Dehydroepiandrosteron (DHEA) ist das Steroidhormon, das beim Menschen in der mit Abstand höchsten Konzentration vorliegt, dessen Sekretion jedoch während des Alterns um bis zu 95 Prozent abnimmt. Das in der Nebennierenrinde gebildete Hormon gilt seit langem in den USA als „Fountain of Youth“ (Jungbrunnen“ oder „Anti-Aging-Hormon“). Es fungiert wahrscheinlich vor allem als Vorläuferhormon für Androgene und Estrogene (bei Frauen mehr für Androgene, bei Männern mehr für Estrogene). Die Plasmawerte des Sulfates (DHEA-S) steigen ab der Pubertät rasch an und erreichen bei Männern und Frauen ein Maximum im Lebensalter um ca. 30 Jahre. Danach kommt es zu einem ständigen Abfall bei beiden Geschlechtern.
Als potentielle Effekte einer Substitution aufgrund erniedrigter DHEA-Spiegel werden genannt:
- Verbesserung des Befindens und der Sexualität
- Verbesserung kognitiver Funktionen
- Komplexe Wirkungen auf das Immunsystem
- Gewichtsreduktion
- Verbesserung der Glukosetoleranz
- Antiatherogene Wirkung
- Antitumorale Wirkung
- Lebensverlängernde Wirkung
- Androgenassoziierte Nebenwirkungen
Nachweislich positive Effekte hat die tägliche Substitution mit 50 mg DHEA bei Frauen mit Nebennierenrinden-Insuffizienz ergeben (Allolio, Arlt 1999). Die gleiche Würzburger Forschergruppe konnte bei Männern aufgrund einer mehrmonatigen DHEA-Substitution lediglich einen signifikanten Anstieg der Östrogene bei nahezu unveränderten Testosteronspiegeln feststellen.
Die Resultate weiter epidemiologischer und klinischer Studien haben bisher kein einheitliches Bild ergeben. Über die Langzeiteffekte einer DHEA-Substitution können derzeit noch keine eindeutigen Aussagen getroffen werden.
Über positive Erfahrungen bei Männern mit Adrenopause berichtete A. Römmler (2001). Bei diesen Patienten wurden aufgrund morgendlicher Gaben von 25 bis 100 (meist 50) mg DHEA normale Serumwerte (4.0 – 5,0 µg/ml DHEA-S) erzielt. Vor einer DHEA-Substitution ist nach Römmler eine Estrogenbestimmung unverzichtbar. Aufgrund individuell angepasster Substitution steigen die Estradiolspiegel meist in physiologische Bereiche an; Römmler und Mitarbeiter sahen bereits nach zwei- bis vierwöchiger DHEA-Anwendung typische Ausfallerscheinungen bei männlichen Patienten mit Adrenopause erheblich gebessert:
- Schwitzen beseitigt
- Depressivität verbessert
- Wohlbefinden verbessert
- Vitalität gesteigert
Nach vier und mehr Monaten zeigten sich weitere klinische Veränderungen:
- Haut glatter und fettiger
- Wachstum von Nägeln und Haaren verstärkt
- Muskulatur kräftiger, tonisiert
- Altersvisus rückläufig
- Stresstoleranz erhöht
- Infektanfälligkeit reduziert
Wesentliche akute Nebenwirkungen sind bei Verabreichung angemessener Tagesdosen nicht zu verzeichnen. Bei nicht adäquater DHEA-Dosis können verschiedene Nebenwirkungen auftreten; bei Männern und Frauen Müdigkeit, Ruhelosigkeit (nachts), Migräne, Akne und Hirsutismus, verstärkter Haarausfall und Odor. Bei Männern mit primär erhöhten Estrogenen kann es zu Hyperestrogenismus und Libido-Abfall (LH- und Testosteron-Suppression) kommen. Vorangehende und begleitende ärztliche Hormondiagnostik ist bei einer DHEA-Substitution unerlässlich.