1. BestellCenter
  2. Kontakt
  3. Sitemap
 
„Reizdarm-Syndrom“
Drucken
13. Juni 2007

Im gastrointestinalen Bereich gibt es eine ganze Reihe „funktioneller Syndrome“, deren diagnostische Abklärung viel Geduld seitens des Arztes wie des Patienten erfordert. Schätzungsweise 40% bis 60% der gastroenterologischen Klientel fallen in den Bereich somatoformer Störungen. Wolfram Schüffel und Thure von Uexküll haben sich im Lehrbuch für psychosomatische Medizin mit den unterschiedlichen Varianten von Oberbauch- und Unterbauchsyndromen sowie dem Phänomen der Aerophagie auseinander gesetzt. Sie machen darauf aufmerksam, dass eine „überaus starke Neigung zu chronisch rezidivierenden Verläufen“ besteht, die in hohem Maße von der sozialen Situation und dem bestehenden Arzt-Patienten-Verhältnis abhängt. Um Enttäuschungen vorzubeugen, sollte sich der Arzt vor Augen halten, dass schon viel erreicht ist, wenn es gelingt, den Patienten einigermaßen zu rehabilitieren. 

Der so genannte Reizdarm, oft Teil eines psychovegetativen Syndroms, ist charakterisiert durch wiederkehrende krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Völlegefühl und Blähungen, die vor allem unter belastenden Situationen auftreten. Die davon betroffenen Patienten fühlen sich erheblich beeinträchtigt durch diese lästige Symptomatik, leiden deswegen teilweise sogar unter erheblicher depressiver Verstimmung. Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität sind erheblich beeinträchtigt.

Die Ergebnisse der normalen medizinischen Diagnostik verstärken eher noch das Gefühl von Niedergeschlagenheit der Patienten. Denn die Befunde sind durchwegs „normal“: Blutuntersuchungen, Ultraschalldiagnostik, Darm und/oder Magenspiegelung ergeben keine pathologischen Hinweise. Selbst die sehr spezielle Methode zur Messung der Darmperistaltik ergibt allenfalls einen etwas erhöhten Innendruck und eine vermehrte Krampfbereitschaft des Darmes. Das findet man jedoch auch bei Menschen ohne Reizdarmbeschwerden.

Es gibt demnach keine organbezogenen Untersuchungen, die eindeutige Hinweise auf ein Reizdarmsyndrom erlauben. Es ist davon auszugehen, dass das Reizdarmsyndrom die Störung eines organisch durchaus gesunden Verdauungsapparates ist. Auch eine funktionelle Störung im Sinne rhythmischer Kontraktionen der Darmwand liegt meistens nicht vor.

Heute wird angenommen, dass die Ursache der ausgeprägten Beschwerden eher in der Verarbeitung von Reizen durch das Nervensystem und das Gehirn zu suchen ist als in einer anomalen Funktionsweise der betroffenen Organe. Die in Frage kommenden Reize können rein mechanischer Natur sein, sie können auf schlechte Verträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel zurückgehen oder auch auf psychische Reize wie Aufregung oder Ärger, die zu einer vermehrten Reaktion des Magen-Darm-Traktes und damit auch zu Beschwerden führen.

Wenn die typische Symptomatik vorliegt und organische Ursachen der Beschwerden auszuschließen sind, kann davon ausgegangen werden, dass ein Reizdarmsyndrom vorliegt. Dem Patienten sollte vermittelt werden, dass es sich dabei nicht um eine psychische Erkrankung handelt, dass jedoch psychische Faktoren (psychosozialer Stress, belastende Lebensumstände) für den Beginn und den Verlauf der beobachteten Symptomatik eine wichtige Rolle spielen.

Weiterführende Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Reizdarmsyndrom
http://www.schoen-kliniken.de/Kliniken/Med._Psychosomatische_Klinik_Roseneck/ xx_Krankheitsbilder/Reizdarm.htm
http://www.onmeda.de/krankheiten/reizdarm_syndrom.html?p=11



Somatoforme Störungen: Im Niemandsland zwischen Leib und Seele
„Reizdarm-Syndrom“
Chronisches Erschöpfungssyndrom
Fibromyalgie-Syndrom
Chronische Unterbauchschmerzen unklarer Genese
Autor


  1. Copyright © 2005-2010 sanofi-aventis. Alle Rechte vorbehalten. | Impressum
  2. | Datenschutz
  3. | Nutzungsbedingungen
  4. | AGB
  5. |
  1. heatmap