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Arbeitsschwerpunkte der WHC
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07. April 2004
Zu den großen Themen der WHC gehören die verbesserte Früherkennung und Versorgung von Brustkrebs und Osteoporose. Hier besteht weiterhin großer Handlungsbedarf, nicht nur bei der Qualitätssicherung von Diagnostik und Therapie, auch in puncto Öffentlichkeitsaufklärung. Daneben macht sich die Gesundheitsorganisation für die verbesserte Versorgung anderer, bei Frauen gehäuft auftretender oder vernachlässigter Krankheitsbilder stark. Hier sind vor allem Essstörungen, Herzinfarkt, Demenz und Depressionen zu nennen.

Osteoporose
Rund 80 Prozent der Osteoporosepatienten sind Frauen, vor allem aufgrund des abfallenden Östrogenspiegels mit Einsetzen der Wechseljahre. Nur bei der Hälfte der Betroffenen wird das Krankheitsbild erkannt, und obwohl die Osteoporose unbehandelt fortschreitend, schmerzhaft, behindernd und teuer ist und nicht selten zum frühzeitigen Tod führt, werden noch immer nur etwa 20 Prozent der Patienten entsprechend der neuesten Leitlinien der Wissenschaft behandelt. Die chronische Erkrankung stellt unter dem Gesichtspunkt der Krankheitsfolgen und der gesellschaftlichen und sozialmedizinischen Krankheitslast vor allem für Frauen ein Problem dar.

Die neuen Leitlinien der DVO aus dem Jahr 2003 sind sicherlich ein wichtiger Schritt in Richtung qualitätsgesicherter Früherkennung und Therapie der Osteoporose. Immerhin haben sich die Fachgesellschaften in der Diagnostik auf eine "Hochrisikostrategie" geeinigt. Davor wurde die Knochendichtemessung als wichtigstes Instrument zur Früherkennung nur bei einem bereits vorhandenen Bruch von der Kasse erstattet. Heute reicht einer von mehreren epidemiologisch relevanten Risikofaktoren, was die Früherkennung und Behandlung deutlich begünstigt. Als optimal kann beides deshalb noch nicht bezeichnet werden. Es ist eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Vor den DVO-Leitlinien gab es aber nicht einmal einheitliche Empfehlungen. Auch die Öffentlichkeitsaufklärung zum Präventionsverhalten wurde verbessert. In allen Punkten hat die WHC großen Einsatz gezeigt, bemüht sich um eine weitere Verbesserung und unterstützt die kürzlich entsprechend dem wissenschaftlichen Standard der ärztlichen Leitlinien herausgegebenen Patientenleitlinien.

Brustkrebs
Das erhöhte Krebsrisiko unter der Hormonersatztherapie, das durch die Anfang 2003 im Lancet veröffentlichte "One Million Women Studie" bestätigt wurde, war für die WHC Anlass, sich für eine entsprechende Patientenaufklärung stark zu machen. So fordert die Gesundheitsorganisation, dass Frauenärzte es als Verpflichtung ansehen, ihre Patientinnen über das Risiko unter der hormonellen Behandlung aufzuklären und im Berufsverband zu dem Problem klar Stellung zu nehmen. Die aktuelle Konsensusempfehlung zur Hormontherapie in den Wechseljahren ist auf der Homepage der WHC zu finden.

Mit besonderem Engagement aber widmet sich die WHC der Brustkrebsfrüherkennung. Hierzu laufen zahlreiche gesundheitspolitische Kampagnen sowie Initiativen zur Öffentlichkeitsaufklärung, die die Frauen entsprechenden Alters motivieren sollen, die Früherkennungsprogramme auch zu nutzen. Des Weiteren war die WHC federführend beim Modellprojekt "Brustgesundheit Hessen", der Susan G. Komen Breast Cancer Foundation e. V. Hier wurde das Konzept für eine umfangreiche Befragung symptomfreier und brustkrebsbetroffener Frauen und verschiedener Arztgruppen erstellt, dessen Ergebnisse Ende 2000 anlässlich des Senologiekongresses in Berlin vorgestellt wurden.

Depressionen
Depressionen treten vor allem im mittleren Lebensabschnitt häufig auf, zwischen 18 und 45 Jahren. Sie sind die Hauptursache für Suizide. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger davon betroffen als Männer. Die WHC macht sich für mehr Kompetenz im Hinblick auf Diagnose und Therapie der Erkrankung unter den Hausärzten stark und für eine verbesserte psychotherapeutische Versorgung. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Weiterbildung beim Arzt für Allgemeinmedizin für psychische Erkrankungen, aber auch die Entstigmatisierung der Erkrankung sowie ein Screening für Depressionen im Rahmen von Routineuntersuchungen bei älteren Menschen.

Demenz
Auch Demenz ist ein Thema, das Frauen besonders betrifft. Nicht nur, dass sie aufgrund der höheren Lebenserwartung ein höheres Risiko für die Krankheit tragen (das Risiko steigt von 5 Prozent in der 7. Lebensdekade auf über 30 Prozent in der 9. und 10. Dekade sprunghaft an), nahezu 80 Prozent der ambulanten Pflege wird von den Familien getragen, wobei fast ausnahmslos Frauen die Pflegenden sind.

Die WHC hält Unterstützungsmaßnahmen von Angehörigen hier dringend für erforderlich, versucht Präventionskonzepte zu evaluieren und umzusetzen und Selbsthilfeportale zu stärken. "Gerade im Bereich der Demenz", so die WHC, "müssen aber Leistungen aus GKV und Pflegeversicherung auch mehr in ihrer Wechselbeziehung gesehen werden. Über den Topfrand zu schauen, ist hier dringend notwenig."

Essstörungen
Das Geschlechterverhältnis bei Essstörungen liegt bei einem männlichen Betroffenen gegenüber zwölf Frauen. Die Rate der Neuerkrankungen hat sich dabei seit den 60er Jahren verdreifacht. Das mittlere Alter der Frauen (Mädchen) liegt bei 16 Jahren. Das ist um so tragischer, als dass Essstörungen zu den Erkrankungen mit der höchsten Mortalität zählen. Als Hauptursache werden psychosoziale Faktoren angesehen. Da Schlankheitsideale vorwiegend über die Presse und das Fernsehen vermittelt werden, fordert die WHC hier mehr Verantwortung, insbesondere unter dem Geschlechteraspekt. Außerdem muss die Problematik nach den Forderungen mehr in die Erziehung einfließen. Schulen und Eltern sind hier gleichermaßen gefordert. Schulungen zum Ernährungsverhalten sind nur ein Aspekt.

Herzinfarkt
Herzinfarkt galt lange als Männerdomäne. Nur langsam verschiebt sich das Bewusstsein. Auch Frauen sind gefährdet. Zwar bestreiten sie "nur" etwa ein Viertel aller Fälle, die medizinische Situation für sie erweist sich dafür als noch tragischer. Frauen erkranken im Durchschnitt etwas später als Männer und haben abweichende Symptome. Das Krankheitsbild wird häufig übersehen und die Patientinnen erhalten die intensivmedizinische Versorgung verspätet, oft zu spät. Die Letalität innerhalb der ersten 28 Tage ist für Frauen deutlich höher.

Ist der Infarkt überwunden, sieht es auch nicht besser aus: Frauen mit Herzinfarkt erhalten wesentlich weniger Bypassoperationen als männliche Betroffene, werden meistens mit älteren und preiswerteren Medikamenten behandelt, verlassen früher das Krankenhaus und nehmen – oft aus Rücksicht auf die Familie – weniger an Rehabilitationsmaßnahmen teil. Kurheilverfahren werden nicht berufstätigenden Frauen nicht selten verweigert.

Die WHC war aus diesem Grund nicht nur an der Umsetzung der "International Guidelines" zur verbesserten Behandlung des kardialen Notfalls und an der einheitlichen Rufnummer 112 für ganz Deutschland beteiligt, sie fordert weiterhin eine Verbesserung der Versorgungskette, vom Anruf in der Rettungsstelle bis zur Klinikaufnahme. Des Weiteren bemüht sie sich um mehr Aufklärung bezüglich der Risiken des Zigarettenkonsums, insbesondere an Schulen, aber auch um mehr Bewusstsein für die Symptome in der Öffentlichkeit. Bei Frauen sind als Begleitsymptome vor allem plötzliche Übelkeit mit Erbrechen zu nennen, sowie die Ausstrahlung der Schmerzsymptomatik in den Rücken.


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