Für eine Neueinstellung sollte der Arzt gemeinsam mit seinem Praxisteam einen schriftlichen Gesprächsleitfaden erarbeiten, rät der Praxisberater Oliver Frielingsdorf aus Köln (www.frielingsdorf-consult.de). Auf diese Weise werde klar, welche Anforderungen besonders wichtig seien. Außerdem werde bei allen Bewerbern die gleiche Messlatte angelegt und die Vergleichbarkeit erleichtert. Unproduktive Plauderrunden würden so vermieden.
Neben der fachlichen Qualifikation sollte auch die persönliche Eignung eines Bewerbers stimmen. Schlüsselkriterien wie Team- und Konfliktfähigkeit, aber auch Lernbereitschaft oder Zuverlässigkeit können überprüft werden, indem die Bewerber mit konkreten Situationen konfrontiert werden, rät Frielingsdorf.
Gute Mitarbeiter müssen auch gut bezahlt werden. Abzuraten ist nach Überzeugung des Gesundheitsökonomen Prof. Gerhard F. Riegl aus Augsburg allerdings die Zahlung von Provisionen im Falle von IgeL-Leistungen. Mit Prämien, deren Höhe sich am IgeL-Verkaufserfolg orientiere, werde ein falscher Anreiz gesetzt.
Delegieren, aber richtig!
Was sollte der Arzt an die Mitarbeiter des Praxisteams delegieren, was sollte er selbst erledigen? Arzthelferinnen gelten rechtlich als Erfüllungsgehilfen: Sie handeln im Auftrag des Arztes und können nicht selbständig Entscheidungen über die Dringlichkeit und Notwendigkeit von Behandlungen treffen.
In Frage kommen für die Praxishelferinnen so genannte „delegationsfähige Leistungen“ und „grundsätzlich delegationsfähige Leistungen“. Die spezifische Qualifikation des Praxispersonals ist jeweils nachzuweisen. Zu den grundsätzlich delegationsfähigen Leistungen zählen z.B.:
- Laborleistungen mit Ausnahme des Speziallabors
- Physikalisch-medizinische Leistungen
- Ton- und Sprachaudiometrie
- Dauerkatheterwechsel
- Wechsel einfacher Verbände
Bekannt sind typische Delegationsfehler: Was nicht selbst erledigt oder korrekt delegiert wird, bleibt meist ungeregelt. Andererseits wird im Falle von „Überlappung“ eine bestimmte Angelegenheit ineffizienterweise von beiden – möglicherweise auch kontrovers – bearbeitet. Nach Rosemeier sollte der Arzt Fehler im Hinblick auf bestimmte Verhaltensweisen vermeiden:
- Direktivität: wo es unwichtig ist, sich durchzusetzen
- Argumentation: wo du nicht mehr überzeugen musst
- Metaphern: wenn sie allzu abgegriffen sind
- Ausdruck: wenn du sachlich wirken willst
- Verwechslung: zwischen Inhalt und Beziehung
- Kollusion: wenn du klar „nein“ sagen willst
- Unwahrheiten: wenn es ernst wird
- Entwertung: wenn du kritisieren willst
Der Umgang in der Praxis sollte auf verschiedenen Ebenen möglichst im gleichen Sinne wirken: nicht direktiv, sondern argumentativ und metaphorisch, stimmlich und mimisch adäquat. Moderat steuernd erreicht der Arzt mehr als mit Befehlston.