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Mehr Handlungsspielraum
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Interview mit dem Internisten Dr. med. Tilman Schlegelberger.
Eines der ersten MVZ in den alten Bundesländern liegt am Blücherplatz in Kiel: Auf Basis der seit Anfang 2004 geltenden Änderungen wandelte der Internist Dr. med. Tilman Schlegelberger seine gemeinsam mit drei Kollegen betriebene Gemeinschaftspraxis in ein hausärztlich-internistisches Medizinisches Versorgungszentrum um.

Medicus: Welches waren die Gründe, Ihre Gemeinschaftspraxis in ein häuslich-internistisches MVZ umzuwandeln?

Dr. Schlegelberger: Wir sind diesen Schritt gegangen, um einen größeren Handlungsspielraum zu bekommen, zum Beispiel durch Anstellung eines Arztes sowie durch Assoziation anderer Berufsgruppen in unser Zentrum.

Medicus: Welche Berufe sind das?

Dr. Schlegelberger: Bisher haben wir einen häuslichen Pflegedienst in unser Zentrum aufgenommen. Außerdem gehört zu unserem Zentrum eine Ernährungsberaterin, die selbst über Kassenverträge verfügt. Wir haben auch mit einem Psychotherapeuten Kontakt aufgenommen, weil wir diesen Aspekt für die Versorgung unserer Patienten als sehr wichtig erachten. Für unser Arbeitsspektrum im Zentrum wäre das eine gute Ergänzung. Für die Zukunft planen wir auch, einen Physiotherapeuten mit hinzuzuziehen. Wir wollen alles dazuholen, was sich um den Schwerpunkt „hausärztlich-internistisch“ gruppiert.

Wir arbeiten auch eng mit einer Apotheke zusammen, doch das haben wir noch nicht strukturiert. Diese Kooperation läuft bisher auf normalem kollegialem Weg. Gemeinsam sind wir jedoch gerade dabei, das Modell der Barmer Ersatzkasse mit Hausarzt und Hausapotheke in die Praxis umzusetzen.

Medicus: Haben Sie in Ihrem MVZ einen kaufmännischen Geschäftsführer eingesetzt?

Dr. Schlegelberger: Nein, aus Kostengründen haben wir das nicht getan. Dazu ist unser MVZ nicht groß genug. Ärztlicher Leiter des Zentrums bin ich, die Verwaltungsaufgaben erfüllt jeder Arzt wie zuvor in der Gemeinschaftspraxis. Wir fungieren auch weiter als eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts; wir haben keine GmbH gegründet.

Medicus: Wie viele Ärzte sind in Ihrem MVZ derzeit tätig?

Dr. Schlegelberger: Ich bin der fachärztlicher Internist. Im Zentrum praktizieren noch ein hausärztlicher Internist sowie eine Allgemeinmedizinerin und ein Allgemeinmediziner. Zudem ist noch ein Assistent in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner tätig. Wir sind also derzeit zu fünft.

Der zweite Allgemeinmediziner ist unser angestellter Partner im ärztlichen Team. Wir haben als MVZ einen Kassensitz gekauft, den er inne hat, mit der Option, nach fünf Jahren diesen Sitz zu übernehmen oder sich woanders niederzulassen, auch in einem eigentlich gesperrten Bezirk. Er kann also nach fünf Jahren die Praxis verlassen, ohne dass er Geld investiert hat. Selbst wenn der Kollege geht, behalten wir den Kassensitz und er hat umgekehrt die Garantie, einen Sitz zu bekommen. Das ist ein absolutes Novum. Diesen Anreiz hat die KV geschaffen, um die neuen Strukturen mit Medizinischen Versorgungszentren in Gang zu bringen.

Medicus: Es fällt schon auf, dass es bisher relativ wenige Ärzte sind, die ein MVZ gegründet haben?

Dr. Schlegelberger: Man sollte auch nicht zu euphorisch sein. Bei manchen Fachgruppen, die bisher gut zusammen gearbeitet haben, kann die Bildung eines MVZ durchaus auch ein Nachteil sein, beispielsweise bei der Abrechnung. So kann ja die Ordinationsgebühr nur einmal in Rechnung gestellt werden, auch wenn der Patient von verschiedenen Ärzten im Zentrum behandelt wurde. Da kann es durchaus sein, dass die Kollegen besser mit der alten Struktur arbeiten.

Seit 1. April 2005 wird nun nach EBM2000 plus abgerechnet. Vielleicht ändern sich dadurch die Abrechnungsmodalitäten; das ist im Moment noch nicht ganz klar.

Zudem herrscht bei vielen Kollegen einfach auch Skepsis gegenüber den neuen Strukturen. Ein MVZ ist ja etwas Neues, Modernes, das auch den Touch von aggressiver Medizin, von Wettbewerb und einem veränderten Bild des Arztberufs mit sich trägt.

Medicus: Werden MVZ eher von Krankenhäusern gegründet werden oder von niedergelassenen Ärzten?

Dr. Schlegelberger: Ich rechne damit, dass die meisten Versorgungszentren aus dem Bereich kommen werden, wo Betten vorgehalten werden müssen, wie bei Praxiskliniken, Belegkliniken sowie operativ tätigen Ärzten. Der Anstoß wird eher von dieser Seite kommen als von niedergelassenen Ärzten. Wir werden mit unserem hausärztlich-internistischen Zentrum eher die Ausnahme darstellen.


Updated: 11. Mai 2005

Autorin
Brücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
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