Die
Präklampsie – auch schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck genannt – tritt in etwa vier Prozent aller Schwangerschaften auf und ist eine der Hauptursachen für mütterliche und fetale Morbidität und Mortalität. Die zugrunde liegenden Ursachen sind ungeklärt. Zur Früherkennung existiert nach wie vor kein Standard. Einige Forscher postulieren
Fibronectin als Marker – bisher fehlen aber eindeutige Daten.
Die Symptome machen sich durch Blutdruckerhöhung, Proteinurie, Ödeme trotz Bettruhe und starke Gewichtszunahmen (600 bis mehr als 1000 Gramm pro Woche) bemerkbar. In schweren Fällen können die Betroffenen zusätzlich unter Lungenödemen, Zyanose, Kopfschmerzen, Augenflimmern, Erbrechen oder Schmerzen im rechten Oberbauch leiden.
Die Symptome entstehen – so die Vorstellung – durch einen allgemeinen Arteriolenspasmus, der zu einer verschlechterten Durchblutung in Leber, Gehirn, Niere, Retina, Gebärmutter und Plazenta führt und eine Funktionsstörung dieser Organe bewirkt. „Von einer Präklampsie sind vor allem Erstgebärende betroffen“, so Prof. Knitza. Lange Zeit ging man davon aus, dass die Krankheit nach der Geburt des Kindes ohne weitere Auswirkungen verschwindet. Studien zeigen aber, dass Präklampsie auch Spätfolgen hat: Betroffene Frauen tragen demnach ein doppelt so hohes Risiko, später an einer Herzkreislauferkrankung zu sterben.
„Eine frühzeitige Behandlung der Präklampsie-Symptome – vor allem des Bluthochdrucks – ist notwendig, um eine Eskalation zum eklamptischen Anfall zu verhindern“, sagt Prof. Knitza. Eine von 2000 bis 3500 Schwangeren entwickelt eine
Eklampsie. Beim eklamptischen Anfall kommt es zu generalisierten tonisch-klonischen Krämpfen. Als Ursache wird eine Verengung von Gehirngefäßen vermutet. Warnzeichen können beispielsweise Kopfschmerzen, Augenflimmern, Sehstörungen, Ohrensausen, Übelkeit, Erbrechen und motorische Unruhe sein. Nach einem eklamptischen Anfall steigt die Müttersterblichkeit auf rund fünf Prozent. Nach mehr als fünf Anfällen sogar auf etwa 40 Prozent. Durchschnittlich liegt die Müttersterblichkeit in Deutschland bei etwa 1:4000.
Eine besondere Form der Präklampsie ist das
HELLP-Syndrom. „Bis zu zehn Prozent aller Patientinnen mit Präklampsie entwickeln ein HELLP-Syndrom“, so Prof. Knitza. Dabei kommt es neben dem typischen hohen Blutdruckwerten zu Hämolyse, erhöhten Leberwerten, verminderter Thrombozytenzahl und Schmerzen im rechten Oberbauch. Bei zehn bis 20 Prozent der Betroffenen fehlt allerdings der für Präklampsie typische Hochdruck. Die Ursachen sind unbekannt. Die Symptome lassen sich durch eine Verringerung der Durchblutung und eine Störung der Blutgerinnungsaktivierung erklären.
Spezielle Risikofaktoren für das HELLP-Syndrom, etwa im Lebensstil der Mutter, sind nicht bekannt. Im Durchschnitt sind die Betroffenen 25 Jahre alt, der Anteil der Erstgebärenden liegt – je nach Literatur – zwischen 52 und 81 Prozent. Meist tauchen die Beschwerden in der 34. Schwangerschaftswoche auf, bei zehn bis 30 Prozent allerdings erst innerhalb der ersten sechs Tage im Wochenbett. Die Neugeborenensterblichkeit ist beim Auftreten des HELLP-Syndroms auf mehr als 50 Prozent erhöht. Im Durchschnitt liegt die Säuglingssterblichkeit in Deutschland bei 4,4:1000.