Erfolgsmechanismen in der Berufswelt funktionieren noch immer überwiegend nach männlichen Regeln. Männer haben eher als Frauen ein klares berufliches Karriereziel vor Augen, und um dieses zu erreichen, etablieren sie frühzeitig ein Beziehungssystem, das sie in ihrer beruflichen Laufbahn unterstützt und berät. Aus zahlreichen Gründen tun sich Frauen auf diesem Gebiet oft schwerer. Immer noch kommt es vor, dass sie als Eindringlinge in eine Männerwelt gesehen werden. Und mit dem Versuch, Familie und Beruf zu vereinen, fühlen sich viele überfordert und allein gelassen.
Um dieser Einzelkämpfermentalität zu begegnen, wurde eine Reihe von Mentoring-Netzwerken gegründet. Hier stehen berufserfahrene Ärzte oder Ärztinnen als Mentor oder Mentorin einer jungen Ärztin, der Mentée, auf ihrem Berufs- oder auch Lebensweg für eine gewisse Zeit beratend zur Seite.
So ist beispielsweise 2001 vom Hessischen Sozialministerium und der Landesärztekammer Hessen in Zusammenarbeit mit der Frauenbeauftragten des Klinikums Darmstadt und des Mentorinnen-Netzwerkes "Frauen in Naturwissenschaft und Technik an Hessischen Universitäten und Fachhochschulen" die Initiative "Mentorinnen-Netzwerk" in hessischen Kliniken ergriffen worden. Ziel des Mentorings ist vor allem, Ärztinnen den Weg in der Weiterbildung bis zum Facharztabschluss zu erleichtern. „Mentorinnen kooperieren mit "Mentées", indem sie ihnen auf freiwilliger Basis Hilfe, Rat und Unterstützung in fachlicher, motivationaler, mentaler, sozialer und praktischer Hinsicht geben. Mentoring ist im Unterschied zu anderen Konzepten der Nachwuchskräfteförderung daher ganzheitlich konzentriert und nicht hierarchisch strukturiert. Dementsprechend besitzt Mentoring eine Karrierefunktion und eine psychosoziale Funktion“, berichtet die Bundesärztekammer über die Initiative.
Zu einem der etabliertesten Mentoring-Programme zählte das Angebot des Deutschen Ärztinnenbundes, der bereits 1924 gegründet worden ist. Die Förderung junger Kolleginnen war zwar schon immer ein wesentliches Ziel des Ärztinnenbundes. Diese Unterstützung wurde im Jahr 2000 mit der Gründung des „Mentorinnennetzwerkes des Deutschen Ärztinnenbundes“ aber in eine strukturierte Form gebracht. Es steht ausschließlich Mitgliedern des Ärztinnenbundes zur Verfügung. Initiatorinnen dieses Netzwerkes sind Prof. Dr. med. Marianne Schrader und Dr. med. Esther Gaertner. Ihre Aufgabe ist es zunächst, erfahrene Kolleginnen und junge Kolleginnen zusammenzubringen. So soll eine professionelle Hilfestellung bei der Karriereplanung auf einer vertrauensvollen Basis stattfinden. Darüber hinaus versucht das Mentorinnen-Netzwerk des DÄB folgende Ziele zu erreichen:
- Begleitung von Medizinstudentinnen im Studium, Unterstützung, z.B. durch Vermittlung von Hospitationen oder Famulaturen.
- Hilfestellung bei der Wahl des Fachgebietes und beim Berufseinstieg.
- Vermittlung von Kenntnissen zu Strukturen von Klinik, Universität, Praxis und außerklinischen Institutionen.
- Unterstützung bei wissenschaftlicher Arbeit, evtl. mit dem Ziel der Promotion.
- Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen.
Im Gegensatz zum Mentorinnennetzwerk des DÄB, hat die Marburger-Bund-Stiftung in einem Pilotprojekt ein Mentorennetzwerk für junge Ärztinnen geschaffen, dem auch Ärzte angehören. Das Projekt hatte von 2002 bis 2004 in Zusammenarbeit mit den Städtischen Kliniken Köln und Ludwigshafen stattgefunden. Das Nachfolgeprojekt, an dem 15 Ärztinnen teilnehmen, wird nicht mehr in Paarkonstellationen, also MentorIn/Mentée, sondern als Gruppen-Mentoring mit bis zu vier Mentées durchgeführt.
Ansprechpartnerinnen für das Mentorinnen-Netzwerk des DÄB sind:
Prof. Dr. med. Marianne Schrader
Plastische Chirurgie
Universität Schleswig-Holstein Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23528 Lübeck
Telefon: 0451/ 500 20 62
Fax: 0451/ 500 221 90
E-Mail: marianne.schrader@medinf.mu-luebeck.de
Dr. med. Esther Gaertner
Gustav-Müller-Straße 6
10829 Berlin
Telefon: 030/788 948 86
Fax: 030/788 949 38
E-Mail: esther_gaertner@gmx.de