Inline-Skating ist auch für relativ unsportliche Menschen in den Grundzügen zu erlernen. Dennoch stellt es Mindestanforderungen an konditionelle Fähigkeiten, an Koordination und Beweglichkeit. Ohne diese Grundvoraussetzungen lassen sich die Skates nicht beherrschen. Gerade koordinative Fähigkeiten mit Koppelung, Gleichgewicht, Orientierung, Reaktion und Umstellung werden überdurchschnittlich beansprucht.
Leider lassen sich auch schon mit der einfachen Schritttechnik hohe Fahrgeschwindigkeiten erreichen, ohne dass der oder die Fahrer(in) unbedingt anspruchsvollere Aufgaben wie die Überwindung von Hindernissen, das kontrollierte Bremsen oder sicheres Stürzen beherrscht. So sind vor allem Anfänger und Gelegenheitsfahrer von schwereren Verletzungen betroffen, solche die kein regelmäßiges Technik-Training oder sonstige, die technischen Fähigkeiten schulenden Skating-Aktivitäten betreiben, wie etwa Inline-Hockey (Stening et al.: "Prävention von Verletzungen und Überlastungsschäden im Ausdauer-Inline-Skating", Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 36, 1999). Sie bremsen durch Festhalten an Geländern, Ampeln und Laternen und Fallen unkontrolliert im Notstop. Nur Wenige lernen das Skaten unter fachkundiger Anleitung, und viele Skater fahren immer noch ohne Helm oder ausreichenden Protektorschutz.
Springen, Bremsen, Stürzen
Wie auch beim Skifahren, sollten die erste Schritte auf Inline-Skates unter fachkundiger Schulung erlernt werden. Auf dem Programm stehen dabei neben den Grundschritten Wechselsprünge, beidbeinige Sprünge und dynamisches Kurvenfahren mit Übersetzen. Solche Techniken sind für das sichere Beherrschen der Skates in jedem Gelände und in Kurven wichtig sowie für die Überwindung von Hindernissen. Ferner werden die verschiedenen Bremstechniken mit "Fersenstopp" bzw. "Abschwingen" vermittelt. Von besonderer Bedeutung sind die Sturztechniken, zum Beispiel das kontrollierte Fallen nach vorn, mit Ausgleiten auf den Knie- und Ellenbogenschonern. Da trotz vorrausschauender Fahrweise unvorhersehbare Mannöver notwendig werden können, sollten die beanspruchten Körperpartien kräftig und beweglich genug sein. Das betrifft vor allem die Beine.
Fehlbelastungen vermeiden
Von der Fachwelt wird dem Skaten auf Rollen wegen der gelenkschonenden Belastung und wegen der Steigerung der aeroben Leistungsfähigkeit als Präventivsport ein hoher Stellenwert eingeräumt. Das verleitet einige dazu den "Gesundheitssport" ohne die – wenn auch geringen – Belastungsrisiken zu sehen.
Fast jeder zweite Skater klagt nach längerem Training über Muskelschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Das liegt zum einen an der stark nach vorn gebeugten Skaterhaltung, zum anderen daran, dass schnelle Reaktionen und permanente Gleichgewichtsstabilisierung die Rumpfmuskulatur selbst bei geübten Sportlern mit neuen nervalen Ansteuerungsmustern fordern. Wer seinen Fahrgenuss nicht durch lumbale Rückenschmerzen schmälern möchte, sollte den Rumpf regelmäßig mit einem ausgewogenem Verhältnis an Kräftigungs-, Lockerungs-, Entspannungs- und Dehnungsübungen für den Sport fit machen.
Blasen und Druckstellen an den Füßen und Sprunggelenken lassen sich durch ausreichend gepolstertes und gut sitzendes Schuhwerk verhindern. Ist keine passende Zwischengröße zu finden, helfen spezielle Skating-Socken den Sitz des Schuhs zu optimieren. Gute Fachhändler lassen sich auch auf Probefahrten ein. Sind die Schuhe zu eng, kann es zu schmerzhaften Durchblutungsstörungen, Druckstellen und Parästhesien kommen. Wer die Rollen einseitig abfährt und damit lange skatet, belastet die großen tragenden Gelenke nicht symmetrisch, was degenerativen Gelenkerkrankungen Vorschub leisten kann. Das Wechseln der Rollen und eine Anpassung der Rahmenstellung verbessert die statischen Verhältnisse in solche Fällen.
Die wichtigsten Protektoren
Verantwortungsbewusstes Skating verlangt immer die volle Schutzausrüstung – unabhängig vom Können. Dazu gehören Protektoren für die Ellenbogen und die Knie, Handgelenksschoner und ein Helm. Die schlauchförmigen Protektoren aus elastischem Stoff und mit Hartschalen über den gefährdeten Gelenkregionen gibt es in verschiedenen Größen. Mit Klettverschlüssen sind sie zusätzlich individuell zu justieren. Die Passgenauigkeit ist wichtig, damit die Protektoren bei Stürzen nicht abstreifen. Handgelenkschoner haben zusätzlich eine starre Schiene zur Stabilisierung des Handgelenks gegen Stauchbrüche beim Sturz eingearbeitet. Der Helm ist absolute Standardausrüstung. Auch wenn Kopfverletzungen selten sind, so verlaufen sie oft schwer, wenn nicht tödlich. Der Helm muss den Hinterkopf mit umschließen und sollte rundherum wenig rutschen. Der Kinngurt muss immer (!) geschlossen sein. Ein Helm ohne angelegten Kinngurt ist wertlos, auch wenn es "cool" aussieht Protektorhosen und Skateroberteile bieten zusätzlichen Schutz und sind vor allem für Aggressive-Skating empfehlenswert, ebenso wie Handgelenksschoner mit zusätzlichem Fingerschutz. Skaterklingeln für das Handgelenk machen für Fitness-Skater Sinn, die sich oft auf Radwegen, im Straßenverkehr oder in der Stadt bewegen.
Die richtigen Schuhe
Die Wahl der Schuhe entscheidet nicht nur über Tragekomfort und Geschwindigkeit beim Skaten, sie bestimmt maßgeblich auch die Sicherheit.
- Bequeme Soft-Skater mit Schuhen aus Nylon oder Leder und mit minimalisierten Kunststoffverstärkungen an den Belastungsstellen sind zwar bequem, stabilisieren Fuß und Sprunggelenk aber nur mangelhaft und weisen eine schlechtere Kraftübertragung auf die Rollen und auf den (wenn vorhandenen) Bremsstopper auf, wodurch gerade bei Anfängern und Kindern Stürze und Verletzungen provoziert werden. Typisch sind solche Modelle bei Speed-Skatern. Sie versprechen schnellen Lauf auch durch langen Rahmen und fünf große Rollen, was jedoch mit schlechter Lenkbarkeit bezahlt wird. Außerdem sind solche Skater selten mit Bremssystemen versehen.
- Hartschalenschuhe mit Bremssystem dagegen bieten die notwendige Stabilität und Führungssicherheit und sind durch den gepolsterten herausnehmbaren Innenschuh mit Schnürung ebenfalls angenehm zu tragen. Sie werden für Anfänger, Fitness-Skater und Kinder empfohlen.
- Die Rollen sollten für Fitness-Skater mittelgroß sein und mittleren Härtegrad aufweisen: Große Rollen laufen ruhiger, kleine sind wendiger. Harte Rollen laufen leichter, mit wenig Rollwiderstand, aber auch mit weniger Bodenhaftung, weiche haben mehr Rollwiderstand, dafür aber guten Griff. Die kleinen, weicheren Rollen werden von vielen Jugendlichen für Sprünge und Figuren bevorzugt.
- Auch das Radprofil spielt eine Rolle. Je spitzer die Rolle zuläuft, desto geringer ist der Rollwiderstand und desto schlechter die Untergrundhaftung (schnelle aber rutschige Schuhe).