Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Eltern, liebe Patienten,
aus Sorge um eine zukünftig möglichst gute Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes wende ich mich als Kinderdiabetologe an Sie, um Eltern und betroffene Kinder und deren Diabetesteams über geplante Veränderungen in der Insulinversorgung in Deutschland zu informieren.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ( IQWiG) hat am 4.9. den Vorbericht zur Anwendung von kurzwirkenden Insulinanaloga bei Typ 1 Diabetes veröffentlicht. Sie finden den Link zum PDF-File dieses Berichts auf folgender Seite:http://www.iqwig.de/index.449.html.
In im Folgenden fasse ich die entscheidenden Aussagen der fast 150 Seiten zusammen. Wenn Sie mit diesen Empfehlungen nicht einverstanden sind, besteht für Sie als betroffene Privatpersonen oder deren Sorgeberechtigte und auch als Organisation die Möglichkeit, bis zum 2.10. 2006 eine Stellungnahme abzugeben.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass keine ausreichenden Daten vorliegen, um eine Kostenübernahme der Krankenkassen für schnelle Insulinanaloga weiter zu rechtfertigen. Nach heutigem System der Kostenerstattung bedeutet dies, dass die Kosten für diese Medikamente nicht erstattet werden, so lange preiswertere Alternativen bestehen (Normalinsulin ist im Tagesdurchschnitt bei Erwachsenen 30 Cent billiger). Dies hat natürlich erhebliche Folgen für die Patienten, die weiterhin Humalog, Novorapid oder Apidra verwenden wollen.
Viele Wissenschaftler kritisieren das vom IQWiG angewandte methodische Vorgehen, aber dies allein wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um die schnellen Analoginsuline für Kinder und Jugendliche weiterhin über die Krankenkassen zu finanzieren. Es ist daher sehr wichtig, dass möglichst viele Betroffene, deren Eltern und Diabetesteams ihre Stimme erheben. Dazu muss aus juristischen Gründen eine besondere Stellungnahme abgegeben werden, die bestimmte Formalien erfüllt. Alles, was dazu erforderlich ist, haben wir für Sie in der Anlage vorbereitet. Wenn Sie für den Erhalt der schnellen Analoginsuline für Patienten mit Typ-1-Diabetes eintreten möchten, dann drucken Sie folgende Anlagen aus und schicken sie ausgefüllt an die Adresse des IQWiG.
1) Formblatt zur Stellungnahme
a. ausfüllen mit vollständiger Adressangabe
b. Stellungnahme auf zweiter Seite unterschreiben
2) Darlegung potenzieller Interessenskonflikte ausfüllen:
a. Projekt A05/02
b. Erstellung eines Vorberichts ankreuzen
c. Kontaktdaten ausfüllen
d. 1 bis 8 ankreuzen (bei Patienten/Eltern in der Regel nein)
e. Unterschreiben auf Seite 4
3) Stellungnahme aufschreiben
a. Beispieltext kann verwendet werden. Idealerweise mit persönlichen Erfahrungen, Alter des Kindes und so weiter ergänzen. Dabei dürfen 5 DinA4 Seiten nicht überschritten werden
b. Letzte Seite persönlich unterschreiben
4) Abschicken bis 29.09.06 Eingang 2.10.2006 (!) an:
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Herrn Prof. Dr. med. Peter Sawicki
Dillenburger Str. 27
51105 Köln
Achtung: Der Brief muss bis zum 2.10.2006 in Köln sein – spätester Einsendeschluss 29.9.06.
Selbstverständlich werden die wissenschaftlichen Gesellschaften die fragwürdigen Methoden des Instituts kritisieren, die zu einer sehr eingeschränkten Auswahl der Studien führte. Der Vorstand der Deutsachen Diabetes Gesellschaft wird zusammen mit dem Ausschuss Pharmakotherapie eine Stellungnahme zu diesem Vorbericht verfassen. Auch die Deutsche Diabetes Union hat eine Resolution verfasst.
Unabhängig davon sollten sich jedoch alle Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher, Mitglieder der AGPD, vor allem Mitglieder, die in exponierten Positionen tätig sind, überlegen, ob sie eine eigene Stellungnahme abgeben wollen (Einsendeschluss: 29.9.06). Die
Formalitäten zur Abgabe von Stellungnahmen und die Notwendigkeit der Darlegung potentieller Interessenskonflikte sind auf oben genannter Internetseite beschrieben. In der Anlage haben wir die Unterlagen für Sie zusammengestellt.
Gerne sind wir bereit, weitere Fragen zu beantworten, um auch weiterhin eine möglichst gute Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes zu ermöglichen. Am 3.10.2006 werden wir im Rahmen des Karl-Stolte-Seminars für Kinderendokrinologie und -diabetologie in Hannover über den Stand der Dinge berichten.
Für das Diabetesteam am Kinderkrankenhaus auf der Bult Hannover Ihr
Prof. Dr. Thomas Danne
Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie
Kinderkrankenhaus auf der Bult
Janusz-Korczak-Alle 12
30173 Hannover
Tel. 0511-8115-340
Vorstand der AGPD: Prof. Dr. T. Danne , Hannover (Sprecher); Frau Dr. B. Heidtmann, Hamburg (Stellvertreterin); Frau Dr. J. Etspüler, Kassel; Prof. Dr. P-M. Holterhus, Kiel; Frau PD Dr. I. Knerr, Erlangen; Frau Dr. A. Näke, Dresden; Dipl.Psch. A. Podeswik, Augsburg