Im Sinne vorbeugender Anti-Aging-Medizin werden heute zunehmend so genannte Vitalitäts-Checks angeboten. Die Bestimmung verschiedener Vitalitäts- und Altersparameter soll in diesem Sinne Voraussetzung für konkrete präventive und interventionelle Maßnahmen sein.
Mit steigendem Alter steigt auch das Risiko einer Reihe kardio-zerebro-vaskulärer Erkrankungen, von Typ-2-Diabetes, von Karzinomen, Osteoporose und Formen der Demenz. Vor diesem Hintergrund ergeben sich eine Reihe von Ansätzen einer Vitalitätsdiagnostik. In Frage kommen vor allem Messparameter für
- die Körperkomposition (Body-Mass-Index, Taille- und Hüftumfang)
- die kardiovaskuläre Funktion
- das ZNS (Sensorik, Reaktionsgeschwindigkeit, Memory-Test etc.)
- Lunge, Knochen und Haut
Optional können außerdem verschiedene Laborparameter (Hormonanalytik, Risiko-Labor, Redox- und Immunstatus) bestimmt werden, neuerdings auch Parameter der Molekulargenetik.
Ein solcher Aufwand kann jedoch nicht routinemäßig getrieben werden. So sprechen nach A.S. Wolf eine Reihe gravierender Gründe gegen die Praktizierung einer breit gespannten Vitalitätsdiagnostik:
- Für die Arztpraxis entstehen hohe Investitionskosten und ein zum Teil hoher personalintensiver Aufwand.
- Für Patienten bzw. Klienten ergeben sich ebenfalls hohe Kosten.
- Eine Therapie ohne manifeste Symptome bzw. Risiken ist oft nicht ratsam.
- Bei einigen angebotenen Systemen konfektionierter Vitalitätsdiagnostik fehlt die Fokussierung auf altersrelevante Probleme und es ergibt sich eine einseitige Akzentuierung von Befundmengen.
- Einige konfektionierte Vitalitäts-Mess-Systeme sind nicht oder nur unzureichend wissenschaftlich validiert.
Andererseits sprechen nach Wolf jedoch auch etliche Gründe für die Durchführung einer Vitalitätsdiagnostik:
- Präventive und interventionelle Maßnahmen können dann nicht nur aufgrund subjektiv geäußerter Symptome eingeleitet werden. Sie lassen sich vielmehr auf der Basis exakter, weitgehend objektiver, gemessener und alterskorrelierter Befunde in Angriff nehmen.
- Die ausgewählten Parameter stellen im positiven Fall wissenschaftlich gesicherte „biologische Vitalitätsparameter und Altersindikatoren“ dar.
- Bei nachgewiesenen gesundheitlichen Risiken besteht die Möglichkeit der gezielten Prävention oder Risikointervention.
- Anhand der gewählten Parameter sollte auch ein exaktes Monitoring einer therapeutischen Intervention möglich sein.