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 | Reportage: Dr. med. Dorothea Woiczechowski mit Rolling Clinics auf den Philippinen | |
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| 05. Dezember 2007 |
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| Diese Nacht werde ich nie vergessen |
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Dr. med. Dorothea Woiczechowski aus der Oberpfalz entschloss sich im Ruhestand zum Auslandseinsatz. Die Kinderärztin machte 2002 mit 62 Jahren ihre Praxis zu und ist seither etwa einmal jährlich sechs Wochen für „Ärzte für die Dritte Welt“ im Einsatz - wie ihre Kollegen unentgeltlich mit Eigenbeteiligung. „Ehrensache“, kommentiert die fröhliche Tirschenreutherin. Inzwischen war sie sechsmal in Nairobi. Wie für viele andere war ihr erster Einsatz aber auf den Philippinen im Bergland Mindanaos. Hier hat die Organisation Armenhospitale gegründet und von hier starten im Sechswochenrhythmus versetzt die „Rolling Clinics" in das umliegende Bergland: die einzige medizinische Betreuung für die vielen Menschen, die nicht zur Klinik kommen können, weil sie kein Fahrzeug haben, weil der Weg zu weit ist, weil sie nicht laufen oder die Familie nicht allein lassen können. Jede Tour dauert rund 10 Tage - wenn nichts dazwischen kommt. Per Wasserbüffeln zum Einsatz
Der große Jeep der „Rolling Clinic“ ist voll beladen mit Kühlboxen für Impfstoffe und mit Aluminiumkästen für Medikamente, Verbandsmaterialien und chirurgische Instrumente. Dazwischen drängt sich das Team: - Ein einheimischer Fahrer, der gleichzeitig Helfer für alles ist und, sofern ein Zahnarzt die Tour begleitet, auch als zahnmedizinischer Assistent zur Hand geht.
- Zwei hervorragend ausgebildete einheimische „Nurses“, mindestens eine als Übersetzerin und Hilfe für den „Doc“, die andere für die Medikamentenabgabe und Impfungen zuständig.
- Und ein oder zwei „doctors" - wie Dorothea Woiczechowski.
Der Jeep startet früh morgens in Cagayan de Oro, Sitz des Armenhospitals und des deutschen Koordinators der Einsätze. Geplant ist eine Tour von zehn Tagen für zehn ausgewählte Bergdörfer. Wie lange die Tour aber wirklich dauert, hängt von den Wegverhältnissen und von dem Wetter ab. Denn so wunderschön ursprünglich die tropische Landschaft dort ist, so schlecht ist auch die Infrastruktur.
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„Wir mussten viele unfreiwillige Stopps machen, weil der Weg abgesackt war," erinnert sich die rüstige Ärztin. „Die Wege sind generell unbefestigt und der Tropenregen wäscht ganze Teile oft einfach weg. Dann mussten wir Holz zur Stabilisierung suchen oder zu Fuß im nächsten Dorf Hilfe holen, bevor es weiterging. Manche Dörfer sind generell nur zu Fuß erreichbar und wir luden alles, was wir benötigten, auf Wasserbüffel für den Transport. Einmal hat ein Tropenguss einen Fluss so ansteigen lassen, dass er gar nicht mehr passierbar war. Eine kleine Katastrophe für das nicht erreichte Dorf."
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Hier im Bergland lebt die Urbevölkerung der Philippinen, zurückgedrängt in kaum zu vermarktende Gebiete mit schlechter Verkehrsanbindung. Arm und kinderreich leben die Familien hier von ihrer Landwirtschaft. Mangelernährung ist ein großes Problem und wegen des schlechten Ernährungszustandes haben die Kinder, neben den üblichen Kinderkrankheiten, auch viele Infekte, Würmer und natürlich Tropenkrankheiten wie Malaria. Wo Ernährungsprogramme des Komitees Ärzte für die Dritte Welt laufen, bessert sich der Gesundheitszustand der Kinder drastisch. Schulungen zur Geburtenkontrolle stoßen dagegen weitestgehend auf Unverständnis. Und, wie in anderen Ländern der Dritten Welt, begegnen die „German Doctors" trotz allem Elend großer Freundlichkeit. „In einem Ort konnte ich kaum vom Auto weg, so dankbar streckten sich mir unzählige Hände entgegen." Manchmal arbeitet man bis in die Nacht hinein
„Auch die Arbeit hier ist oft durch Improvisation geprägt“, kommentiert Dorothea Woiczechowski die Frage nach eindrücklichen Erlebnissen. Oft ist eine Behandlung vor Ort kaum möglich, der Weg in die Klinik aber weit und schlecht, sodass der Krankentransport ein echtes Problem wird. Die Familien geben ihre Mitglieder ungern weg an den ‚unbekannten Ort im Tal’. Die Sprachbarriere tut ihr Übriges. Man muss dann auch einen ‚Watcher’ finden, ein Familienmitglied für die pflegerische Betreuung auf dem Transport und in der Klinik. Einmal musste ich einen Transport für ein schwer an Malaria erkranktes Kleinkind organisieren, vier Autostunden von der Klinik entfernt. An diesem Tag erreichte ich das Nachtlager nicht mehr. Dafür wurde ich freundlich neben einem Reissack gebettet, in dem Mäuse raschelten. Über mir war die Decke voller Glühwürmchen, fast wie ein Sternenhimmel. Diese Nacht werde ich nie vergessen - sie war auf ihre ganz besondere Weise wundervoll." Normal schlafen die Ärzte der „Rolling Clinics“ am Einsatzort in einer „Townhall“, einer Schule, Kirche oder einer größeren Hütte, meistens gemeinsam am Boden in Schlafsäcken oder auf Pritschen, getrennt durch Moskitonetze. „Wenn man 100 bis 200 Patienten am Tag betreut hat, schläft man überall gut,“ so die Ärztin schmunzelnd. Gewaschen wird sich am Fluss oder an der Regentonne, als Toilette stehen so genannte „Comfort rooms“ zur Verfügung – mehr oder weniger gewöhnungsbedürftig.
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„Woran ich mich gut erinnere, ist das Essen", schließt Frau Woiczekowski. „Ich habe dort immer mit schlechtem Gewissen gegessen. Die Dorf-Frauen versorgen einen mit Reis, Gemüse und manchmal auch mit winzigen Hühnerstücken, Bananenblättern, Kokosmilch oder Süßkartoffeln. Dreimal täglich gab es Reis, auch morgens, und stets mit reichlich Ameisenzulage. Im Hintergrund warten dann die hungrigen Hüttenbewohner. Da geht jeder Bissen quer runter - so gut es gemeint ist."
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