Wenn der Kakao in der Milch klumpt, sich der Kandisbrocken nicht im lauwarmen Tee löst, so ist das ärgerlich, aber nicht weiter schlimm. Lösen sich aber die Wirkstoffe von Medikamenten nur ungenügend und gelangen deshalb nur in zu geringer Konzentration ins Blut, sind sie bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls hängen Menschenleben von einer deshalb nicht behandelten Krankheit ab. Ist die schlechte Bioverfügbarkeit eines Wirkstoffs bereits im Vorfeld bekannt, wird das entsprechende Medikament häufig erst gar nicht entwickelt und kann damit schlussendlich Patienten nicht helfen.
In der Forschung und Entwicklung von sanofi-aventis in Frankfurt ist seit Sommer 2007 eine Nano-Mühle im Einsatz, die bei Problemen dieser Art Abhilfe schaffen kann. Die Spezialmühle stellt Mahlgut extrem feiner Körnung her. Derart zerkleinerte Wirkstoffe sind besser löslich und somit bioverfügbar, das heißt für den Körper von Patienten zugänglich.
Während herkömmliche Mühlen Mahlgut mit einer Körnung von bis zu einem Tausendstel-Millimeter herstellen, liefert die Nano-Mühle Korngrößen zwischen 100 und 200 Nanometern Durchmesser (ein Nanometer = 1 Millionstel-Millimeter). Das Mahlgut sieht aus wie Milch. In dieser feinen Suspension sind selbst unter dem Mikroskop keine Körnchen zu erkennen.
Die Wissenschaftler in der Arzneiformenentwicklung bei sanofi-aventis arbeiten bereits seit einigen Jahren an nanokristallinen Suspensionen. Die Nanomühle am Standort Frankfurt ist die größte ihrer Art innerhalb des Unternehmens. Sie kann vollautomatisch und über Nacht im Rezirkulationsbetrieb Chargen von bis zu 20 Kilogramm Wirkstoff vermahlen, entsprechend 60 Litern Suspension.
"Wir sind stolz, dass diese wichtige Technik nun auch am Standort Frankfurt vorhanden ist", sagt Dr. Norbert Lill, Leiter Pharmaceutical Sciences Nordeuropa. "Wir können damit Wirkstoffe in Mengen mahlen, die für große klinische Prüfungen ausreichen, das sind derzeit zum Beispiel Wirkstoffe gegen Artherosklerose oder zur Behandlung der Angina pectoris."
Entwickelt hat die Nanokristall-Mahltechnik die irische Firma Elan, sanofi-aventis hat sie einlizenziert. Technisch gesehen, handelt es sich bei der 'NanoMill' um eine Mühle mit einem Nassmahlwerk aus Edelstahl, in dem spezielle Mahlkörper feuchtes Mahlgut zerreiben. Ein Sieb trennt Mahlkörper und Mahlgut. Diese Mahlkörper sind aus Spezial-Kunststoff und nicht, wie sonst üblich, aus Keramik. Der Spezial-Kunststoff reibt kaum ab, was den Verschleiß der Mühle und Verunreinigung des Mahlguts vermeidet.