Langstrecke) und persönlichem Trainingsstil erheblich variieren kann. Bei Langstreckenschwimmern im oberen Leistungsbereich können sich Schwimmen, Gymnastik und Krafttraining durchaus zu 40 Stunden pro Woche addieren, wodurch Überlastungssyndrome schwer zu vermeiden sind.
Um die Auswirkungen des Schwimmens im Hochleistungsbereich statistisch zu erfassen, führte das Sportkrankenhaus Hellersen eine schriftliche Erhebung unter den Nationalmannschaftsschwimmern des Deutschen Schwimmverbandes durch (siehe auch Interview). Von den 305 befragten A-, B- und C-Kadern sandten 225 Sportler die Fragebögen ausgefüllt zurück.
Die Ergebnisse bestätigten die Erfahrung, dass trainingsbedingte Erkrankungen oder kurzfristige Verletzungen keine große Rolle spielen. 56,9 Prozent aller Befragten verzeichneten jedoch mehr oder minder regelmäßige Beschwerden am Knochen- und Bandapparat. Hauptsächlich betroffen sind dabei die Schulter- und Kniegelenke sowie der Lendenwirbelsäulenbereich.
Diese typischen Belastungsschäden treten wiederum gehäuft bei einzelnen Schwimmstilen auf. So sind beim Brustschwimmen am häufigsten die Kniegelenke betroffen, beim Schmetterlingschwimmen wird der Bereich der Lendenwirbelsäule besonders belastet und beim Freistil (Kraulen) die Schulterregionen. Nur im Zusammenhang mit dem Rückenschwimmen zeigte die Studie keine Häufung von Schäden. Diese Ergebnisse stimmen auch überein mit anderen Erfahrungen und Veröffentlichungen, die das „Brustschwimmerknie“, die „Schwimmerschulter“ und „chronische Rückenschmerzen“ als relativ häufig durch das Schwimmen im Leistungsbereich verursachte Probleme am Knochen- und Bandapparat ausweisen.
Ein wesentlicher Teil des Problems sind bei Schulter- und Knieproblemen so genannte muskuläre Dysbalancen, die durch das schwimmspezifische Leistungstraining und gezieltes Krafttraining (selektiv muskulär) noch verstärkt werden. Aus orthopädischer Sicht ist dieses spezialisierte Training ungünstig. Bei schon vorhandenen Symptomen kann gezieltes Ausgleichstraining unter Anleitung entsprechend geschulter medizinischer Fachkräfte diesen Beschwerden wesentlich entgegenwirken.