Als umfassendstes und wirksamstes Verfahren, mit den langfristigsten und höchsten Abstinenzquoten, hat sich die Verhaltenstherapie etabliert – vor allem als Gruppenprogramm. Die Intensität der Intervention bestimmt den Erfolg. Kann der behandelnde Arzt hier keine qualifizierte Unterstützung bieten, ist die Überweisung an fachkundige Therapeuten zu empfehlen. Adressen sind z. B. beim Deutschen Krebsforschungszentrum zu erfahren. Für Patienten mit erhöhtem Risiko, etwa mit koronaren Herzerkrankungen, bei schwangeren Raucherinnen oder pulmonalen Erkrankungen, wo der Tabakentzug möglichst schnell umzusetzen ist, ist die psychotherapeutische Begleitung besonders wichtig.
Wichtige verhaltenstherapeutische Inhalte sind
- die Vermittlung spezifischer Kenntnisse,
- die Erarbeitung individueller Abstinenzziele,
- soziale Unterstützung durch die Gruppe bzw. durch externe Personen (Therapeuten) in Einzelbehandlungen,
- die Vermittlung von Fertigkeiten zur Veränderung von Rauchgewohnheiten,
- verschiedene Techniken zur Problemlösung (z. B. alternative Verhaltensweisen erlernen),
- die operante Verstärkung des Abstinenzerfolgs durch konsequente Belohnung,
- Rollenspiele und
- die theoretische Ausarbeitung von Lösungsstrategien zur Bewältigung rückfallgefährlicher Situationen.
Zur Auffrischung und Aufrechterhaltung der Therapieinhalte sind einzelne Sitzungen als Fortsetzung der Therapie auch nach Erreichen der Abstinenz sinnvoll. Der Schwerpunkt der Verhaltenstherapie ist die Überwindung der psychischen Abhängigkeit.
Hypnose, Akupunktur und Entspannung
Die Wirksamkeit von Hypnose, als bedeutsamste Suggestivtechnik oder Akupunktur zur Raucherentwöhnung konnte wissenschaftlich bislang nicht gesichert werden. Dennoch gibt es Stimmen, die beiden Verfahren in der Akutphase der Raucherentwöhnung positive Effekte zusprechen. In Verbindung mit psychologischen Behandlungen sollen sie Entzugssymptome unterdrücken helfen. Beide Verfahren bieten dem Raucher aber keine Möglichkeit, Krisen oder Versuchssituationen zu bewältigen, wodurch sie als alleinige Methode längerfristig gesehen ungeeignet sind.
Ebenso werden das Autogene Training und Muskelentspannungsübungen als Bausteine, zum Beispiel zur Überwindung von Stresssituationen, bei der Raucherentwöhnung eingesetzt. Für sich allein sind diese Methoden aber nicht ausreichend wirksam.
Medikamentöse Unterstützung
Zur Milderung der körperlichen Entzugssymptomatik hat sich die medikamentöse Unterstützung der Raucher während der Entwöhnung, bisher überwiegend in Form der Nikotinersatztherapie, als wirkungsvoll erwiesen. Das Rauchverlangen wird dadurch abgeschwächt, der Entwöhnungsprozess erleichtert und das Rückfallrisiko gesenkt. Die Nikotinersatztherapie empfiehlt sich vorübergehend, innerhalb der ersten Wochen der Abstinenz (mindestens aber acht Wochen lang) und begleitend zur psychotherapeutischen Intervention. Die Erfolgsaussichten eines Entzugs allein auf Basis einer Nikotinersatztherapie sind gering.
Die Durchführung einer Nikotinersatztherapie ist einfach und bei sachgemäßer Anwendung ungefährlich. Kontraindiziert ist sie jedoch
- bei einer instabilen Angina Pectoris,
- nach einem vor kurzem aufgetretenen Schlaganfall oder Herzinfarkt,
- bei schwere Herzrhythmusstörungen.
Besonderer Abwägung bedarf der medikamentöse Nikotinersatz
- bei Magen-Darm-Erkrankungen, wie Magenschleimhautentzündungen oder Magen-Darm-Geschwüren,
- bei stabiler Angina Pectoris oder
- bei anderen Erkrankungen der Herzkranzgefäße.
Psychiatrische Patienten bedürfen einer speziellen Unterstützung. Zum Beispiel wenn diese Patienten auf den Tabakkonsum kaum verzichten können, da er eine Art komorbide Störung einer Depression, einer Schizophrenie oder einer anderen Suchterkrankung darstellt. Bei solchen Patienten sollte die Medikation im Rahmen der Grunderkrankung überprüft und angepasst werden.
Allgemein ist die Verträglichkeit der Präparate gut. Sie sollten jedoch erst nach dem Rauchstopp eingesetzt werden. Bei sehr schwerer Tabakabhängigkeit allerdings ist das Ziel der Abstinenz oft nicht zu realisieren. Hier kann alternativ über eine „harm reduction“ im Sinne einer Reduktion des Tageskonsums mithilfe einer Nikotinsubstitution nachgedacht werden.
Zur Verfügung stehen Pflaster, Nasalspray, Kaugummi, Tabletten oder Inhaler. Die stärkste Nikotinwirkung geht vom Nikotinnasalspray aus. Wegen der starken lokalen Reizwirkung kann dieser Substitutionsweg aber, wenn überhaupt, nur starken Rauchern empfohlen werden. Außerdem ist es nur über die internationale Apotheke zu beziehen, da es in Deutschland zwar zugelassen, aber nicht im Handel ist. Wegen der Aufrechterhaltung der süchtigen Verhaltenskomponente sind Spray, Inhaler und Tabletten außerdem aus suchttherapeutischer Sicht weniger zu empfehlen.
Besser sind Nikotinpflaster, die die Nikotinwirkung vom bisher üblichen Zufuhrverhalten entkoppeln. Die Pflaster in drei Stärken, jeweils als 16- und 24-Stunden-Pflaster, sind für Raucher mit mittlerem bis starkem Tabakkonsum geeignet. Alternativ oder ergänzend werden Nikotinkaugummis angewendet, wenn starkes Rauchverlangen oder andere Entzugssymptome auftreten. Sie eignen sich bei geringer bis mittlerer Abhängigkeit. Die Behandlung ist weniger effektiv als die anderen Applikationsformen, dafür aber gut verträglich.
Neben Nikotin ist in Deutschland auch Bupropion zur Behandlung von Entzugssymptomen während der Tabakentwöhnung zugelassen. Das Antidepressivum wirkt vermutlich über eine zerebrale Wideraufnahmehemmung von Noradrenalin und Dopamin. Obwohl die Wirkung mit der Nikotinersatztherapie vergleichbar ist, ist Bupropion aufgrund der Nebenwirkungen hier nicht unumstritten.
Erfolgsaussichten
Für die Effektivität der einzelnen Therapien zur Raucherentwöhnung gilt: Die Kombination macht´s. Der Spontanentschluss, das Rauchen aufzugeben, führt nur bei ein bis fünf Prozent der Raucher zur längerfristigen Abstinenz (nach 12 Monaten). Die ärztliche Beratung kann immerhin bei fünf Prozent der Tabakkonsumenten erfolgreich sein und die alleinige therapeutische Gabe von Nikotin zur Milderung der Entzugserscheinungen erzielt Erfolgsraten von 10 bis 15 Prozent. Die verhaltentherapeutische Gruppenbehandlung ist bei bis zu 25 Prozent der Raucher wirksam. Die Kombination aus medikamentöser, psychotherapeutischer und ärztlich begleitender Intervention aber schließlich bringt bis zu 35 von 100 Rauchern von der Zigarette weg. Die Erfolgsaussichten einer Raucherentwöhnung werden durch die parallele medikamentöse Unterstützung dabei nahezu verdoppelt.