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Noch Skepsis und Zurückhaltung
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Gespräch mit Dr. med. Max Kaplan,
Vizepräsident der Bayerischen Ärztekammer.
Medicus: Fragen viele Ärzte bei der Kammer nach, um sich wegen eines Medizinischen Versorgungszentrums beraten zu lassen?

Dr. Kaplan: Momentan ist bei den Kollegen eine gewisse Verunsicherung vorhanden. In der gesundheitspolitischen Diskussion tauchen ständig neue Begriffe wie Integrierte Versorgung oder eben MVZ auf, die irritieren. Die wenigen Zentren, die sich bis jetzt etabliert haben, sind im Wesentlichen auch umgebildete Gemeinschaftspraxen, keine echten Neugründungen.

Medicus: Wo sehen Sie Unterschiede zu den bisherigen Kooperationsformen?

Dr. Kaplan: Vor allem die Möglichkeit, auch als angestellter Arzt im niedergelassenen Bereich tätig zu werden, erweitert tatsächlich das Spektrum der Arbeitsmöglichkeiten. Bisher spielte der angestellte Arzt in der ambulanten Versorgung keine große Rolle. Es gab für einen niedergelassenen Arzt nur drei Möglichkeiten, einen Arzt einzustellen: einen Assistenten, der sich in Weiterbildung befindet, einen Entlastungsassistenten, wenn man – beispielsweise wie ich –berufspolitisch tätig ist, oder einen Job-Sharing-Assistenten. Der Praxisinhaber kann aber sein Leistungsspektrum dadurch zukünftig nur bis zu 3 Prozent erweitern. Da eröffnen Medizinische Versorgungszentren in der Tat neue Chancen, in der ambulanten Patientenversorgung tätig zu sein, sogar in Teilzeit.

Medicus: Wie sehen Sie die durch das Gesundheitssystem-Modernisierungsgesetz (GMG) angestoßene Entwicklung, Medizinische Versorgungszentren zu bilden, für den Berufsstand?

Dr. Kaplan: Die Einzelpraxis wird sich immer schwerer tun, zum einen aus ökonomischen Gründen, zum anderen aus Gründen der Lebensqualität. Ein Hausarzt, der allein arbeitet, hat relativ wenig Lebensqualität. Kooperationen werden deshalb zunehmen – nicht immer zum Vorteil der Patienten. Die flächendeckende Versorgung der Patienten auf dem Land wird es in Zukunft wohl nicht mehr so geben; Praxen werden sich an Ober- und Mittelzentren konzentrieren. Der Patient wird längere Wege auf sich nehmen müssen, um zum nächsten Versorgungszentrum zu kommen.

Medicus: Werden die MVZ das traditionelle Arztbild verändern? Werden Ökonomisierung und aggressiverer Wettbewerb zunehmen?

Dr. Kaplan: Diese Gefahr besteht in der Tat. Der Arzt wird in Zukunft immer weniger frei sein von ökonomischen Zwängen, was ich sehr bedaure.

Medicus: Kann ein MVZ für sich werben?

Dr. Kaplan: Wir sehen da keinen Unterschied zu anderen Formen der Niederlassung, denn verantwortlich in dieser Hinsicht ist der ärztliche Leiter eines Versorgungszentrums. Selbst wenn die Gründer des MVZ Nichtmediziner sind, muss der ärztliche Leiter dafür Sorge tragen, dass die ärztliche Berufsordnung erfüllt wird. Grundsätzlich wurde das Werbeverbot für Heilberufe ja aber stark gelockert. Jeder darf sachlich sein Leistungsspektrum darstellen, wenn es keinen reißerischen Charakter hat.

Medicus: Was raten Sie einem Arzt, der sich mit dem Gedanken trägt, ein MVZ zu gründen?

Dr. Kaplan: Zunächst sollte sich der Kollege überlegen, mit welchen Fachrichtungen er sich zusammenschließen möchte. Welche Geräte können gemeinsam genutzt werden, wo liegen Einspareffekte, wo ergänzen sie sich gegenseitig?

Ein weiterer Gesichtspunkt ist der Standort: Gehen sie in die Räumlichkeiten eines Kollegen des künftigen MVZ oder suchen sie ganz neue Räume? Zu überlegen ist auch die Kooperation mit einem Krankenhaus. Diese sind häufig an der Gründung eines MVZ interessiert und vermieten Räume günstig. Es bringt durchaus Vorteile, auf die Infrastruktur des Krankenhauses zurückgreifen zu können, beispielsweise auf Operationsräume oder Einrichtungen, wie Endoskopie und Röntgen.

Medicus: Würden Sie einem Arzt, der am Anfang seines Berufsweges steht, nach einer Familienpause wieder einsteigt oder aus anderen Gründen vielleicht auch Teilzeit arbeiten möchte, raten, als angestellter Arzt in einem MVZ zu arbeiten?

Dr. Kaplan: Natürlich bieten da MVZ eine neue Möglichkeit. Doch im Grunde kommt es ganz persönlich auf den Menschen und seine Risikobereitschaft an. Wer sich voller Idealismus in den Arztberuf einbringen möchte und sagt, das ist meine Welt, das ist mein Leben – der sollte eher nicht in ein MVZ gehen. Ein Team hat vieles für sich, aber auch gegen sich. In einer großen Praxis, in einem Versorgungszentrum muss man sich immer untereinander abstimmen, in einer Einzelpraxis kann ich alles alleine entscheiden.

Medicus: Wie schätzen Sie die künftige Entwicklung ein?

Dr. Kaplan: Momentan herrschen noch Skepsis und Zurückhaltung, doch die Kooperationen werden kommen. Die zunehmende Technisierung der Medizin, der wirtschaftliche Druck, aber auch der Wunsch einer neuen Arztgeneration nach mehr Freizeit werden den Weg zu größeren medizinischen Zentren bahnen.


Updated: 11. Mai 2005

Autorin
Brücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
Die Freiberuflichkeit wahren
Die Partner müssen kooperationsfähig und kompromissbereit sein
Gründliche Information und Beratung im Vorfeld einer Gründung sind unabdingbar
Leistungserbringer im MVZ
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