Die Nutzbarkeit von Segeltörns auf Schiffen für pädagogische Zwecke ist seit Jahrzehnten bekannt. Am geläufigsten ist die Erlebnispädagogik für Jugendliche in so genannter "psychosozialer Notlage". Dabei handelt es sich typischerweise um Jugendliche, die durch Kriminalität, Ausreißertum, Gewalttätigkeit, Leistungsverweigerung oder ähnliche Verhaltensweisen auffällig geworden sind und durch andere Erziehungsmaßnahmen zuvor nicht zu beeinflussen waren.
Aber auch für unproblematische Jugendliche bietet Aufenthalt und Mitarbeit an Bord eines Schiffs eine zumindest interessante, vielleicht prägende Erfahrung.
Die Ursache für den pädagogischen Wert liegt in der speziellen Situation an Bord. Während der Fahrt leben die Mannschaftsmitglieder auf sehr engem Raum zusammen und müssen gemeinsam die anfallenden Aufgaben bewältigen. Rückzugsmöglichkeiten sind nicht oder allenfalls in Form einer engen Kajüte vorhanden. Jeder muss seine Rolle ausfüllen, sei es Wache oder Putzdienst. Auftretenden Konflikten kann man nicht ausweichen - das verhindert schon die räumliche Enge.
Den pädagogischen Wert dieser Situation und der daraus resultierenden Gruppendynamik sehen die damit befassten Pädagogen hauptsächlich in zwei Punkten:
- Jugendliche, die bisher Konflikten ausgewichen sind, müssen sich diesen nun stellen
- bei längeren Fahrten können Vertrauensverhältnisse zwischen den Jugendlichen und den Betreuern entstehen; Lernen durch Vorbild wird möglich.
Hinzu kommt die Isolation an Bord, die eine Kontaktaufahme mit dem möglicherweise gefährdenden Herkunftsmilieu verhindert. Ebenfalls wünschenswert sind die Erfolgserlebnisse für die Jugendlichen, denn um die meist älteren Schiffe in Fahrt zu halten, muss jeder mit anfassen. Die Beteiligten leisten etwas und sehen sofort den Erfolg.
Segeln als Erlebnispädagogik
Im Bereich die Erlebnispädagogik ist das Segeln die klassische Methode. So ging auch der heutige Bundesverband Erlebnispädagogik (www.bundesverband-erlebnispaedagogik.de) durch eine 1992 erfolgte Umbenennung aus dem 1987 gegründeten "Bundesverband Segeln - Pädagogik - Therapie e.V." hervor. Mitglieder dieses Bundesverbands sind zahlreiche Firmen und Vereine, Projekte, wissenschaftliche Einrichtungen und Einzelpersonen.
In der Öffentlichkeit ist diese Art von Pädagogik durch verschiedene Presseveröffentlichungen, in denen mutmaßlich feudale Kreuzfahrten für "schwer erziehbare Jugendliche" angeprangert werden, oft umstritten. Tatsächlich gilt es, diese Erziehungsmaßnahmen sachlich zu würdigen und nicht von Einzelfällen diskreditieren zu lassen.
Segeln als Freizeitgestaltung für die Jugend
Es gibt einige Betreiber größerer Segelschiffe, die vor allem Törns für Jugendliche anbieten. Dazu zählen die Deutsche Stiftung Sail Training (www.dsstalex.de) und der Verein Jugendsegeln (www.jugendsegeln.de). Der Verein Jugendsegeln hält zwei Oldtimer in Fahrt, während die Stiftung DSST die große Bark "Alexander von Humboldt" unterhält. Letztere wird gesponsert von einem Logistikdienstleister und einer namhaften deutschen Brauerei, die das Schiff zu den Klängen des Lieds "Sail away" gerne mal mit knallgrünen Segeln in TV-Werbespots über den Bildschirm kreuzen lässt. Beide Organisationen stellen ihre Schiffe Jugendlichen zu attraktiven Konditionen für längere Törns oder Tagesausflüge zur Verfügung.
Darüber hinaus bieten natürlich auch die vielen Segelvereine Jugendkurse an. Hierbei stehen aber keine besonderen Erlebnisangebote oder pädagogischen Konzepte im Vordergrund, sondern die Heranführung der Jugend an den Segelsport. Dabei werden kleine Jollen verwendet, die sich besonders für Kinder und Jugendliche eignen.