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Diagnostik des Anstrengungsasthmas
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23. Mai 2006

Neben einer genauen Untersuchung der asthmatischen Lunge durch das Spirometer (Volumen-Zeit-Diagramm), durch regelmäßige Peak-Flow-Messungen ((Link zum Beitrag „Asthma“, Link „Patienten-Schulung“)) und durch Provokationstests auf spezielle allergische und nicht-allergische Auslöser hin, ist unter dem Aspekt der sportlichen Belastung vor allem der Laufbandtest von Interesse. Besonders Patienten, die über Kurzatmigkeit, Atemnot, Engegefühl in der Brust, Giemen, Husten und Brustschmerzen während oder nach einer körperlichen Belastung klagen, sind auf Anstrengungsasthma hin zu untersuchen.

Die wichtigsten Differentialdiagnosen, zumindest im Kindes- und Jugendalter, sind relativ zur Asthmahäufigkeit selten und zeigen meisten noch andere typische Symptome. Zu nennen sind hier die Mukoviszidose, das Emphysem, die chronische Bronchitis, Bronchiektasien, die Alveolitis, Lungenfibrosen und auch Herzkrankheiten.

Der Laufbandtest
Die Laufbandergometrie entspricht einem Provokationstest. Die körperliche Belastung ist der Auslöser des akuten Asthmaanfalls. Zahlreiche internationale Studien haben dazu geführt, dass hierfür Standards definiert wurden, die eine sichere Testanordnung und hohe Aussagekraft erlauben. Die Test mit dem Laufband und die zuvor und hinterher durchgeführten Lungenfunktionskontrollen sind dabei der Maßstab.

Fahrradergometrie ist wegen der zu geringen Belastung als Test nicht geeignet. Deshalb sollte die Belastung auf dem Laufband auch nicht als Stufenprogramm, sondern unbedingt als Einstufentest durchgeführt werden. Die Belastungsintensität liegt dabei mindestens im submaximalen Bereich, mit einer Herzfrequenz, die entsprechend bei 80-90 Prozent der maximalen aeroben Leistungsfähigkeit liegt und in den ersten zwei Minuten erreicht und dann gehalten wird.

Dazu ist eine möglichst genaue Einschätzung des Trainingszustandes des Patienten hilfreich. Anhaltspunkte geben Belastungsintensitäten seines Alltags, Ruheherzfrequenz und sportliche Aktivitäten. Optimal ist natürlich eine aktuelle Leistungsdiagnostik, wie sie aber gewöhnlich nur bei Leistungssportlern vorliegt. Die Faustformel für die maximale Herzfrequenz Hfmax ist 220 minus Lebensalter.

Bei durchschnittlich trainierten Personen wird eine Laufbandneigung von 5 Prozent bei einer Bandgeschwindigkeit zwischen 8 und 10 km/Std. empfohlen. Schlechter trainierte Personen laufen bei etwa 9 Prozent Neigung und geringerer Bandgeschwindigkeit (5-7 km/Std.). Höhere Belastungen (höhere Geschwindigkeiten) können für trainierte Jugendliche nötig sein. Zur Sicherheit, kann sich der Patient beim Laufen am Gerät festhalten. Ein Aufstützen ist jedoch nicht erlaubt. Die übliche Belastungsdauer beträgt 6 Minuten, bei gut trainierten Sportlern 8 bis 10 Minuten.

Vorher und nachher Lungenfunktion messen
Lungenfunktionsmessungen erfolgen vor der Belastung und 2, 5, 10, 15 und 20 Minuten nach Belastungsende. Zu jedem Messpunkt wird eine Flussvolumenkurve registriert, 5 und10 Minuten nach Belastungsende auch eine bodyplethysmographische Messung durchgeführt. Hierfür sitzt der Patient in einer hermetisch verschlossenen Kammer und atmet in ein Mundstück. Das Gerät ermittelt aus Atemstromstärke und der Druckschwankung durch die Brustkastenbewegung exakt die Weite der Bronchien. Um Verfälschungen der Messergebnisse zu vermeiden, ist unbedingt ein beheizbarer Pneumotachograph erforderlich. Vor jeder Lungenfunktionsmessung wird das Atemgeräusch auskultiert und dokumentiert. Bei vermutetem schweren Anstrengungsasthma ist zusätzlich die kontinuierliche pulsoxymetrische Sauerstoffsättigungsmessung und -aufzeichnung empfehlenswert.

Fällt die Untersuchung positiv aus, das heißt entwickelt der Patient ein Anstrengungsasthma, muss eine Bronchospasmolyse mit einem inhalativen kurzwirksamen Betamimetikum erfolgen.
Bei starker Erschöpfung sowie bei subjektiver Atemnot des Patienten oder anderen objektiven Symptomen wie Giemen oder Husten, bei auffälliger Tachykardie oder Bradykardie ist der Test vorzeitig abzubrechen.

Auswertung



Aufgrund der Praktikabilität hat sich die spirometrische Bestimmung der Flussvolumenkurve durchgesetzt. 

Der Atemmessapparat (Spirometer) erstellt ein Volumenzeitdiagramm, das aufzeigt, wie viel Prozent seines Lungenvolumens der Patient in einer Sekunde ausatmen kann. Dies wird als Einsekundenkapazität (FEV1) bezeichnet und gibt Aufschluss über die Durchlässigkeit des Bronchialsystems. Der Patient atmet dazu zunächst maximal ein und presst danach so schnell er kann sein Lungenvolumen in den Messapparat (Tiffeneau-Manöver). 

Als Leitparameter für den Laufbandtest dient die Veränderung der Einsekundenkapazität (FEV1) gegenüber dem Ausgangswert. Dazu wird die Differenz des niedrigsten FEV1 (nach Belastung) zum Ausgangswert in Prozent nach der folgenden Formel berechnet: 


Der Test ist positiv, wenn die FEV1 um 15 Prozent oder mehr gegenüber dem Ausgangswert abfällt. 15-20 Prozent weniger werden als leichtes, 21-40 Prozent als mittelschweres und mehr als 40 Prozent weniger werden als schweres Anstrengungsasthma bezeichnet.

Wichtige Begleitmaßnahmen   

  • Der Laufbandtest soll eine aussagekräftige Bronchialreaktion auslösen, ohne dass die Untersuchung für den Patienten riskant oder schädlich wird. Dazu müssen die Rahmenbedingungen stimmen.
  • Vorab Anamnese mit allergologischer Vorgeschichte, mit kardialen und pulmonalen (Vor-)Erkrankungen, Bewegungsgewohnheiten und belastungsabhängigen Symptomen. Seit wann besteht das Asthma? Wie schwer? Welche Medikamente nimmt der Patient wie oft?
  • Vorab aktuelle und vollständige körperliche Untersuchung.
  • Patient bzw. Eltern müssen über Zweck und Ablauf der Untersuchung informiert sein (ggf. Einverständniserklärung).
  • Vorab komplette Lungenfunktionsdiagnostik einschließlich Bronchospasmolysetest; daraus ergeben sich auch die Bestwerte.
  • In den letzten 4 Stunden vor dem Test keine körperliche Belastung (Patient könnte in Refraktärphase sein).
  • Beim Test muss ein Arzt oder ein entsprechend qualifizierter Mitarbeiter anwesend sein, der sich mit dem Laufbandtest, mit der Lungenfunktionsmessung und mit entsprechenden Notfallmaßnahmen auskennt.
  • Notfallmedikamente, vor allem kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika müssen vorgehalten werden. Da nicht jedes schwere Anstrengungsasthma mit Dosieraerosol ausreichend reversibel ist, sollte auch ein Gerät vorhanden sein, mit dem Betamimetika hochdosiert inhaliert werden können (IPPB-Inhalation).
  • EKG-Monitoring empfohlen.
  • Kontraindikationen: akute respiratorische Infekte, Ruhedyspnoe, erhebliche vorbestehende Obstruktion (FEV1 unter 80 Prozent des Bestwertes).  

Welche Fragen kann der Test beurteilen?
Der Laufbandtest zeigt zunächst, ob überhaupt ein Asthma und ein Anstrengungsasthma vorliegen und wie der Schweregrad ist. Dabei muss bedacht werden, dass Klima und Temperatur einen großen Einfluss haben. So ist es möglich, dass ein Kind im Labor nicht reagiert, wohl aber beim Skilaufen oder auf dem Fußballplatz. Temperatur und Luftfeuchte sollte der Arzt beim Test daher dokumentieren. Der Laufbandtest kann auch definieren, welche Medikamente eine ausreichende Schutzwirkung für geplante Belastungsphasen erzielen, und er gibt Aufschluss über die Selbsteinschätzung des Patienten. Jungen unterschätzen die Bronchoobstruktion gerne, Mädchen überschätzen sie oft. Die Selbstwahrnehmung ist eine wichtige Information darüber, wie sich der Patient unter Belastung verhalten wird und ist damit wichtig für die Gestaltung der Sporttherapie. Nach Kenntnis der Flussvolumenkurve gelingt es den meisten besser, die aktuelle Weite ihrer Bronchien zu beurteilen.


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Adressen
Anstrengungsasthma: Viele Faktoren spielen zusammen
Asthma und Sport – Möglichkeiten und Grenzen
Diagnostik des Anstrengungsasthmas
Interview mit Dr. med. Josef Lecheler
Literatur
Medikamentöse Therapie
Sport als Therapie


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