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IGeL-Erfahrungen in der hausärztlichen Praxis
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Medicus:  Herr Dr. Wagenknecht, können Sie bei ihren Patienten eine verstärkte Nachfrage nach so genannten Wunschleistungen feststellen, nachdem die gesetzlichen Krankenkassen verschiedene Leistungen, z. B. im Bereich der Naturheilverfahren nicht oder nicht mehr übernehmen?

Dr. Wagenknecht:  Nach meiner Erfahrung besteht vor allem bei jüngeren Patienten ein erhöhtes Interesse an präventivmedizinischen Leistungen. So registriere ich eine zunehmende Bereitschaft, IGeL-Leistungen im Bereich der Vorsorge-Diagnostik in Anspruch zu nehmen. Bei älteren Patienten besteht vor allem ein Interesse an „Aufbau“-Therapien, etwa zur Immunstimulierung.

Medicus:  Es wird von einem gestiegenen Anspruchsverhalten von Patienten gesprochen, können Sie das bestätigen? Oder verhält es sich so, dass heute Patienten mehr als früher sich dem Arzt gegenüber öffnen, nicht nur im Hinblick auf Krankheiten, sondern auch bezüglich Befindlichkeitsstörungen, psychosozialen Problemen etc.?

Dr. Wagenknecht:  Der Patient muss heute zunehmend als „Kunde“ gesehen werden, der die Arztpraxis als Service-Unternehmen in Anspruch nimmt. Im hausärztlichen Bereich werden regelmäßig psychophysische Befindlichkeiten angesprochen.

Medicus:  Welche praktischen Erfahrungen haben Sie im Umgang mit Patienten gemacht im Hinblick auf ‚Angebot und Nachfrage’? Ärzte sollen ja nicht als ‚Kaufleute’ auftreten, sondern sollen lediglich ‚Leistungen auf Verlangen’ erbringen, sollen also die Patienten mit Sonderwünschen auf sich zukommen lassen…

Dr. Wagenknecht:  In meiner Praxis werden die Patienten auf sachliche, intellektuell redliche Weise über Zusatzangebote aufgeklärt. Letztlich entscheidet dann der Patient, welche zusätzlichen Leistungen er in Anspruch nehmen will. Bei der Abwägung zwischen verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten wird der Patient ärztlich beraten.

Medicus:  Patienten müssen ja informiert werden über das besondere Profil einer Praxis. Was hat sich bei Ihnen bewährt zur Vorinformation von Patienten?

Dr. Wagenknecht:  Zur Vorinformation machen wir Gebrauch von Praxisfoldern, Infoblättern und Wartezimmer-Aushängen.

Medicus:  Sie haben eine Weiterbildungsqualifikation im Bereich „Naturheilverfahren“ erworben. Welche Leistungen stehen da insbesondere im Vordergrund und werden von Patienten nachgefragt?

Dr. Wagenknecht:  Es geht hier vor allem um ‚milde’ – phytotherapeutische und homöopathische ­– Therapiealternativen. Im Vordergrund stehen Aufbau- und immunstabilisierende Therapieansätze sowie Formen der unterstützenden biologischen Tumortherapie.

Medicus:  Welche Wunschleistungen halten Sie insbesondere für berechtigt angesichts der Streichung verschiedener Leistungen seitens der gesetzlichen Krankenkassen?

Dr. Wagenknecht:  Im Bereich der Vorsorgediagnostik zählen dazu Tumormarker, die frühzeitig Hinweise auf bestehende Risiken, z. B. von Lebererkrankungen, geben können. Im Bereich der bildgebenden Diagnostik kann der Einsatz der Sonographie über das von der GKV akzeptierte Maß hinaus sinnvoll und wertvoll sein. Der langfristigen Gesunderhaltung dienen immunstabilisierende Maßnahmen und eine fundierte Ernährungsberatung. In der Schmerztherapie haben wir mit der Akupunktur eine wertvolle Alternative, vor allem für Patienten, die Probleme mit medikamentöser Behandlung haben.

Medicus:  Sehen Sie im Bereich der Prävention medizinisch sinnvolle, von der GKV aber nicht bezahlte Leistungen zur Vorsorge und Früherkennung von Krankheiten?

Dr. Wagenknecht:  Dazu zählen vor allem, wie bereits angesprochen, als labordiagnostische Leistungen verschiedene Tumormarker sowie der Einsatz der Sonographie.

Medicus:  Der Hausarzt ist von den Gesundheitspolitikern in den letzten Jahren verstärkt als „Lotse im Gesundheitswesen“ ins Spiel gebracht worden. Deckt sich die erwiesene Ehre auch mit dem zu erwartenden Honorar?

Dr. Wagenknecht:  Darauf kann ich nur mit einem klaren Nein! antworten.

Medicus:  Gesundheitsökonomen behaupten, dass Arztpraxen aus wirtschaftlicher Sicht in Zukunft auf Einnahmen von Selbstzahlern für Wunschleistungen angewiesen seien. Wie sehen Sie das aufgrund der Entwicklung in Ihrer Praxis?

Dr. Wagenknecht:  Angesichts der Erfahrungen in meiner Praxis kann ich solche Voraussagen nur bestätigen. Bei steigendem Arbeitseinsatz, nicht zuletzt aufgrund zusätzlichen bürokratischen Aufwandes, sind unsere Realeinkommen in den letzten Jahren gesunken.



Updated: 04. Dezember 2005

Der Autor
IGeL-Erfahrungen in der hausärztlichen Praxis
Literatur
Patientenwünsche und zusätzliche ärztliche Tätigkeiten
„Unsere Empfehlungen sollen der Orientierung dienen“


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