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Eigeneinrichtung der KV in Thüringen
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29. August 2006

"Wir wollen Ärzte nicht mit Geld anlocken, sondern die Startbedingungen für eine Niederlassung verbessern", sagt die Leiterin der Hauptabteilung Kassenärztliche Versorgung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, Barbara Klawonn. Deshalb gibt es in dem mitteldeutschen Bundesland keine finanzielle Förderung für niederlassungswillige Ärzte, sondern - einzigartig im Bundesgebiet - eine Praxis, die von der KV selbst betrieben wird.

In Ohrdruf südlich von Gotha war die Unterversorgung Anfang 2006 nach mehreren Praxisschließungen akut geworden: Für die 8000 Einwohner der Region blieb nur noch ein Arzt übrig (im Bundesdurchschnitt kommt ein Hausarzt auf 1548 Einwohner). Die KV mietete daraufhin selbst eine Praxis, sanierte sie, stattete sie neu aus und stellte eine Ärztin an. Deren Gehalt orientiert sich an einer vergleichbaren Tätigkeit in einer Klinik. "Wir übernehmen außerdem die Kosten für die Arzthelferin, die gesamte Ausstattung von der Software bis zum Toilettenpapier, und nicht zuletzt die Abrechnung", so Barbara Klawonn. Vorfinanziert haben die Investitionen die Kassen und die KV je zur Hälfte. 

Von den eingenommenen Honoraren werden zunächst die Kosten der Praxis bestritten. Bleibt ein Gewinn, so wird dieser zwischen den Kassen, der KV und der Ärztin gedrittelt; werden die Unkosten nicht gedeckt, tragen allein die Kassen und die KV den Verlust. Für die Ärztin besteht also nicht das wirtschaftliche Risiko, das sonst mit der Übernahme einer Praxis verbunden ist, und sie wird auch vom bürokratischen Aufwand entlastet. "Wir betrachten das als eine Art Niederlassungsschule für Ärzte, die noch nicht wissen, ob sie sich binden wollen: Sie lernen ohne Risiko, wie man eine Praxis führt und welche positiven und negativen Aspekte der Arbeitsalltag bereithält", sagt Barbara Klawonn. Als Dauerlösung ist die Eigeneinrichtung dennoch nicht gedacht: Die KV hofft, dass die "Schulpraxis" eines Tages übernommen wird. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn die Patienten nehmen die Einrichtung gut an. Und die Ärztin - selbst Thüringerin - ist inzwischen aus Ohrdruf nicht mehr wegzudenken.



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