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Fibromyalgie-Syndrom
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13. Juni 2007

Das so genannte Fibromyalgie-Syndrom (FMS) besitzt in der Rheumatologie eine eigene Krankheitsentität. Nach den 1990 publizierten Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) handelt es sich um ein länger als drei Monate andauerndes generalisiertes Schmerzsyndrom des Bewegungsapparates, bei dem jedoch keine Entzündungszeichen oder degenerative Prozesse nachweisbar sind. Die Diagnose wird gestellt, wenn mindestens 11 von 18 bzw.12 von 20 typischen so genannten Tender-Points in unterschiedlichen Körperregionen druckschmerzhaft sind.

Angesichts der breit gestreuten Symptomatik ist es nicht verwunderlich, dass auch beim Fibromyalgie-Syndrom viele Synonyme gebräuchlich sind: Generalisierte Tendomyopathie, generalisierter Weichteilrheumatismus, Fibrositis-Syndrom. Fibromyositis, Fibrositis, Myofibrositis. Diskutiert wird auch immer noch darüber, ob es sich bei der Symptomatik um eine rheumatologische Krankheitsentität oder um ein multiples Somatisierungssyndrom handelt.

Nach der WHO-Klassifikation wird Fibromyalgie eingestuft unter ICD 10 M79.7. Die auf das Syndrom bezogene deutsche AWMF-Leitlinie ist seit 1997 nicht mehr aktualisiert worden und bezieht sich weitgehend auf die 1990 vom American College of Rheumatology aufgestellten Kriterien. Danach handelt es sich um ausgedehnte, multilokuläre Schmerzzustände

  • in mindestens drei Körperregionen
  • mit einer Dauer von mindestens drei Monaten
  • mit Druckschmerz an mindestens elf von 18 Stellen ("Tender-points").

Diese Tender-points sind bilateral lokalisiert an:

  1. Occiput
  2. Untere HWS
  3. M.trapezius
  4. M.supraspinatus
  5. 2.Rippe.
  6. lateraler Epicondylus
  7. Glutealregion
  8. Trochanter
  9. Knie

Als psychovegetative bzw. funktionelle Nebenbefunde werden angeführt:

  • Kalte Akren
  • Mundtrockenheit
  • Hyperhidrosis
  • Tremor
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Globusgefühl

Differentialdiagnostisch sind organische Ursachen auszuschließen. Mit dem Krankheitsbild können verschiedene Symptome assoziiert sein:

  • Parästhesien (in etwa 60% der Fälle)
  • Kopfschmerzen (50%)
  • Colon irritabile (30%)
  • Vegetative Symptome wie Rötung, Palpation, reaktive Hyperämie, Bindegewebsschwellungen an den oberen Extremitäten
  • Positive Korrelation mit vorhergehenden oder aktuellen depressiven Störungen
  • Steigerung durch mentalen Stress, Schlafdefizit und Angst, durch Ermüdung, Kälte und feuchtes Wetter bzw. Wetterwechsel sowie durch anhaltende schwere Arbeit
  • Vorübergehende Besserung durch Wärme

Allein die häufige Verknüpfung mit den genannten Symptomen macht bereits deutlich, dass bei Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom (FMS) offensichtlich eine hohe Bereitschaft zur Somatisierung besteht. Schätzungsweise 15 Prozent der Klientel einer rheumatologischen Sprechstunde sind dem Syndrom zuzuordnen. 

Bei FMS-Patienten handelt es sich vorwiegend um Frauen mit erheblichen Einschränkungen der Aktivitäten des täglichen Lebens und der Erwerbsfähigkeit.
Die nach Ausschluss klassischer rheumatologischer Entitäten gefällte Diagnose beinhaltet für die Patienten meist mehr Fragen als Antworten. Nach Einschätzung führender Rheumatologen gibt es zu diesem Krankheitsbild keine klaren Antworten auf die Fragen nach Ursache, Therapie und Prognose.

Da bisher nach den Kriterien evidenzbasierter Medizin keine auslösende Ursache für das FMS gefunden worden ist, gibt es keine kausal wirksame Therapie. Nicht-steroidale Antirheumatika sind oft wirkungslos.Gewisse Erfolge werden erzielt mit physikalischen Therapiemaßnahmen (Massagen, Wärmeanwendungen, Thermalbäder etc.), mit eingehender psychosomatisch-psychotherapeutischer Betreuung, auch mit Anwendung von Antidepressiva, Akupunktur und Neuraltherapie. Vorgeschlagen wird auch eine mehrdimensionale stationäre Behandlung mit Erlernen von Bewältigungs- und Selbstbehandlungsverfahren, gefolgt von langfristiger ambulanter Betreuung.

Die Prognose im Hinblick auf die Lebenserwartung wird als gut eingeschätzt. Problematisch bleibt die Arbeitsfähigkeit, die häufig zur Frühberentung führt. Damit in Zusammenhang zu bringen ist wohl auch die Beobachtung, dass sich das Krankheitsbild nach dem 60. Lebensjahr oft spontan zurückbildet.

Weiterführende Links:
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll-na/038-006.htm
http://flexikon.doccheck.com/Fibromyalgie
http://www.neuro24.de/fibromyalgie.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Fibromyalgie
http://www.onmeda.de/krankheiten/fibromyalgie.html
http://www.medinfo.de/index.asp?r=686&thema=Fibromyalgie



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