Dr. med. Johannes Rubenbauer hat in Innsbruck und München Medizin studiert. Seit 1999 ist er aktiv am Notarztdienst der Stadt München beteiligt. Er ist seit 2004 Facharzt für Plastische Chirurgie. Er arbeitet seit 2006 als stellvertrender Oberarzt im Zentrum für Schwerbrandverletzte an der Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Hand- und Verbrennungschirurgie des Krankenhauses München-Bogenhausen. „Therapeutische Erfolge beeinflusst bereits der Ersthelfer“, so lautet die Überschrift eines Artikels, den Johannes Rubenbauer gemeinsam mit zwei weiteren Verbrennungs-Spezialisten in der Ausgabe 3/2007 Zeitschrift „hautnah dermatologie“ veröffentlicht hat.
Medicus
Wie sollte sich ein Ersthelfer bei einem Schwerbrandverletzten verhalten?
Dr. med. Rubenbauer
Der Ersthelfer sollte primär darauf bedacht sein, eine Eigengefährdung auszuschließen. Unter dieser Voraussetzung sollte er versuchen, den Patienten zu löschen. Dazu kann er benutzen, was er gerade zur Verfügung hat - Wasser, einen Feuerlöscher, eine Decke, oder er kann den Patienten am Boden wälzen. Wenn dies erfolgt ist, sollten die noch heißen Wunden so schnell wie möglich heruntergekühlt werden. Die Schädigung der Haut erfolgt durch die Hitzeeinwirkung, und diese muss so schnell wie möglich beseitigt werden. Dabei ist festzuhalten, dass der Ersthelfer eigentlich nichts falsch machen kann. Jede Maßnahme, die getroffen wird, bedeutet einen Gewinn für den Patienten. Das häufigste Problem besteht in zu ausgedehntem Kühlen, was schnell zu einer Unterkühlung des Patienten führt.
Medicus
Gibt es ausreichend Zentren für Brandverletzte?
Dr. med. Rubenbauer
Es gibt ausreichend Zentren für Schwerbrandverletzte in Deutschland, und diese sind auch sehr gut qualifiziert. In München haben wir beispielsweise acht Betten auf einer Verbrannten-Intensivstation und weitere 16 für Postintensiv- und leichter verbrannte Patienten. Eine Vermittlung von Schwerbrandverletztenbetten erfolgt primär über die regionalen Rettungsleitstellen.
Medicus
Wie häufig ist eine Eigenhauttransplantation erforderlich, und wann wird Spenderhaut gezüchtet und transplantiert?
Dr. med. Rubenbauer
Eine Eigenhauttransplantation ist bei allen tiefen Verbrennungen, also ab Grad 3 erforderlich. Bei tief zweitgradigen Verbrennungen wird mit kultivierten Spenderkeratinozyten behandelt; hier kommt das so genannte „Tissue Engineering“, also die Gewebezüchtung im Zellkulturlabor, zum Tragen. Vollwertige Haut kann derzeit aber noch nicht wie Fußballrasen gezüchtet werden. Bei schweren Entstellungen ist die Gesichtstransplantation, wie sie 2005 in Frankreich nach einem Hundebiss durchgeführt wurde, sicher eine Methode, die zukünftig in Frage kommt. Hier bestehen allerdings große Risiken im Bezug auf Immunsuppression und die Psyche des Patienten, so dass die Indikation sehr streng gestellt werden muss.
Medicus
Wie sollte eine optimale Narbenbehandlung aussehen?
Dr. med. Rubenbauer
Die Narbenbehandlung stützt sich heute hauptsächlich auf die Kompressionsbehandlung mit entsprechenden Bandagen, zusammen mit der Anwendung von eingearbeiteten Siliconplatten. Dazu gehört auch die kontinuierliche Narbenbehandlung mit rückfettenden Salben und Narbenmassagen. Diese können auch mit Unterdruck angewandt werden.