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Flugreisetauglichkeit: Wer darf fliegen?
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Die Frage nach der Flugreisetauglichkeit stellt sich zum einen, wenn ein Patient trotz bestehender Erkrankung Urlaub machen möchte, zum anderen, wenn es um die Repatriierung im Urlaub erkrankter oder verletzter Patienten geht – etwa um eine Behandlung zu Hause fortsetzen zu können.

Rücktransport von im Urlaub Erkrankter
Grundsätzlich gilt es, eine Verschlechterung der Vorerkrankung aufgrund der Flugreise zu verhindern. Außerdem sollten Mitreisende und Flugpersonal keinem Infektionsrisiko ausgesetzt werden. Für den Rücktransport kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Wenn der Patient mit aufrechter Rückenlehne sitzen und selbstständig aufstehen, zur Toilette gehen, essen und trinken kann, ist es möglich, einen üblichen Passagiersitz im Linienflugzeug zu nutzen. Ansonsten stehen dort entweder ein Stretcher oder ein „Patient Transport Compartment“ (PTC) zur Verfügung. Ein Stretcher ist eine Krankentrage mit Sichtschutz, die mit einer Vakuummatratze und Sauerstoffversorgung kombiniert werden kann. Das PTC ist ein eigenes Abteil mit intensivmedizinischer Geräteausstattung und eigener Strom-, Wasser- und Sauerstoffversorgung. Daneben kann auch ein Ambulanzflugzeug einer Rettungsflugorganisation für den Rücktransport angefordert werden.

Reise bei bestehender Vorerkrankung
Wer ohne fremde Hilfe ein Flugzeug zu Fuß besteigen kann, ist normalerweise auch flugtauglich. Besonderheiten gelten aber für Patienten mit Vorerkrankungen. Der abnehmende Umgebungsdruck in der Flugzeugkabine bedingt eine Verringerung des Sauerstoffpartialdrucks um etwa 25 Prozent. Bei gesunden Reisenden sinkt dadurch die Sauerstoffsättigung von 97 auf 90 Prozent. Patienten mit Ventilationsstörungen, gestörtem Sauerstofftransfer oder Anämien können durch die Verminderung des Sauerstoffpartialdrucks hypoxisch werden. Durch die Hypoxie kommt es außerdem zu einer Druckerhöhung in der Lungenstrombahn, was für Patienten mit pulmonaler Hypertonie oder Herzinsuffizienz zum Problem werden kann. Als Mindestvoraussetzung bei kardiopulmonalen Vorerkrankungen gelten:
  • SO2 von 85 Prozent 
  • PO2 von 70 mmHg 
  • VK von 3l 
  • FEV1 von 70 Prozent.   
Bei niedrigeren Werten muss während des Fluges Sauerstoff verabreicht werden.

Die letztendliche Entscheidung über die Flugreisetauglichkeit trifft der Medizinische Dienst der jeweiligen Fluggesellschaft. Das Reisebüro fordert die dazu nötigen medizinischen Informationen mittels des international einheitlichen MEDA-Formulars vom behandelnden Arzt an. Bei chronischen Erkrankungen oder Behinderungen und häufigen Flugreisen kann das FREMEC-Formular (Frequent Traveller´s Medical Card) beantragt werden, das während seines Gültigkeitszeitraums die Reisetauglichkeit für alle Flüge bescheinigt und nur bei der Buchung vorgelegt werden muss.

Grundsätzlich nicht flugreisefähig sind beispielsweise Patienten mit:
  • Anämien (Hb unter 9-10) 
  • Allgemeinen Infektionskrankheiten im akuten Stadium 
  • Sinusitis und Otitis media im akuten Stadium 
  • Offener Tuberkulose 
  • Instabiler Angina pectoris 
  • Herzinsuffizienz (dekompensiert) 
  • AV-Block (ab Grad III) 
  • Bradykarder Rhythmusstörung (mit Synkopen) 
  • Malignen Arrhythmien 
  • Arteriellem Hypertonus (RR über 200/120 mm Hg) 
  • Akuten Beinvenenthrombosen 
  • Periphere AVK im Stadium III 
  • Aneurysma dissecans Aorta ascendens 
  • Vaskulitis (akuter Schub) 
  • Illeus 
  • Apoplektischem Insult (rezidivierend) 
  • Psychosen, Neurosen (wenn Entäußerungen nicht auszuschließen) 
  • hirnorganischem Psychosyndrom (bei Agitiertheit) 
  • Netzhautablösung (frisch) 
  • Nephrolithiasis, Blasensteine, Cholecystolithiasis
    (im akuten Stadium) 
  • Risikoschwangerschaft und habitueller Abortneigung
    (während Schwangerschaften bei komplikationslosem Verlauf bis zur 36., ansonsten bis zur 32. Woche).   
Quelle:
Dr. J. Siedenburg,
„Herr Doktor, darf ich fliegen? – Aktuelle Empfehlungen zur Flugreisetauglichkeit“,
MMW, 19, 2001, S. 22 -28.


Updated: 02. August 2004

Adressen
Autorin
Die Aufgaben des Medizinischen Dienstes einer Fluggesellschaft
Flugreisetauglichkeit: Wer darf fliegen?
Literatur
Medizinische Notfälle im Flugzeug
Notfallausstattung an Bord von Linienflugzeugen
Reisevenenthrombose
Was hilft gegen Flugangst?


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