Der allzu menschliche Wunsch, möglichst lange jung bleiben zu wollen, ist ebenso verständlich wie die Angst des Menschen vor dem Tode, die das Leben des alternden Menschen begleitet und überschattet. Es ist daher nicht angemessen, die Bemühungen, im Alter möglichst fit bleiben zu wollen, als Ausgeburt eines „Jugendwahns“ abschätzig zu beurteilen. Die Entwicklungspsychologin Prof. Ursula Staudinger hat dafür deutliche Worte gefunden:
„Genauso wie der Tod, so ist wahrscheinlich auch der Wunsch nicht zu altern (also die Angst vor dem Tod), ein evolutionär verankerter Grundbestandteil der Conditio humana. Es ist kein Phänomen der Moderne oder gar der Postmoderne, dass Menschen jung bleiben bzw. wieder jung werden wollen. Die Darstellungen des Jungbrunnens oder der Jungmühle reichen bis weit in die menschliche Kulturgeschichte zurück. Es scheint daher nicht sinnvoll, die heute zu beobachtende Tendenz, Erkenntnisse der Biologie und der Medizin zu nutzen, um sich jung zu erhalten, einem durch die Wertewelt moderner Industriegesellschaften verursachten Jugendwahn anzukreiden. Eine solche vermeintlich kulturkritische Sicht geht am Kern des Phänomens vorbei. Auch ethische Debatten darum, ob der Mensch in die 'natürliche' Entwicklung eingreifen darf, scheinen längst von den kulturellen Tatsachen überholt. Die menschliche Kultur hat schon in den ‚natürlichen' Verlauf der menschlichen Entwicklung eingegriffen; wie sonst ist der Zuwachs von 30 Jahren an durchschnittlicher Lebenserwartung im Verlaufe des letzten Jahrhunderts zu erklären. Es lässt sich hier sogar umgekehrt eine Verantwortung definieren, das Begonnene verantwortungsvoll fortzusetzen.“
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