Während weltweit jährlich rund 140.000 Menschen im Wasser sterben und die Dunkelziffer in vielen Ländern um ein Vielfaches höher liegt als die Zahl der registrierten Opfer, rühmte sich Deutschland seit fast 50 Jahren mit rückläufigen Zahlen: 1959 ertranken hierzulande noch 1479 Menschen pro Jahr, im Jahr 2000 zählte man nur noch 429 Opfer. Zunehmende Schwimmkenntnisse in der breiten Bevölkerung und auch die gute Überwachung in öffentlichen Bädern und Küstengewässern hatten das Badevergnügen sicherer gemacht.
Seit kurzem aber schlägt die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wieder Alarm. Als uns der Sommer 2003 mit viel Sonne verwöhnte, ertranken mindestens 644 Menschen, acht Prozent mehr als im Vorjahr, und das wohl nicht nur, weil Hitzerekorde Menschen in Scharen zur Abkühlung an die Gewässer zogen. Die Zahl der Ertrinkungsopfer stieg damit schon das dritte Jahr in Folge wieder an, im Vergleich zum Jahr 2000 um fast 50 Prozent. Verantwortlich dafür, so Dr. Klaus Wilkens, Präsident der DLRG, sei unter anderem die zunehmende Bäderschließungen. Unbewachte Binnengewässer, vor allem die Seen, sind die Gefahrenquelle Nummer eins. Weil aber immer mehr bewachte Bäder schließen und die Anfahrtswege und Warteschlangen damit länger werden, ziehen die Menschen den ruhigen See in der Nähe dem überfüllten Freibad vor. Außerdem sei das Sportangebot heute so groß, dass Schwimmen nicht mehr, wie noch in den 70er Jahren, der Sommersport schlechthin sei. „Es gibt wieder mehr Nicht-Schwimmer“, beklagt Wilkens.
Auch in der Altersstruktur der Opfer vollzieht sich ein Wandel: Waren es früher vor allem Kleinkinder, die im See, im Pool oder im Gartenteich ertranken, nimmt heute die Zahl der über 40-jährigen Opfer zu. Die deutlich höhere Ertrinkungsquote bei den Männern zieht sich dabei durch alle Altersklassen. Wilkens führt das vor allem auf Selbstüberschätzung, auf falschen sportlichen Ehrgeiz und auf eine höhere Risikobereitschaft zurück. Der allgemeine Fitnesstrend und Jugendkult treibe viele in die Überlastung, vor allem bei vorgeschädigtem Herz-Kreislauf-System und bei großen Temperaturunterschieden zwischen Luft und Wasser. Die Zahl der Todesopfer unter Kleinkindern ist dagegen zum Glück weiterhin rückläufig.
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