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| PADAM |
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Das so genannte partielle Androgendefizit des alternden Mannes (Partial Androgen Deficiency of the Aging Male = PADAM) beschreibt etwas genauer als frühere Bezeichnungen wie "Climacterium virile“ oder „Andropause“ den beim alternden Manne zu beobachtenden kontinuierlichen Abfall der endogenen Sexualhormone. Mit diesem Phänomen hat sich in den letzten Jahren vor allem die von dem israelischen Endokrinologen Bruno Lunenfeld gegründete „International Society for the Study of the Aging Male“ (ISSAM) befasst. Anders als bei den unmittelbar mit der Menopause der Frau einsetzenden hormonalen Veränderungen und der damit verbundenen klimakterischen Symptomatik kommt es beim Mann in individuell unterschiedlichem Maße zu einem schleichend-progressiven Abfall der endogenen Hormonproduktion. Es tritt keine rapide Abnahme der Leydig-Zell-Funktionen ein und auch keine Hemmung der reproduktiven Kapazität – selbst in hohem Alter bleibt die Zeugungsfähigkeit des Mannes meist erhalten. Klinisch bedeutsam sind Veränderungen im zirkadianen Rhythmus, die sich unter anderem in einer signifikanten Abnahme des morgendlichen Testosteronspiegels beim Älterwerden äußert. Als Konsequenz eines zunehmend hypogonadalen Zustandes kommt es beim älteren Mann zu einer Reihe von Ausfallerscheinungen: - Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft,
- Veränderungen im viszeralen Fettgewebe,
- abnehmende Libido oder Impotenz (erektile Dysfunktion),
- Abnahme an Lebensfreude,
- Abnahme von subjektivem Wohlbefinden,
- Osteoporose und Hautveränderungen.
Vorstellungen über einen Ausgleich hormonaler Mangelerscheinungen beim alternden Mann gehen zurzeit noch weit auseinander. Nutzen und Risiken verschiedener Formen der Hormonsubstitution sind wissenschaftlich noch nicht ausreichend in adäquaten großen Studien erforscht.
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| GSAAM |
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Die vor einigen Jahren gegründete Deutsche Gesellschaft für Anti-Aging Medizin, German Society of Anti-Aging Medicine (GSAAM) e.V., soll dem interdisziplinären Erfahrungsaustausch, der Wissensvermittlung und Fortbildung interessierter Ärzte und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen dienen. Seit dem Jahr 2001 veranstaltet die Gesellschaft jährlich einen wissenschaftlichen Kongress und bietet ergänzend verschiedene Fortbildungsveranstaltungen im Sinne einer Anti-Aging-Sprechstunde an.
Kontakt:
Geschäftsstelle der GSAAM e.V.
Josephspitalstr. 15
80331 München
Tel.: 089 / 743 578 90, Fax: 089 / 743 578 91
E-Mail: info@gsaam.de
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| Max-Planck-Forum |
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Die Max-Planck-Gesellschaft veranstaltete im Dezember 2001 gemeinsam mit der Schering Forschungsgesellschaft in Berlin ein Max-Planck-Forum zum Thema „Biomolecular Aspects of Aging –The Social and Ethical Implications“. Auf interdisziplinärer Grundlage wurden von Gerontologen, Biologen, Genetikern, Psychologen, Philosophen und Juristen aktuelle Aspekte des individuellen Alterns und der Überalterung der Bevölkerung in den Industriegesellschaften diskutiert.
Als Publikation ist ein lesenswerter kleiner Band der Max-Planck-Gesellschaft (ISSN 1438-8715) erschienen, herausgegeben vom
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Max-Planck-Gesellschaft
Postfach 10 10 62
80084 München
Tel.: 089 / 21 08-0
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| Wachstumshormon |
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Seit einigen Jahren wird der Einsatz von Wachstumshormon zur Substitution bei älteren Männern kontrovers diskutiert. Klinische Erfahrungen mit den vorliegenden Präparaten sind derzeit noch dürftig. Vorbehalte bestehen vor allem im Hinblick auf eine mögliche Stimulation okkulter Tumorzellen. Berichtet worden ist über gewisse Erfolge einer Behandlung mit täglichen Injektionen von Wachstumshormon bei älteren Männern im Hinblick auf Lebensqualität, körperliche Verfassung, Knochendichte, IGF-I- und Lipidspiegel. Ähnliche Resultate liegen mit einer Substitution von Testosteron vor, für die bereits mehrere Präparate mit unterschiedlichen Applikationsformen entwickelt worden sind.
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| DHEA |
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Dehydroepiandrosteron (DHEA) ist das Steroidhormon, das beim Menschen in der mit Abstand höchsten Konzentration vorliegt, dessen Sekretion jedoch während des Alterns um bis zu 95 Prozent abnimmt. Das in der Nebennierenrinde gebildete Hormon gilt seit langem in den USA als „Fountain of Youth“ (Jungbrunnen“ oder „Anti-Aging-Hormon“). Es fungiert wahrscheinlich vor allem als Vorläuferhormon für Androgene und Estrogene (bei Frauen mehr für Androgene, bei Männern mehr für Estrogene). Die Plasmawerte des Sulfates (DHEA-S) steigen ab der Pubertät rasch an und erreichen bei Männern und Frauen ein Maximum im Lebensalter um ca. 30 Jahre. Danach kommt es zu einem ständigen Abfall bei beiden Geschlechtern.
Als potentielle Effekte einer Substitution aufgrund erniedrigter DHEA-Spiegel werden genannt: - Verbesserung des Befindens und der Sexualität
- Verbesserung kognitiver Funktionen
- Komplexe Wirkungen auf das Immunsystem
- Gewichtsreduktion
- Verbesserung der Glukosetoleranz
- Antiatherogene Wirkung
- Antitumorale Wirkung
- Lebensverlängernde Wirkung
- Androgenassoziierte Nebenwirkungen
Nachweislich positive Effekte hat die tägliche Substitution mit 50 mg DHEA bei Frauen mit Nebennierenrinden-Insuffizienz ergeben (Allolio, Arlt 1999). Die gleiche Würzburger Forschergruppe konnte bei Männern aufgrund einer mehrmonatigen DHEA-Substitution lediglich einen signifikanten Anstieg der Östrogene bei nahezu unveränderten Testosteronspiegeln feststellen.
Die Resultate weiter epidemiologischer und klinischer Studien haben bisher kein einheitliches Bild ergeben. Über die Langzeiteffekte einer DHEA-Substitution können derzeit noch keine eindeutigen Aussagen getroffen werden.
Über positive Erfahrungen bei Männern mit Adrenopause berichtete A. Römmler (2001). Bei diesen Patienten wurden aufgrund morgendlicher Gaben von 25 bis 100 (meist 50) mg DHEA normale Serumwerte (4.0 – 5,0 µg/ml DHEA-S) erzielt. Vor einer DHEA-Substitution ist nach Römmler eine Estrogenbestimmung unverzichtbar. Aufgrund individuell angepasster Substitution steigen die Estradiolspiegel meist in physiologische Bereiche an; Römmler und Mitarbeiter sahen bereits nach zwei- bis vierwöchiger DHEA-Anwendung typische Ausfallerscheinungen bei männlichen Patienten mit Adrenopause erheblich gebessert: - Schwitzen beseitigt
- Depressivität verbessert
- Wohlbefinden verbessert
- Vitalität gesteigert
Nach vier und mehr Monaten zeigten sich weitere klinische Veränderungen: - Haut glatter und fettiger
- Wachstum von Nägeln und Haaren verstärkt
- Muskulatur kräftiger, tonisiert
- Altersvisus rückläufig
- Stresstoleranz erhöht
- Infektanfälligkeit reduziert
Wesentliche akute Nebenwirkungen sind bei Verabreichung angemessener Tagesdosen nicht zu verzeichnen. Bei nicht adäquater DHEA-Dosis können verschiedene Nebenwirkungen auftreten; bei Männern und Frauen Müdigkeit, Ruhelosigkeit (nachts), Migräne, Akne und Hirsutismus, verstärkter Haarausfall und Odor. Bei Männern mit primär erhöhten Estrogenen kann es zu Hyperestrogenismus und Libido-Abfall (LH- und Testosteron-Suppression) kommen. Vorangehende und begleitende ärztliche Hormondiagnostik ist bei einer DHEA-Substitution unerlässlich.
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| Melatonin |
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Das in der Zirbeldrüse aus dem Neurotransmitter Serotonin gebildete Hormon Melatonin gilt neben dem DHEA als Schlüsselsubstanz im Anti-Aging-Konzept. Eine Dauermedikation mit dieser in den USA seit langem als „Nahrungsergänzungsmittel“ angebotenen und auf breiter Basis konsumierten Hormonsubstanz ist jedoch umstritten. In Deutschland ist Melatonin vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nicht zugelassen, kann allerdings über internationale Apotheken bezogen und nach individueller Indikation ärztlich verordnet werden.
Für das bereits 1958 entdeckte Gewebshormon existieren heute eine Reihe widersprüchlicher Befunde. Es werden ihm eine Verlangsamung des Alterungsprozesses, eine präventive Wirkung gegen Karzinome und eine Steigerung der sexuellen Aktivität zugeschrieben. Angesichts seiner Rolle in der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus ist die vielfach beschriebene akute Wirkung von Melatonin zur Verminderung des so genannten Jetlags bei Langstreckenflügen in östlicher Richtung plausibel. Vielflieger geben positive Erfahrungen nach abendlicher Einnahme von 3 mg Melatonin an.
Die endogene Melatoninsekretion nimmt im Verlauf des Alters ebenso ab wie die Sekretion von Wachstumshormon und von Geschlechtshormonen. Die Abnahme steht anscheinend in Verbindung mit typischen Schlafstörungen: - Verspätetes Einsetzen der Tagesrhythmik von Melatonin führt zu Einschlafstörungen.
- Durchgehende Mindersekretion („Null-Rhythmus“) von Melatonin bei älteren Personen steht wahrscheinlich in Verbindung mit mehrfachem Aufwachen während der Nacht.
Auch eine Wechselwirkung mit einer Reihe weiterer Ausfallerscheinungen wird angenommen: - Stimmungsstörungen
- Verfall kognitiver Funktionen
- Zunahme von Schlafstörungen
- zunehmendes Auftreten benigner Prostatahypertrophie (BPH)
- anomale Regelung der Produktion von Blutplättchen
- reduzierte Immunantwort im Hinblick auf Karzinome
Die Melatoninforschung hat trotz jahrzehntelanger Bemühungen noch eine Reihe von Fragen offen gelassen, die valider wissenschaftlicher Beantwortung harren. Bekannt geworden sind eine Reihe von Nebenwirkungen einer Melatonin-Einnahme wie Hautrötungen, Darmspasmen, Durchfälle, migräneartiger Kopfschmerz und Gesichtsfeldausfälle.
Erkrankungen wie das Klinefelter- und das Turner-Syndrom können in Zusammenhang mit einer verminderten Melatoninproduktion stehen. Ebenso beeinträchtigt die Einnahme verschiedener Medikamente die Freisetzung und Rhythmik von Melatonin. Insbesondere die Anwendung von Benzodiazepinen, die häufig gegen Schlaflosigkeit erfolgt, kann den physiologischen nächtlichen Anstieg der Melatonin-Serumspiegel dämpfen.
Eine Langzeiteinnahme von Melatonin sollte nur bei erwiesenem Mangelzustand nach vorangegangener Diagnostik (Analyse einer nächtlich abgenommen Blutprobe) und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
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| Testosteron |
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Mit zunehmendem Alter finden sich beim Mann hypogonadale Serumwerte von Testosteron (Gesamt-Testosteron <3,5 ng/ml bzw. <12nmol/l, freies Testosteron <2 – 10 pg/ml). Aufgrund der progressiven Abnahme weist bereits jeder zweite Mann im Alter von über 80 Jahren hypogonadale Testosteron-Serumspiegel auf. Durch die Abnahme von endogenem Testosteron wird nicht nur die Sexualfunktion beeinträchtigt, sondern auch eine Reihe weiterer wichtiger Funktionen wie Konzentrations- und Merkfähigkeit, Muskelkraft und Erythropoese. Das kardiovaskuläre Risiko steigt unter hypogonadalen Bedingungen ebenso an wie die Neigung zu Insulinresistenz (mit Ausprägung von Typ-2-Diabetes mellitus), zu Osteoporose und zur Ansammlung von viszeralem/abdominalem Fett.
Die Anhebung hypogonadaler Serumspiegel von Testosteron in den Normalbereich bringt nachweislich androgengesteuerte Parameter wieder in normale Bahnen: Libido und erektile Funktion, Antrieb, Stimmung und kognitive Fähigkeiten bessern sich; Muskelmasse, Knochendichte und allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit nehmen zu.
Aufgrund dieser Befunde werden seit längerer Zeit klinische Untersuchungen zur Testosteron-Substitution mit geeigneten Präparaten durchgeführt. Zur Verfügung stehen heute - Perorale Kapseln (Testosteron-Undecanoat)
- Injektions-Depotpräparate (Testosteron-Enanthat)
- Transdermale Systeme (skrotale oder nicht skrotale Pflaster)
- Testosteron-Gel (zum Einreiben)
- Testosteron-Implantate
Therapieziel sind altersgemäße Serumwerte im physiologischen Bereich. Obligat ist eine begleitende Diagnostik mit Verlaufskontrollen über drei bis sechs Monate. Aus urologischer Sicht sind dreimonatlich eine rektale Untersuchung, PSA-Bestimmung und transrektale Sonographie zum Ausschluss der Manifestierung eines vorher nicht erkannten Prostatakarzinoms erforderlich.
Gegen eine Testosteronsubstitution ist ins Feld geführt worden, dass dadurch okkulte Prostatakarzinome im Wachstum beschleunigt würden. Es gibt jedoch keine Anzeichen dafür, dass durch ein Anheben hypogonadaler Testosteronspiegel in physiologische Bereiche das Karzinomrisiko erhöht wird.
Andererseits ist nach H.Porst heute bekannt, dass Prostatakarzinome gehäuft bei hypogonadalen Männern auftreten. 58 Prozent der über 60-jährigen Patienten mit Prostatakarzinom weisen hypogonadale Testosteron-Serumwerte auf, wie sich in der „Mannheimer Studie“ gezeigt hat.
Eine Testosteron-Substitution sollte nach heutiger Erkenntnis unterlassen werden, wenn beim Patienten ein erhöhter PSA-Wert vorliegt. Wenn während einer Substitution der PSA-Wert auf >2ng/ml ansteigt oder im Verlauf über zwei Jahre ein PSA-Anstieg über >0,75 ng/ml/Jahr beobachtet wird, sollte die Substitution eingestellt werden.
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| Ausdauer-Training |
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Durch Ausdauertraining kann alternsbedingten Verlusten der kardio-pulmonal-metabolischen Leistungsfähigkeit entgegengewirkt werden. Der Sportmediziner W. Hollmann konnte das z. B. eindrucksvoll zeigen bei der Untersuchung von 55- bis 70-jährigen Männern, die jahrzehntelang keinen Sport getrieben hatten. Es fand sich eine signifikante Verbesserung in allen gemessenen Körperfunktionen.
Zur praktischen Durchführung eines wirksamen Ausdauertrainings älterer Personen – ohne nennenswerte Einschränkungen in der Funktion des Halte- und Bewegungsapparates und ohne pathologische Befunde im kardiopulmonalen System – kann nach Hollmann eine Reihe von Ausdauersportarten empfohlen werden: - Wandern
- Schnelleres Gehen
- Betont langsamer Dauerlauf
- Bergwandern
- Radfahren
- Schwimmen
Für den entsprechend Geübten kommen auch langsamer Skilanglauf oder Skiwandern, Tennisspiel, Rudern und ähnliche Trainungsformen in Frage.
Optimale Ergebnisse sind durch die Kombination eines sinnvollen Ausdauer-Trainings mit einem geeigneten Kraft-Training zu erzielen. Beide Trainingsformen sind für den alternden Menschen wichtig, nicht zuletzt deshalb, weil sie das Selbstwertgefühl stärken und daher im psychischen Bereich auch antidepressive Effekte bewirken.
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| Kraft-Training |
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Eine gut erhaltene Skelettmuskulatur ist nach W. Hollmann nicht nur bedeutsam für die Funktion des Halte- und Bewegungsapparates aus orthopädischer Sicht. Bedeutsam sind vielmehr auch kardiopulmonale, neurologische und psychiatrische Aspekte. Nachweislich besteht ein intensiv funktionierendes Biofeedback-System zwischen dem Muskelstoffwechsel und bestimmten Gehirnregionen, insbesondere mit dem limbischen System.
So ist es denkbar, dass manche im Alter auftretenden depressiven Zustände auch mit ungenügender Stimulation seitens des Muskelstoffwechsels auf bestimmte Gehirnbereiche zurückzuführen sind. Dadurch können sich auch biochemische Konstellationen im limbischen System ändern (endogene Peptide, Opioide, Serotonin, Dopamin und andere). Motorische Antriebslosigkeit und depressive Einstellung dürften so eng miteinander zusammenhängen.
Mit einem geeigneten Kraft-Training ist es möglich, bei organisch gesunden Personen bis jenseits des 70. Lebensjahres alternsbedingten Kraftverlusten weitgehend entgegenzuwirken. Nach W. Hollmann scheint es ausreichend zu sein, die großen Skelettmuskelgruppen fünfmal täglich je fünf Sekunden lang mit einer Intensität von 70 Prozent der Maximalkraft statisch (isometrisch) zu belasten. Damit kann offenbar bei gesund bleibenden Personen dem alternsbedingten Muskelabbau hochintensiv entgegengewirkt werden.
Nur ein solches Kraft-Training ist in der Lage, alternsbedingte Verluste an Körperkraft und an Zellmasse zu stoppen. Außerdem besteht nachweislich eine präventive Wirkung gegen Prozesse wie die Osteoporose. Die positiven Wirkungen eines Ausdauer-Trainings können demnach wirkungsvoll durch ein Kraft-Training im Alter ergänzt werden.
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| Vitalitäts-Checks |
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Im Sinne vorbeugender Anti-Aging-Medizin werden heute zunehmend so genannte Vitalitäts-Checks angeboten. Die Bestimmung verschiedener Vitalitäts- und Altersparameter soll in diesem Sinne Voraussetzung für konkrete präventive und interventionelle Maßnahmen sein.
Mit steigendem Alter steigt auch das Risiko einer Reihe kardio-zerebro-vaskulärer Erkrankungen, von Typ-2-Diabetes, von Karzinomen, Osteoporose und Formen der Demenz. Vor diesem Hintergrund ergeben sich eine Reihe von Ansätzen einer Vitalitätsdiagnostik. In Frage kommen vor allem Messparameter für - die Körperkomposition (Body-Mass-Index, Taille- und Hüftumfang)
- die kardiovaskuläre Funktion
- das ZNS (Sensorik, Reaktionsgeschwindigkeit, Memory-Test etc.)
- Lunge, Knochen und Haut
Optional können außerdem verschiedene Laborparameter (Hormonanalytik, Risiko-Labor, Redox- und Immunstatus) bestimmt werden, neuerdings auch Parameter der Molekulargenetik.
Ein solcher Aufwand kann jedoch nicht routinemäßig getrieben werden. So sprechen nach A.S. Wolf eine Reihe gravierender Gründe gegen die Praktizierung einer breit gespannten Vitalitätsdiagnostik: - Für die Arztpraxis entstehen hohe Investitionskosten und ein zum Teil hoher personalintensiver Aufwand.
- Für Patienten bzw. Klienten ergeben sich ebenfalls hohe Kosten.
- Eine Therapie ohne manifeste Symptome bzw. Risiken ist oft nicht ratsam.
- Bei einigen angebotenen Systemen konfektionierter Vitalitätsdiagnostik fehlt die Fokussierung auf altersrelevante Probleme und es ergibt sich eine einseitige Akzentuierung von Befundmengen.
- Einige konfektionierte Vitalitäts-Mess-Systeme sind nicht oder nur unzureichend wissenschaftlich validiert.
Andererseits sprechen nach Wolf jedoch auch etliche Gründe für die Durchführung einer Vitalitätsdiagnostik: - Präventive und interventionelle Maßnahmen können dann nicht nur aufgrund subjektiv geäußerter Symptome eingeleitet werden. Sie lassen sich vielmehr auf der Basis exakter, weitgehend objektiver, gemessener und alterskorrelierter Befunde in Angriff nehmen.
- Die ausgewählten Parameter stellen im positiven Fall wissenschaftlich gesicherte „biologische Vitalitätsparameter und Altersindikatoren“ dar.
- Bei nachgewiesenen gesundheitlichen Risiken besteht die Möglichkeit der gezielten Prävention oder Risikointervention.
- Anhand der gewählten Parameter sollte auch ein exaktes Monitoring einer therapeutischen Intervention möglich sein.
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| Morbus Alzheimer |
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Die Grenzen aller Bemühungen, die Langlebigkeit des Menschen zu fördern, zeigt der rasante Anstieg der Inzidenz des M. Alzheimer mit steigendem Lebensalter. Nach einer neueren Studie haben von 17 Menschen, die mehr als 100 Jahre alt waren, 15 die Kriterien für die Diagnose eines M. Alzheimer erfüllt. Die übrig gebliebenen zwei Zentenarien konnten aus physischen Gründen nicht der diagnostischen Prozedur unterzogen werden.
Die heutige Datenlage signalisiert, dass bei jedem Fünften über 80 Jahre, bei jedem Zweiten über 95 Jahre und bei über 88 bis 100 Prozent der über Hundertjährigen eine Erkrankung an M. Alzheimer zu diagnostizieren ist. Mit der unaufhaltsam fortschreitenden Atrophie der Großhirnrinde, für die ein zunehmendes Auftreten von Amyloid-Plaques typisch ist, kommt es zu Denkstörungen und zu einem kontinuierlichen Verlust der Merkfähigkeit.
Eine wirksame Therapie gibt es bisher nicht; die Progression der Krankheit kann nur teilweise durch die Gabe z.B. von Estrogenen hinausgezögert werden. Interessant erscheint ein neuer Ansatz mit einer Impfung gegen die Amyloid-Plaques, der zunächst an Mäusen erprobt wurde. Bei jungen Mäusen konnte mittels Impfung prophylaktisch die Bildung von Amyloid-Plaques verhindert werden. Bei Mäusen mit bereits nachweisbaren Amyloid-Ablagerungen im Gehirn verschwanden die Plaques nach mehrfacher Impfung.
Nach Einschätzung des Heidelberger Molekularbiologen Prof. Konrad Beyreuther ist die Anwendung einer solchen Anti-Alzheimer-Impfung auch beim Menschen denkbar und Erfolg versprechend. Dies signalisieren zumindest erste in England durchgeführte klinische Versuche an einer kleinen Zahl von mild bis moderat erkrankten Alzheimer-Patienten. Es dürfte jedoch noch mehrere Jahre dauern, bis gezeigt werden kann, ob dieser vielversprechende neue Ansatz der Impfung sicher ist, ob die Ergebnisse der Tierexperimente auf den Menschen übertragbar sind und ob tatsächlich aufgrund gebildeter Eiweißverklumpungen die Probleme in den Gehirnen der Alzheimer-Patienten entstehen.
Prof. Beyreuther sieht demnach keinen Anlass zum therapeutischen Nihilismus beim Alzheimer-Patienten. Er prophezeit vielmehr:
„Für die Therapie der Zukunft stelle ich mir die Kombination der heute bereits möglichen Substitution von Neurotransmittern mit weiteren Medikamenten oder einer Impfung vor, die die Amyloidproduktion betreffen. Für Therapie und Prävention gleichermaßen geeignet wäre eine Kombination von spezifischer Diät mit einem Cholesterinsynthesehemmer, mit Estrogen oder Estrogenagonisten, Antioxidantien, Entzündungshemmern und Anti-Amyloid-Medikamenten bzw. mit einer Impfung. Welche Änderungen der Lebensgewohnheiten (Diät) und welche medikamentösen Strategien zum Einsatz kommen, hängt vom individuellen genetischen Profil ab, das zu bestimmen wäre.“
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| Estrogene |
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Die Substitution von Estrogenen bei der Frau nach dem Sistieren der endogenen Hormonproduktion nach der Menopause wird seit mehr als einem halben Jahrhundert praktiziert. Die Wirkungen sind bis heute unterschiedlich beurteilt worden. Ursprünglich als eine Art Panazee gegen das Altern von dem amerikanischen Gynäkologen Wilson propagiert, ist eine generelle Estrogen-Behandlung der Frauen im Klimakterium in den letzten Jahren wiederholt Gegenstand kritischer wissenschaftlicher und publizistischer Auseinandersetzungen gewesen.
Zur Substitution standen ursprünglich vor allem so genannte konjugierte Estrogene, gewonnen aus Stutenharn, zur Verfügung. Heute gelangt in erster Linie eine synthetische Form des humanen 17- b-Estradiols zum Einsatz in Form von Estradiolvalerat oder in Form von mikronisiertem Estradiol. Möglich ist eine orale, intramuskuläre oder transdermale (Pflaster, Gel) Applikation.
Unbestritten ist die Wirksamkeit gegen akute klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungslabilität, depressive Verstimmung, Schlafstörungen etc. bei der Frau in der Frühphase des Klimakteriums. Estradiol ist darüber hinaus präventiv, in geringerem Maße auch noch therapeutisch wirksam gegen das Auftreten von Osteoporose. Es bestehen zusätzliche Hinweise auf eine gewisse präventive Wirkung gegen die Demenz vom Alzheimer-Typ.
Inwieweit eine frühzeitige perimenopausale Anwendung auch gegen die Entstehung und Ausprägung von Herz-Kreislauf-Krankheiten wirksam ist, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Offenbar ist die Anwendung von Estrogenen in der Sekundärprävention bei älteren, nicht mehr herzgesunden Patientinnen sogar kontraproduktiv, wie in den letzten Jahren in amerikanischen epidemiologischen Studien (HERS- und WHI-Studie) gefunden wurde.
Bei intaktem Uterus ist die gleichzeitige Gabe von Gestagenen (Kombinationstherapie) obligat, um eine unerwünschte Proliferation des Endometriums (mit erhöhtem Risiko eines Endometriumkarzinoms) zu verhindern. Inwieweit Estrogene bzw. Gestagene das Risiko eines Mammakarzinoms erhöhen, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Bisher bestehen gewisse Hinweise aufgrund epidemiologischer Studien, dass bei Langzeitanwendung einer kombinierten Estrogen-Gestagen-Therapie (über mehr als fünf Jahre) das Risiko geringfügig zunimmt.
Ins Spiel gebracht worden ist auch die Anwendung von Estrogenen beim alternden Mann. Die Forschung richtet sich hier vor allem auf Designer-Estrogene, so genannte Scavenger-Estrogene, die als Radikalenfänger wirksam sein sollen. Der Einsatz von niedrig dosiertem 17- b-Estradiol beim alternden Mann, der niedrige endogene Estrogenspiegel aufweist, gilt als umstritten.
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| Berliner Altersstudie |
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Die Berliner Altersstudie (BASE), ein Projekt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften unter der Ko-Leitung von Paul B. Baltes und Karl Ulrich Mayer, gilt wegen der Breite des Spektrums der beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen und der sowohl disziplinär wie interdisziplinär bestimmten Untersuchungsgebiete als weltweit einzigartig. Das gilt insbesondere für den Fokus auf das hohe Alter (70- bis 100-Jährige) und den empirischen Bezug auf eine ausgewählte Stadtbevölkerung.
Die Studie hat bestätigt, dass die Vorstellung vom Alter als einer insgesamt negativ und problematisch zu bewertenden Lebensphase der Wirklichkeit nicht entspricht. Sie hat vielmehr eine Reihe von Befunden erbracht, die positive Aspekte des Alterns belegen. Ältere Menschen sind zum Beispiel klinisch nicht häufiger depressiv als jüngere Erwachsene. Alte Menschen fühlen sich nicht nur überwiegend selbständig, sie sind es auch weitgehend in ihrer Lebensführung.
Andererseits haben die Befunde der Studie ebenso eindrücklich die Unausweichlichkeit des körperlichen und geistigen Abbaus, die Zunahme chronischer Leiden und die schwerwiegenden Folgen sensorischer, geistiger und körperlicher Gebrechen gezeigt. Die sehr alten Menschen fühlen sich im Durchschnitt sozial einsamer, sie erleben weniger positive Emotionen, ihr Gedächtnis weist deutliche Leistungsdefizite auf.
Die Untersuchung hat auch eindrucksvoll gezeigt, dass am Ende des Lebens hochbetagter Menschen im Alter von 100 und mehr Jahren fast ausnahmslos das Schicksal seniler Demenz steht.
Von den negativen Folgen des Alterns sind Frauen offenbar stärker betroffen als Männer, dies in erster Linie deshalb, weil sie im Durchschnitt länger leben und so häufiger in die risikoreicheren Jahre gelangen. Aber auch im Vergleich von Gleichaltrigen sind Frauen im Durchschnitt stärker durch geistige und körperliche Einschränkungen betroffen als Männer.
Die Berliner Altersstudie wurde im Rahmen der Arbeitsgruppe „Altern und gesellschaftliche Entwicklung“ unter Beteiligung von mehr als 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durchgeführt. Die Autoren arbeiten überwiegend am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, an der freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin.
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| „Jugendwahn“ |
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Der allzu menschliche Wunsch, möglichst lange jung bleiben zu wollen, ist ebenso verständlich wie die Angst des Menschen vor dem Tode, die das Leben des alternden Menschen begleitet und überschattet. Es ist daher nicht angemessen, die Bemühungen, im Alter möglichst fit bleiben zu wollen, als Ausgeburt eines „Jugendwahns“ abschätzig zu beurteilen. Die Entwicklungspsychologin Prof. Ursula Staudinger hat dafür deutliche Worte gefunden:
„Genauso wie der Tod, so ist wahrscheinlich auch der Wunsch nicht zu altern (also die Angst vor dem Tod), ein evolutionär verankerter Grundbestandteil der Conditio humana. Es ist kein Phänomen der Moderne oder gar der Postmoderne, dass Menschen jung bleiben bzw. wieder jung werden wollen. Die Darstellungen des Jungbrunnens oder der Jungmühle reichen bis weit in die menschliche Kulturgeschichte zurück. Es scheint daher nicht sinnvoll, die heute zu beobachtende Tendenz, Erkenntnisse der Biologie und der Medizin zu nutzen, um sich jung zu erhalten, einem durch die Wertewelt moderner Industriegesellschaften verursachten Jugendwahn anzukreiden. Eine solche vermeintlich kulturkritische Sicht geht am Kern des Phänomens vorbei. Auch ethische Debatten darum, ob der Mensch in die 'natürliche' Entwicklung eingreifen darf, scheinen längst von den kulturellen Tatsachen überholt. Die menschliche Kultur hat schon in den ‚natürlichen' Verlauf der menschlichen Entwicklung eingegriffen; wie sonst ist der Zuwachs von 30 Jahren an durchschnittlicher Lebenserwartung im Verlaufe des letzten Jahrhunderts zu erklären. Es lässt sich hier sogar umgekehrt eine Verantwortung definieren, das Begonnene verantwortungsvoll fortzusetzen.“
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