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Chronisches Erschöpfungssyndrom
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13. Juni 2007

Erschöpfung ist mit einer Prävalenz von ca. 20% eines der häufigsten Symptome in der Bevölkerung. In den Leitlinien der AWMF wird jedoch nur eine kleine Untergruppe (unter 1% der Bevölkerung) der Kategorie „Neurasthenie (ICD-10 F48.0 / Chronic Fatigue Syndrome) zugeordnet. Im deutschen Sprachgebrauch hat sich der Begriff „Chronisches Erschöpfungssyndrom“ oder auch „Chronisches Müdigkeitssyndrom“ eingebürgert, mit dem jedoch viele Ärzte und Patienten auch nicht recht zufrieden sind. Die Suche nach einem neuen, allgemein akzeptierten Namen hält an.

Es geht jedenfalls um eine somatoforme Störung von Patienten, deren Erschöpfung über mindestens drei Monate anhält und nicht auf körperliche Erkrankungen (z.B. Infekte, Hypothyreose), psychische Erkrankungen (z.B. Depression, Angststörungen) noch auf definierbare andere Ursachen (z.B. chronische Überlastung) zurückzuführen ist (AWMF-Leitlinie).

In Großbritannien, Australien und Neuseeland ist die mehr organisch orientierte Bezeichnung Myalgische Enzephalopathie (ME) gebräuchlich. International wird jedoch meistens die Bezeichnung Chronic Fatigue Syndrome (CFS) verwendet, ein Sammelbegriff, der sich an der Hauptsymptomatik „Erschöpfung“ orientiert, jedoch erhebliche Überschneidungen mit anderen Krankheitsbildern (z.B. Depressionen, Angststörungen, anderen somatoformen Störungen oder organisch bedingten Erkrankungen) aufweist. 

Das CFS wird als schwere und langdauernde Erschöpfung definiert, für die keine körperliche Ursache gefunden werden kann und die nicht durch Schonung oder Ruhe zu beheben ist. Inhaltlich deckt sich die Definition weitgehend mit dem alten deutschen Begriff Neurasthenie, der auch in der AWMF-Leitlinie „Somatoforme Störungen 8“ benutzt wird (Hennigsen P, Hartkamp N, Loew T, Sack M, Scheidt C: Somatoforme Störungen. Leitlinien und Quellentexte. Stuttgart: Schattauer, 2002).

Neuere verlässliche Daten über die Prävalenz des chronischen Erschöpfungssyndroms in Deutschland liegen nicht vor. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums waren im Jahr 1994 ca. 300.000 bis 1 Million Menschen von CFS betroffen. In einem Beitrag des Deutschen Ärzteblatts (2002) ist ebenfalls von etwa 300.000 Betroffenen die Rede (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/pdf.asp?id=33778)

Eine Diagnose auf CFS kann nicht aufgrund von Labortests oder objektivierenden technischen Untersuchungen gestellt werden. Durch eine gründliche Anamnese-Erhebung ist die Erkrankung abzugrenzen gegenüber allgemeinen Erschöpfungszuständen von Patienten, mit denen der Arzt in der Praxis häufig konfrontiert ist. Differentialdiagnostisch abzuklären ist das vermutete Vorliegen von CFS gegenüber

  • körperlichen Erkrankungen, die mit gesteigerter Erschöpfbarkeit einhergehen (z.B. endokrine Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten, Infekte, Malignome)
  • postenzephalitischer oder anderer hirnorganisch begründeter Erschöpfung
  • vorübergehenden Befindlichkeitsstörungen mit Erschöpfung (auch postviral)
  • Schlafstörungen
  • Erschöpfung bei (narzisstischen) Persönlichkeitsstörungen
  • Psychosen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten  

Bei 50 – 80% der CFS-Patienten findet sich eine frühere oder gegenwärtige psychische Erkrankung. Die Abgrenzung gegenüber einer depressiven Störung kann sich als schwierig erweisen, da ein Erschöpfungssyndrom meist auch mit depressiver Verstimmung verbunden ist. Für die Diagnose entscheidend ist der Akzent, den der Patient selbst auf Ermüdbarkeit und Schwäche legt. 

Eine allgemein anerkannte ursächliche Therapie des CFS auf evidenzbasierter Basis gibt es nicht. Als wirkungsvoll in der primärärztlichen Behandlung zur Reduktion der Symptomatik hat sich die ärztliche Beratung hinsichtlich körperlicher Aktivierung in Verbindung mit einem individuellen Trainingsplan erwiesen. Selbst eine Kurzintervention (vier Termine) kann bereits zur Besserung führen. 

Medikamentöse Behandlungsversuche sind mit verschiedenen Substanzen unternommen worden. Nach den Angaben in den AWMF-Leitlinien ist eine leichte Besserung lediglich mit Mao-Hemmern erzielt worden. Mit anderen Wirkstoffen, die in einigen randomisierten kontrollierten Studien untersucht worden sind, sollen jedoch auch Besserungen erzielt worden sein.

Grundsätzlich gilt: Die Behandlung sollte individuell und symptombezogen erfolgen. Hilfreich können der Ausgleich von Mangelzuständen, die Behandlung chronischer Infektionen, das Vermeiden von Intoxikationen, immunologische Therapien, Ernährungsumstellung, Physiotherapie und Schmerztherapie sein. Indiziert kann vor allem auch eine Psychotherapie sein, insbesondere bei Vorliegen von Depression oder Angststörungen. Empfohlen wird hier vor allem eine Kognitive Verhaltenstherapie nach den EBM-Kriterien. Verhaltenstherapeutische Kurzinterventionen und Entspannungstechniken sind dagegen nach den EBM-Kriterien nicht wirksam.

Die Versorgung von Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom wird allgemein als unzureichend angesehen. Die endgültige Diagnose erfolgt oft erst nach Jahren, wodurch sich die Chronifizierung verstärkt. Die Patienten leiden nicht nur unter der CFS-Symptomatik, sondern auch unter den psychosozialen und materiellen Folgen ihrer Erkrankung. Die Lebensqualität ist fast immer schwer beeinträchtigt. 

Weiterführende Links:
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/11/051-008.htm
http://www.cfs.virtuga.com/



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