Dr. Maximilian Gertler aus Berlin war 2006 drei Monate mit „Ärzte ohne Grenzen" (MSF) im Tschad. Wie auch in den Nuba-Bergen vom Sudan, waren bei dem Einsatz mit MSF ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Organisationstalent und Improvisationsvermögen gefragt:
Zwischen Faszination und Entsetzen
Dr. med. Maximilian Gertler wusste nicht genau, was er im Osttschad vorfinden würde. Die politische Situation war instabil. Es herrschte Bürgerkrieg. Vieles ließ sich erst im Team vor Ort ergründen. Der Berliner Arzt fand Menschen, die in Grashütten in der trockenheißen Buschsavanne campierten. Frauen, Kinder, Alte, mit nichts mehr als sie tragen konnten. Sie wurden in ihren Dörfern überfallen, vertrieben, beraubt, vergewaltigt, ermordet.
Andere Hilfsorganisationen waren wegen der instabilen Lage abgezogen. Hitze und Dreck erschwerten die Arbeit. Es herrschte Chaos.
Dennoch resümiert Gertler seine Arbeit im Tschad heute nicht als Schock sondern als „bereichernd". „Die Arbeit unter diesen Extrembedingungen gab mir das gute Gefühl das absolut Richtige zu tun und selbst darüber entscheiden zu können. Das war mir eine große Freude. Der unmittelbare und täglich sichtbare Effekt des eigenen Tuns hat die Strapazen nie zur Qual werden lassen. Man hilft und sieht Ergebnisse. Das tut gut und ist dort auch bitter nötig! Das Erleben der fremden Kultur und der großen Probleme der Menschen haben auch meine Wertschätzung von Gesundheit, Sicherheit und Solidarität wachsen lassen. Vielleicht habe ich für meine Facharztausbildung im Tschad nicht viel lernen können, motivierter und begeisterter von meinem Beruf als Arzt bin ich aber sicherlich."
Die Fäden selbst in der Hand
Was zunächst verunsichert, kann einem vor Ort das ungetrübte Gefühl geben, die Fäden seiner Arbeit selbst in der Hand zu halten. So auch bei Maximilian Gertler im Tschad. Morgens suchte er, nach zahlreichen Sicherheitschecks, Dörfer über sandige Pisten auf, von denen er gehört hatte, dass sie sich mehr oder weniger in Flüchtlingslager verwandelt hatten. Dort war dann die rasche Einrichtung einer mobilen Klinik gefragt. Die wichtigsten Krankheiten mussten zügig bekämpft werden, darunter vor allem Malaria, Durchfallerkrankungen und andere Infektionen. Durch den Bürgerkrieg kam akut die Versorgung von Verletzungen, speziell von Schusswunden hinzu.
Da die großen UN-Agenturen nur zögerlich halfen, mussten Gertler und sein Team (ein Projektkoordinator, zwei Krankenschwestern und ein Logistiker) auch Hilfsgüter verteilen und die Dörfer mit Frischwasser versorgen. Impfkampagnen halfen, die gesundheitliche Situation langfristig zu verbessern. Seine Französischkenntnisse kamen ihm zugute und auch sein tropenmedizinisches Diplom. „Aber", so der Berliner Allgemeinarzt, „man darf nach Afrika nicht mit zu vielen Erwartungen reisen. Es kommt immer anders, als man denkt."