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Anaphylaktischer Schock
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Der anaphylaktische Schock ist ein akuter Schockzustand, der durch eine schwere Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems ausgelöst wird.
Unbehandelt kann er für den Patienten innerhalb von weniger Minuten tödlich enden. "Der erste wesentliche Schritt bei der Behandlung des anaphylaktischen Schocks ist, als Arzt immer darauf gefasst zu sein", empfiehlt etwa Dr. med. Ursula Müller-Werdan, Notfallmedizinerin an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg in ihrem Artikel "Anaphylaxie und Allergie – Empfehlungen für die Notfalltherapie". Für Symptome dieser gefährlichen Überreaktion werden auch die Oberbegriffe "anaphylaktoide Reaktionen" oder "Anaphylaxie" (vom griechischen ana = fehlgeleitet und phylaxis = Schutz) benutzt.

Die klassische Anaphylaxie ist eine typische allergische Reaktion, die durch IgE-Antikörper vermittelt und durch den Kontakt mit einem Allergen verursacht wird. Allergiker haben deshalb ein deutlich erhöhtes Risiko, einen anaphylaktischen Schock zu erleiden. Typische Auslöser einer solchen Reaktion sind Antibiotika, Insekten- und Schlangengifte, Impfstoffe, Seren und Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln. Von dieser klassischen Immunreaktion lassen sich IgE-unabhängige Unverträglichkeitsreaktionen abgrenzen. Sie können auch ohne vorherige Sensibilisierung mit dem Allergen auftreten. Röntgenkontrastmittel, Salicylate und Opiate sind typische Auslöser einer solchen Reaktion. Wesentlich seltener sind idiopathische Anaphylaxien, für die keine Auslösefaktoren und Wirkmechanismen bekannt sind. Sie treten vor allem bei jungen Erwachsenen auf – nachts oder nach dem Essen.

Kreislauf und Atmung
Für die Behandlung spielt die Unterscheidung zwischen IgE-abhängigen oder unabhängigen Mechanismen aber keine Rolle, denn das Ergebnis ist bei beiden gleich: Zellen des Immunsystems – Mastzellen und Basophilen – schütten große Mengen von Botenstoffen wie beispielsweise Histamin, Prostaglandine oder Leukotriene aus. Als Folge erweitern sich die Gefäße und werden durchlässiger, der Blutdruck fällt ab und die Atemwege verengen sich. Als besonders gefährlich gilt die Entwicklung von Ödemen im Bereich der Atemwege. Denn diese können eine – unter Umständen notwendige – Intubation erschweren oder sogar verhindern.

Die Symptome können lokal begrenzt, einzeln oder kombiniert vorkommen; im schlimmsten Fall betreffen sie den ganzen Organismus. Schnelles Handeln ist notwendig. Oberste Priorität hat – neben der Behandlung eines drohenden Kreislaufschocks – die Sicherung der Atemwege.

Erste allgemeine Maßnahmen
Nach der Diagnose steht das Ausschalten des vermuteten Auslösers an erster Stelle – das Entfernen eines Insektenstachels etwa oder das Stoppen einer Infusion. Gegebenenfalls muss die Abschwemmung des Allergens durch die Unterbrechung des Blutstroms (mit Hilfe eines Tourniquets) verhindert werden. Unter bestimmten Umständen, beispielsweise bei einem Insektenstich, kann die subkutane Injektion von Adrenalin – in der Nähe der Einstichstelle – sinnvoll sein. Bei 25 Prozent der Patienten lässt sich allerdings kein Auslöser zuordnen.

Als Basismaßnahmen gelten schon im Stadium I das Legen eines venösen, möglichst großlumigen Zugangs und eine rasche Volumensubstitution. Außerdem ist bereits in diesem Stadium die Verabreichung von Sauerstoff über eine Maske empfehlenswert. Bei bedrohlicher Hypotension oder Hypoxie wird zusätzlich eine endotracheale Intubation und eine Beatmung mit 100 Prozent Sauerstoff und die Verabreichung von Katecholaminen notwendig. Ist ein Larynxödem vorhanden, und eine Intubation deswegen nicht mehr möglich, kann eine Koniotomie mit anschließender Beatmung lebensrettend sein.

Empfehlenswert ist eine Flachlagerung des Patienten und – wenn möglich – eine Trendelenburg-Lagerung; außer wenn ein Lungenödem vorliegt. Alle Patienten mit schweren Reaktionen müssen in eine Klinik eingewiesen und kontinuierlich beobachtet werden. Selbst dann, wenn sich die Symptome unter adäquater Behandlung rasch bessern, können sich innerhalb von zwölf Stunden nach dem Ereignis Spätreaktionen einstellen.

Für die Behandlung haben sich folgende Wirkstoffe bewährt:
  • Katecholamine: Adrenalin, Dopamin und Noradrenalin
  • Volumengabe durch Elektrolytlösungen, natürliche Kolloide und Plasmaersatzmittel
  • Histaminantagonisten
  • Glukokortikosteroide wie z.B. Methylprednisolon 
  • Kalzium
  • Theophyllin        

Häufigkeit
Die meisten anaphylaktoiden Reaktionen werden durch Proteine mit einem Molekulargewicht zwischen 10.000 und 70.000 Dalton ausgelöst. Auch bestimmte kleine Moleküle (Haptene) können nach Anlagerung an körpereigene Proteine als Allergen wirken; andere müssen dazu vorher erst in der Leber verarbeitet werden. Polysaccharide verursachen selten Anaphylaxien.

Die Häufigkeit schwerer allergischer Reaktionen lässt sich nur abschätzen. Man geht beispielsweise davon aus, dass 0,5 bis 5 Prozent der Bevölkerung schon einmal eine schwere allergische Reaktion auf einen Insektenstich gezeigt haben. Rund ein Prozent solcher Reaktionen können in eine lebensgefährliche Situation münden. Die Häufigkeit von Latex-Allergien nimmt zu. Schätzungsweise 7 bis 18 Prozent der Ärzte und des Pflegepersonals reagieren bereits allergisch auf den Inhaltstoff von Latex-Handschuhen und medizinischen Geräten wie beispielsweise spezielle Katheter. Auch Patienten sind gefährdet, besonders solche, die bereits mehrere Operationen hinter sich haben. Medikamenten-bedingte anaphylaktische Reaktionen treten nach Schätzungen bei einem von 2700 Krankenhaus-Patienten auf; Penicillin-abhängige Fälle bei einem von 10.000 Patienten. Bei Patienten mit Penicillinallergie werden auch Kreuzreaktionen gegen Cephalosporine beobachtet.


Updated: 12. Dezember 2003

Anaphylaktischer Schock
Autorin
Literatur
Mechanismen: IgE-abhängige und -unabhängige Reaktionen
Stadien der Anaphylaxie
Tabelle: Differentialindikation zur medikamentösen Akuttherapie


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