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 | Notfalltherapie bei Kindern | |
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| Jedes zehnte Kind hat Asthma |
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Die steigende Zahl asthmakranker Kinder geht wahrscheinlich vor allem auf die Zunahme der Allergien zurück. Über 50 Prozent der betroffenen Kinder sind Allergiker. Schadstoffbelastungen der Umwelt scheinen dabei weniger ein Rolle zu spielen. Übertriebene Hygiene im Säuglings- und Kindesalter aber zum Beispiel sorgt dafür, dass das immunologische Gleichgewicht der Kinder aus dem Gleichgewicht gerät. "Matschkinder", also solche, die im Kuhstall oder zumindest viel im Freien spielen, schulen ihr Immunsystem dagegen angemessen zu reagieren. Zigarettenrauch im Wohnbereich setzt den kindlichen Schleimhäuten ebenfalls nachweislich zu. Kinder von Rauchern erkranken deutlich häufiger an Bronchitis und Asthma.
Im Gegensatz zum Erwachsenenasthma ist kindliches Asthma sogar heilbar, wenn es sich bereits manifestiert hat. Trotzdem ist die Prophylaxe das oberste Ziel, und die umfasst, neben einer mindestens 6-monatigen Stillzeit,
- das Vermeiden von Zigarettenrauch im Wohnbereich der Kinder,
- entsprechend der hohen Rate allergischen Asthmas Allergenkarenz (regelmäßig feucht Staub wischen, abends gut lüften, Hausstaubmilben eliminieren, Schimmelpilzprophylaxe durch trockene Wohnungen, im Kinderzimmer auf textile Fenstervorhänge und Teppiche verzichten),
- für mittlere Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen sorgen,
- Nahrungsmittelallergene, allergieauslösende Pollen und Gräser meiden.
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| Im Ernstfall Ruhe bewahren |
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Kinder reagieren sensibel auf die Stimmung Erwachsener, besonders wenn sie Angst haben. Die Reaktion der Erwachsenen ist für sie in dem Moment die vorrangige Orientierung für den Ernst der Lage. Arzt, Eltern oder andere Erwachsene, die sich in der Gegenwart eines Kindes mit einem akuten Asthmaanfall befinden, müssen daher nach außen unbedingt Ruhe bewahren, damit sich die Angst des Kindes nicht verstärkt. Wie bei den Erwachsenen erleichtern die " Lippenbremse" und der " Kutschersitz" das kontrollierte Atmen. Beim ersten Asthmaanfall muss immer der Notarzt gerufen werden.
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| 1. Leichter bis mittelschwerer Asthmaanfall bei Kindern |
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Merkmale:- Normale Sprache
- Atemfrequenz kleiner 30 Atemzüge pro Minute
- Puls kleiner 140 Schläge pro Minute
- Peakflow mehr als 50 Prozent des individuellen Bestwertes
Können Eltern und Kind mit den Anfällen umgehen, kann die Behandlung zu Hause stattfinden.
Sofortmaßnahmen nach den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga e. V.:
- Kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum, zwei Hübe möglichst mit Inhalationshilfe. Falls erforderlich im Abstand von 10 Minuten wiederholen.
- Alternativ: Inhalation über einen Düsenvernebler mit 4-12 Tropfen eines Beta-2-Sympathomimetikums. Wiederholung alle 20 Minuten, abhängig vom klinischen Verlauf. Achtung! Hier kann es selten zu einer Zunahme der Obstruktion durch den Kaltluftreiz kommen.
- Die individuelle Dosierung des Beta-2-Sympathomimetikums richtet sich nach Symptomen wie Tremor, Unruhe, Puls und Palpitationen.
- Glukocorticoide wie z. B. 1-2 mg/kg KG Methylprednisolon oral oder i.v.
- Wässriges Theophyllin 5-6 mg/kg KG oral
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| 2. Schwerer Asthmaanfall bei Kindern |
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Merkmale:- Patient kurzatmig, kann kaum sprechen oder essen
- Atemfrequenz bei oder über 30 Atemzüge pro Minute
- Puls bei oder über 140 Schläge pro Minute
- Peakflow unter 50 Prozent des persönlichen Bestwertes
Sofortmaßnahmen: Für die Notwendigkeit einen Notarzt zu rufen bestehen bei Kindern grundsätzlich die gleichen Kriterien, wie bei Erwachsenen. Allerdings sollte bei Kindern noch mehr Vorsicht gelten. Besonders bei den ersten Asthmaanfällen ist immer ein Notarzt zu rufen.
Die medikamentöse Soforttherapie entspricht der von leichten bis mittelschweren Asthmaanfällen, nur dass
- Glukocorticoide wie z. B. 1-2 mg/kg KG Methylprednisolon oral oder i.v. verabreicht werden,
- Glukocorticoide wie z. B. 5-6mg Theophyllin/kg KG i.v. und
- Beta-2-Sympathomimetika wie z. B. 0,005 mg Terbutalin/kg (Betasympathomimetikum als Prodrug für längere Wirkdauer) subkutan injiziert werden.
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| 3. Sofortbehandlung von schweren Anfällen oder Status asthmaticus im Krankenhaus |
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- Dosierte Lippenbremse, Kutschersitz oder Packgriff zur Atmungserleichterung
- Inhalation von 2-8 Hüben eines Beta-2-Sympathomimetikums (Dosieraerosol), vorzugsweise mit Inhalationshilfe
- Alternativ: Inhalation über einen Düsenvernebler mit 4-12 Tropfen eines Beta-2-Sympathomimetikums. Wiederholung anfangs alle 20 Minuten, später alle 2-4 Stunden. Herzfrequenz 160-180/Minute tolerabel.
- SaO2-Überwachung
- Sauerstoffgabe, etwa 2 Liter über Nasensonde
- Glukocorticoide wie z. B. -2 mg/kg KG Methylprednisolon, später alle 6 Stunden zur Besserung
Bei unzureichendem Behandlungserfolg:- Initial zirka 5-6 mg/kg KG Theophyllin langsam i.v., Serumspiegel anfangs alle zwei Stunden bestimmen, angestrebtes Niveau zirka 15 mg/Liter. Bei fehlendem i.v.-Zugang: Theophyllin-Tropfen oder Brausetabletten oder i.v.-Theophyllin-Lösung oral (6-8 mg/kg KG) oder Klysma rektal (7,5-10 mg/kg KG)
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (50-70 ml/kg KG/Tag (Natrium, Kalium, Natriumbicarbonat nach Bedarf)
- Ambroxol 3-4 mal eine Ampulle pro Tag oder N-Acetylcystein 3 mal 0,5-1 Ampulle pro Tag oder Bromhexin 1-2 mal 0,5 Ampullen pro Tag
- Antibiotika bei Hinweis auf eine bakterielle Infektion bzw. pulmonale Infiltration
Zur weiteren Behandlung - Zusätzliche Inhalation mit Ipratropiumbromid 4 mal 20 Tropfen pro Tag oder Oxitropiumbromid 3 mal 12 Tropfen pro Tag
- Beta-"-Sympathomimetikum parenteral (z. B. Terbutalin s.c. 5-10 mg/kg KG oder Salbutamol i.v. initial 1 mg/kg KG innerhalb von 10 Minuten, Erhaltungsdosis zirka 5 mg/kg KG/Stunde
- Überwachung von Herzfrequenz, Blutdruck und arteriellen Blutgasen
Bei zunehmender respiratorischer Insuffizienz:- Adrenalin (1:1000) s.c. 0,1-0,5 mg/kg KG mehrmals im Abstand von zirka 15 Minuten ((Link Suprarenin))
- Alternativ Adrenalin (1:10 000) i.v. sehr langsam, 0,5-1 mg/kg KG/Minute; sorgfältige Überwachung!
- Bei zunehmender Erschöpfung und respiratorischer Insuffizienz Intubation, Beatmung, gründliche Bronchialtoilette
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