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„Jeder, der wandern kann, kann das auch mit Schneeschuhen tun"
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10. Januar 2006
Dr. med. H. Lorenz, Orthopäde und Sportmediziner aus Rosenheim

Medicus:
Herr Dr. Lorenz, ist Schneeschuhwandern die Lösung für Wanderfreunde im Winter oder eher etwas für trainierte Alpinisten?

Dr. Lorenz:
Schneeschuhgehen kann in Gemütlichkeit und Stille, aber auch als Kraft zehrende und abenteuerliche Sportart betrieben werden. Die Möglichkeiten reichen vom Genusswandern in verschneiten Tälern, über den Zustieg für Snowboardfahrer abseits präparierter Pisten bis zu schwierigen Anstiegen für Winteralpinisten oder Laufwettkämpfen. Jeder kann das Schneeschuhwandern im Prinzip betreiben, wie er kann und möchte. 

Medicus: 
Wandern am Berg gilt als sehr gute Gesundheitsprophylaxe, auch im Alter. Wie sieht es mit Schneeschuhgehen aus?

Dr. Lorenz:
Schneeschuhwandern trainiert, wie auch Wandern, den ganzen Körper. Durch Stockeinsatz und Gehbewegung sind gut zwei Drittel aller Muskeln gefordert, besonders die Hüft- und Oberschenkelmuskulatur. Regelmäßige Muskelbeanspruchung wirkt sich wiederum günstig auf die Knochendichte und auf den Gesamtstoffwechsel aus, z.B. auf den Fettstoffwechsel und auf diabetische Leiden. Als Ausdauersport trainiert Schneeschuhgehen zusätzlich das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege. Und durch die Exposition an der frischen Luft und die intensivere Atmung unter der Anstrengung verbessert sich die Sauerstoffversorgung des Körpers, und die Bronchien werden gestärkt. Davon abgesehen hilft der entspannende Aspekt des Natursports natürlich, den Alltagsstress zu bewältigen.

Regelmäßiger Sport ist immer zu empfehlen. Eine kräftige Muskulatur beugt degenerativen Krankheiten des Bewegungsapparates vor und hat auch eine gewisse Schutzfunktion mit Blick auf Volksleiden, wie Adipositas, kardiovaskuläre Erkrankungen und das metabolische Syndrom. Ob Sie das durch Wandern, Krafttraining oder Radfahren erreichen, ist dabei aus medizinischer Sicht nicht so relevant. Regelmäßig muss es sein und je nach Geschmack und Vorerkrankung bietet die eine oder andere Sportart natürlich nur gewisse Vorteile.

Medicus:
Welche Vorteile bietet das Wandern im Schnee?

Dr. Lorenz:
Der Vorteil bei dieser Sportart ist, dass die Fettverbrennung relativ hoch ist, ohne dass man sich körperlich extrem verausgaben muss. Das heißt, das Herzkreislaufsystem wird nicht stark belastet, was beim Joggen eher der Fall ist. Außerdem ist Schneeschuhgehen sehr gelenkschonend. Auch Patienten mit kleineren Vorerkrankungen am Bewegungsapparat ist es so möglich, diese Sportart durchzuführen. Das Verletzungsrisiko geht im Vergleich zum Skifahren gegen null. Mit der richtigen Technik steht der Schneeschuh beim Gehen sehr stabil im Schnee. Stürze und Gelenk- oder Bänderverletzungen durch Umknicken sind daher wahrscheinlich sogar seltener als beim Joggen oder Walken auf vereisten Winterwegen. 

Medicus:
Gibt es Vorerkrankungen, mit denen Sie vom Schneeschuhwandern abraten würden?

Dr. Lorenz:
Wie für alle Sportarten gilt natürlich die Regel: keine körperliche Anstrengung bei akuten Infektionen, Fieber oder Entzündungen. Ansonsten ist der Sport wirklich für jeden geeignet. Natürlich sollte man bei extremer Kälte keinen Freiluftsport betreiben, da die Atemwege dadurch leicht angegriffen werden können. Vor allem Asthmatikern ist bei hohen Minusgraden abzuraten. Menschen mit peripheren Durchblutungskrankheiten z.B. sind dagegen nicht eingeschränkt. Wer schnell kalte Hände oder Füße bekommt, muss nur besonders auf eine gute Ausrüstung und genügend Aufwärmpausen achten, um Erfrierungen vorzubeugen. Auch mit Bluthochdruck gibt es medizinisch keinen Einwand gegen das Schneeschuhgehen; wobei sich solche Patienten ihrer Körperverfassung entsprechend verhalten müssen, das heißt, bei sehr hohem Blutdruck ist es nicht ratsam, sich total zu verausgaben.

Prinzipiell kommt der Sport jedem sehr entgegen, weil er sich im Beanspruchungsprofil so gut variieren lässt. Wer seine Möglichkeiten und Grenzen einzuschätzen weiß, kann mit einer entsprechend ausgerichteten Schneeschuhtour nicht viel falsch machen.


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Autorin
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