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Brücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
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Interview mit Universitätsprofessor Dr. Günter Neubauer,
Lehrstuhl für Volkswirtschaft mit Schwerpunkt „Gesundheitsökonomie“ der Universität der Bundeswehr in München.
Medicus: Der Gesetzgeber hat mit dem GKV-Modernisierungsgesetz einen Anreiz geschaffen, im Gesundheitswesen mehr Kooperationen zu schaffen, unter anderem die MVZ. Halten Sie das Kooperationsmodell für sinnvoll und effektiv?

Prof. Neubauer: Durchaus, Kooperationen sind heute unumgänglich und werden sich zunehmend durchsetzen. Medizinische Versorgungszentren werden sich dabei als Brücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung etablieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle im System Gewinner sein werden.

Medicus: Sie plädieren dafür, dass die Grenze zwischen stationärer und ambulanter Versorgung durchgängiger wird?

Prof. Neubauer: Es sollte überhaupt keine Grenze mehr geben!

Medicus: Arbeitet ein MVZ tatsächlich effizienter als ein Ärztehaus?

Prof. Neubauer: Betriebswirtschaftlich sehe ich kaum Unterschiede, die rechtlichen Rahmenbedingungen sind jedoch anders. Allerdings unterschätzen meines Erachtens viele Ärzte, wie wichtig ein professionelles Management einer größeren Praxis oder eines Zentrums ist. Ich sehe bei vielen Ärzten die Schwäche, das Management nicht als eigene Größe ihres Unternehmens zu begreifen.

Medicus: Ab welcher Größe sollte ein MVZ einen kaufmännischen Geschäftsführer einstellen, um effizient zu arbeiten?

Prof. Neubauer: Arbeiten mehr als fünfzehn Ärzte in einem Zentrum zusammen, halte ich es für dringend geraten, das Management einem Profi zu übertragen. Es sollte auch in einer Hand liegen. Ich halte nichts davon, dass jeder wie in einer Einzelpraxis seinen Bereich separat verwaltet. Das gilt auch schon für kleinere Zentren. Man muss dabei nicht unbedingt einen eigenen Geschäftsführer einsetzen; man kann diese Leistung auch gezielt in dem benötigten Umfang einkaufen.

Medicus: Was raten Sie einem Arzt, der sich mit dem Gedanken trägt, ein MVZ zu gründen?

Prof. Neubauer: Diese Überlegungen sind natürlich zunächst vom Alter und der bisherigen beruflichen Konstellation abhängig. Einem jüngeren Arzt würde ich sehr dazu raten, sich das Modell eines MVZ zu überlegen und zu prüfen, ob er als Miteigentümer auftreten kann. Daneben bietet sich jedoch auch die Möglichkeit, dort zunächst als angestellter Arzt zu beginnen. Bei der weiteren Planung sind die verschiedenen Facharztdisziplinen zu bedenken sowie geeignete Lokalitäten zu suchen.

Ich kann den Fachärzten nur raten, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und Versorgungszentren zu bilden, bevor es Kapitalinvestoren tun. Die derzeitigen Systemveränderungen sind nicht zum Vorteil der Fachärzte. Gerade für diese Arztgruppe ist die Einzelpraxis ein Auslaufmodell. Die Technologisierung der Medizin sowie eine immer weiter gehende Spezialisierung im Arztberuf erzwingen geradezu größere Einheiten. Für Hausärzte, deren Patientenversorgung stärker von der Kommunikation zwischen Arzt und Patient geprägt wird, ist die Situation etwas anders.

In den USA ist die Entwicklung zur Zentralisierung im Gesundheitswesen deutlich weiter fortgeschritten. Dort finden Sie das Fachärztehaus neben dem Krankenhaus, und es sind diese Fachärzte, die im Krankenhaus die Patientenversorgung vornehmen. In der Klinik arbeiten also deutlich weniger angestellte Fachärzte. Auch bei uns wird in Zukunft ein Krankenhaus mehr darüber definiert werden, welche diagnostische und therapeutische Infrastruktur es bereitstellt als über das Krankenhausbett. Gerade weil diese strikte Verknüpfung Klinik-Krankenbett an Bedeutung verlieren wird, sollte ein MVZ auch Zugang zu Krankenhausbetten haben. Das Ziel muss es sein, fachärztliche und stationäre Versorgung zusammenzuführen.

Medicus: Rechnen Sie damit, dass Medizinische Versorgungszentren eher von Krankenhäusern gegründet werden oder eher von niedergelassenen Ärzten?

Prof. Neubauer: Es spricht einiges dafür, dass Kliniken anstreben werden, in die Lücke zwischen stationärer und ambulanter Versorgung vorzustoßen und MVZ zu gründen. Viele Krankenhäuser haben bereits damit begonnen. Meines Erachtens vertun die Fachärzte derzeit eine Riesenchance, wenn sie nicht daran gehen, wenigstens einige der 500 bis 1000 kleinen unrentablen Krankenhäuser zu übernehmen und in Praxiskliniken oder ähnliche Modelle umzuwandeln. Ich rate deshalb den Fachärzten: „Drehen Sie den Spieß doch um! Gründen Sie mit Kollegen ein MVZ oder übernehmen Sie eine Klinik!“


Updated: 11. Mai 2005

Autorin
Brücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
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