Mit zunehmendem Alter finden sich beim Mann hypogonadale Serumwerte von Testosteron (Gesamt-Testosteron <3,5 ng/ml bzw. <12nmol/l, freies Testosteron <2 – 10 pg/ml). Aufgrund der progressiven Abnahme weist bereits jeder zweite Mann im Alter von über 80 Jahren hypogonadale Testosteron-Serumspiegel auf. Durch die Abnahme von endogenem Testosteron wird nicht nur die Sexualfunktion beeinträchtigt, sondern auch eine Reihe weiterer wichtiger Funktionen wie Konzentrations- und Merkfähigkeit, Muskelkraft und Erythropoese. Das kardiovaskuläre Risiko steigt unter hypogonadalen Bedingungen ebenso an wie die Neigung zu Insulinresistenz (mit Ausprägung von Typ-2-Diabetes mellitus), zu Osteoporose und zur Ansammlung von viszeralem/abdominalem Fett.
Die Anhebung hypogonadaler Serumspiegel von Testosteron in den Normalbereich bringt nachweislich androgengesteuerte Parameter wieder in normale Bahnen: Libido und erektile Funktion, Antrieb, Stimmung und kognitive Fähigkeiten bessern sich; Muskelmasse, Knochendichte und allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit nehmen zu.
Aufgrund dieser Befunde werden seit längerer Zeit klinische Untersuchungen zur Testosteron-Substitution mit geeigneten Präparaten durchgeführt. Zur Verfügung stehen heute
- Perorale Kapseln (Testosteron-Undecanoat)
- Injektions-Depotpräparate (Testosteron-Enanthat)
- Transdermale Systeme (skrotale oder nicht skrotale Pflaster)
- Testosteron-Gel (zum Einreiben)
- Testosteron-Implantate
Therapieziel sind altersgemäße Serumwerte im physiologischen Bereich. Obligat ist eine begleitende Diagnostik mit Verlaufskontrollen über drei bis sechs Monate. Aus urologischer Sicht sind dreimonatlich eine rektale Untersuchung, PSA-Bestimmung und transrektale Sonographie zum Ausschluss der Manifestierung eines vorher nicht erkannten Prostatakarzinoms erforderlich.
Gegen eine Testosteronsubstitution ist ins Feld geführt worden, dass dadurch okkulte Prostatakarzinome im Wachstum beschleunigt würden. Es gibt jedoch keine Anzeichen dafür, dass durch ein Anheben hypogonadaler Testosteronspiegel in physiologische Bereiche das Karzinomrisiko erhöht wird.
Andererseits ist nach H.Porst heute bekannt, dass Prostatakarzinome gehäuft bei hypogonadalen Männern auftreten. 58 Prozent der über 60-jährigen Patienten mit Prostatakarzinom weisen hypogonadale Testosteron-Serumwerte auf, wie sich in der „Mannheimer Studie“ gezeigt hat.
Eine Testosteron-Substitution sollte nach heutiger Erkenntnis unterlassen werden, wenn beim Patienten ein erhöhter PSA-Wert vorliegt. Wenn während einer Substitution der PSA-Wert auf >2ng/ml ansteigt oder im Verlauf über zwei Jahre ein PSA-Anstieg über >0,75 ng/ml/Jahr beobachtet wird, sollte die Substitution eingestellt werden.